Nachruf auf Kasseler Ingenier

Transrapid war sein Lebenswerk: Hans Georg Raschbichler ist mit 80 Jahren gestorben

Der Ingenieur und sein Lebenswerk: Hans Georg Raschbichler hat den Magnetschwebezug Transrapid maßgeblich entwickelt. Vor Kurzem ist der gebürtige Münchner gestorben. Das
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Der Ingenieur und sein Lebenswerk: Hans Georg Raschbichler hat den Magnetschwebezug Transrapid maßgeblich entwickelt. Vor Kurzem ist der gebürtige Münchner gestorben. Das

Hans Georg Raschbichler hat den Magnetschwebezug Transrapid maßgeblich entwickelt. Vor Kurzem ist der gebürtige Münchner gestorben.

Die Aufgabe, die sein Leben prägen sollte, wurde ihm in seinem ersten Job gestellt: Kann ein Magnet bei hoher Geschwindigkeit stabil schweben, wollte Ludwig Bölkow, Chef des damaligen Konzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB), Anfang der 1970er-Jahre von seinem jungen Ingenieur Hans Georg Raschbichler wissen. Die Antwort hieß Transrapid: Ein von einem wandernden Magnetfeld gezogener Hochgeschwindigkeitszug, der schwebend über die Schienen flitzt.

Der abschnittsweise unter Strom gesetzte Fahrweg ist gewissermaßen sein Motor. Mehr als 30 Jahre Arbeit hat Raschbichler diesem Projekt gewidmet. Nun ist der gebürtige Münchner mit 80 Jahren gestorben. Er hinterlässt seine Frau, einen Sohn und Enkel.

Schon als Kind habe er gern getüftelt, erzählte er einst dieser Zeitung, habe Radios und Morse-Apparate gebaut. Seine berufliche Laufbahn begann der Sohn eines Werkzeugmeisters als Feinmechaniker. Ein Ingenieurstudium schloss sich an. Von MBB wechselte er zur Rheinstahl Transporttechnik in Kassel, dem Vorgänger der Thyssen Industrie AG Henschel. „Wenn ich mal einen Willen habe, dann mache ich das auch“, sagte er einmal. „Dafür bin ich gefürchtet.“ Schließlich war Raschbichler Chef von Transrapid International. 2006 ging er in den Ruhestand.

Der Magnetflitzer geht auf ein Patent den Ingenieurs Hermann Kemper von 1934 zurück, der seine Pläne jedoch nicht verwirklichen konnte. Raschbichler brachte das Projekt – auch mit seiner Entwicklungsarbeit am Fahrweg des Zugs – zur Serienreife und vermarktete es. In den Medien hieß er der „Vater des Transrapid“. Er hat für dieses Kind gekämpft, sich von Niederlagen nicht entmutigen lassen. „Ich habe Angst gehabt, dass alles in die Hose geht“, sagte er dieser Zeitung.

Im Jahr 1979 war der Transrapid der Öffentlichkeit vorgestellt worden, seit 1984 war er auf einer Versuchsstrecke im Emsland unterwegs. Am Produktionsort Kassel demonstrierten Menschen für eine Trasse, die Hamburg und Berlin verbinden sollte. Die Pläne scheiterten um die Jahrtausendwende an den Kosten.

Ein Jahr später dann der Triumph: 2001 vereinbarten China und das Transrapid-Konsortium von Siemens und Thyssenkrupp den Bau einer Strecke vom Flughafen Schanghai zum Finanzzentrum der Stadt. Im Morgengrauen erhielt Raschbichler den Anruf eines Mitarbeiters, der ihn über den Vertragsabschluss informierte. Bei der Jungfernfahrt an Silvester 2002 habe er mit seiner Frau im letzten Wagen des Zugs gesessen, erzählte er der „Süddeutschen Zeitung“. Sieben Minuten brauchte der Magnetflitzer für die 30 Kilometer lange Strecke.

Als Verkehrsmittel durchgesetzt hat sich der Transrapid jedoch nicht, die Trasse in Schanghai blieb bislang die einzige kommerzielle Strecke. In China wird die Technologie weiterentwickelt, Siemens und Thyssenkrupp haben ihr Konsortium jedoch aufgelöst. Der Standort Kassel wurde zum Jahresende 2010 aufgegeben. (Barbara Will)

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