Der streitbare Imker

Kommunalwahl in Kassel: Bernd Hoppe für „Rettet die Bienen“

Die Bienen haben sein Leben verändert: Das sagt Imker Bernd Hoppe, der früher in der SPD und bei den Freien Wählern war. Zuletzt hieß seine Fraktion „Wir für Kassel“. Nun tritt er mit „Rettet die Bienen“ an.
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Die Bienen haben sein Leben verändert: Das sagt Imker Bernd Hoppe, der früher in der SPD und bei den Freien Wählern war. Zuletzt hieß seine Fraktion „Wir für Kassel“. Nun tritt er mit „Rettet die Bienen“ an.

Vor der Kommunalwahl am 14. März 2021 stellen wir die Spitzenkandidaten aller Listen vor, die in Kassel antreten. Hier: Bernd Hoppe von Rettet die Bienen.

Kassel – Glaubt man Bernd Hoppe, änderte sich sein Leben, als er vor vier Jahren mit seiner Frau bei Freunden eingeladen war, deren Sohn zwei Bienenvölker besaß. Den ganzen Abend redeten sie über Bienen und eine Studie, nach der bald drei Viertel aller Insekten verschwunden sein könnten.

Vier Jahre später ist aus dem Rechtsanwalt Hoppe ein Bio-Imker geworden. Und der Kommunalpolitiker Hoppe, der vier Jahre die Kasseler SPD anführte, Bürgermeister in Willingshausen und für die Freien Wähler Kasseler Oberbürgermeister werden wollte, steht nun an der Spitze einer Liste, die sich „Rettet die Bienen“ nennt.

Was wie ein Witz klingt, ist auch die Geschichte eines Gescheiterten, die mit der Kommunalwahl aber weitergehen könnte. Beobachter trauen Hoppe und seinen Mitstreitern einige Sitze zu, weil das Thema, auf das sie setzen, gerade für Jüngere wichtig ist.

Zuletzt bildete der 60-Jährige unter anderem mit dem bis dahin fraktionslosen Ex-FDP-Mann Andreas Ernst in der Stadtverordnetenversammlung die Gruppe „Wir für Kassel“. Wäre es nach Hoppe gegangen, hätten sie sich gleich „Rettet die Bienen“ genannt. Der Harleshäuser findet den Namen „eine schöne Allegorie“. Denn: „Es geht um viel mehr als den Artenschutz, etwa auch um die Verkehrswende und den Klimaschutz.“

Die neue Gruppe will grüner als die Grünen sein. Im Klima-Check des Klimaaktionsbündnisses landeten „Rettet die Bienen“ tatsächlich vor Linken und Grünen, mit denen Hoppe zusammenarbeiten will. Zuletzt äußerten die Klimaaktivisten jedoch „Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Wählergruppe“. Hoppe betont dagegen, er habe kein einziges Mal gegen Klimaschutz gestimmt. Und: „Grün habe ich schon 1979 bei der Europawahl gewählt, bevor ich in die SPD eingetreten bin.“

Die Zeiten als Hoffnungsträger der Sozialdemokraten sind längst vorbei. 2012 trat er aus der Partei aus. Zuletzt machte er nicht als Politiker oder Anwalt, sondern als Angeklagter Schlagzeilen. Wegen der Veruntreuung von Mandantengehältern wurde er 2018 vom Landgericht Kassel zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem erhielt er ein zweijähriges Berufsverbot. Mittlerweile wird erneut wegen Untreue ermittelt. Ob die Anklage zugelassen wird, ist laut einem Gerichtssprecher noch nicht entschieden.

Zu alldem möchte Hoppe nichts sagen. Dann sagt er doch: „Aus meinen Fehlern, die ich sehr bedaure, habe ich versucht zu lernen.“ Mittlerweile glaubt der promovierte Jurist, dass er niemals hätte Anwalt werden sollen: „Man kommt morgens ins Büro und fängt an, sich zu streiten.“ Seine Zulassung hat er zurückgegeben.

Der Vater zweier Kinder führt nun ein anderes Leben. Er hat keinen Terminkalender und keine Visitenkarten mehr. Stattdessen redet er von der Grundgelassenheit, die man als Imker mit 30 Bienenvölkern und Politiker einer kleinen Fraktion brauche. In seiner ehemaligen Kanzlei in Kirchditmold betreibt er ein Business-Center, wo Firmen Räume für Meetings und Geschäftsadressen mieten können. Hoppe sagt, dass er kein Auto mehr hat und stattdessen Rad fährt.

Nur zuletzt musste er öfter das Stattauto nehmen – wegen der Wahlplakate, die er nicht anders transportieren konnte. Auf ihnen ist nicht sein bekanntes Gesicht zu sehen, sondern nur eine Biene und der Name, der Programm werden soll: Rettet die Bienen.

Von Matthias Lohr

Hinweis in eigener Sache: Wir haben allen Kandidaten angeboten, dass sie sich auch im Video vorstellen. Frau Rieger hat dieses Angebot nicht wahrgenommen.

Alle Kandidatenporträts finden Sie hier.

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