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Waschbären breiten sich rasant in Kassel aus – „Passen sich immer mehr an“

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Von: Anna Lischper

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Ein  Waschbär guckt in die Kamera
Viele Menschen finden Waschbären niedlich: Doch die Wildtiere können auch Krankheiten haben und Schäden anrichten. © Patrick Pleul/dpa

In einem Jahr wurden in Hessen zehn Prozent mehr Waschbären geschossen – und insgesamt so viele wie noch nie. In und um Kassel hingegen ist die Population hoch.

Kassel – Die Stadt Kassel bezeichnet ihn als „Begleiter der menschlichen Einwohner in der Stadt“. Im Jagdjahr 2021/2022 wurden in Hessen 33.268 Waschbären erlegt. Das sind 3393 Tiere mehr als im Vorjahr. Das bedeutet zwar nicht zwangsläufig, dass es insgesamt mehr Tiere gibt, weil Streckenzahlen auch mit der Bejagungsintensität zusammenhängen.

„Beim Waschbären gehen wir aber davon aus, dass es mehr Tiere gibt, weil sich die Waschbären so rasant in neuen Gebieten ausbreiten“, sagt Nadine Stöveken vom Landesjagdverband Hessen. Während die Jagdstrecken in Nordhessen bereits seit vielen Jahren vergleichsweise hoch sind, nehmen sie nämlich in den Mittel- und Südhessischen Landkreisen immer weiter zu. Südlich von Frankfurt seien die Strecken noch relativ gering. „Dies spricht dafür, dass sich der Waschbär immer weiter nach Süden ausbreitet.“

Nadine Stöveken vom Landesjagdverband Hessen
Nadine Stöveken Landesjagdverband Hessen © Reinhard Simon

Waschbären in Kassel: Über 100 Tiere auf 100 Hektar

In Kassel aber hat der Waschbär seine Heimat längst gefunden. „Normalerweise leben vier bis fünf Tiere auf 100 Hektar, hier sind es teils über 100 Tiere“, so Stöveken. Genaue Zahlen habe man nicht, heißt es von der Unteren Jagdbehörde der Stadt. Auch dort werden nur die erlegten Tiere gezählt.

Pro Jahr werden im Zuständigkeitsbereich der Stadt Kassel etwa 100 Tiere gestreckt, die Zahl beinhaltet auch verunfallte Tiere – „eine signifikante Erhöhung ist trotz eines leichten Anstiegs der Zahlen nicht zu erkennen“. Indessen nimmt auch die Zahl der Bürger zu, die sich Rat holen. „Viele rufen an, weil sich in deren Haus oder Garten Waschbären niedergelassen haben“, berichtet Stöveken. Besonders im Herbst und Winter, wo viele Menschen Igelfutter auf die Terrasse stellen. „Da kann man dann erst einmal nur raten, sämtliche Lockmittel zu entfernen.“

Kassel: Waschbären durch Schlösser an Mülltonnen fernhalten

Weniger Nahrungsangebot – weniger Waschbären, lautet auch der Rat der Stadt Kassel. Insbesondere die Installation von Schlössern an Abfallbehältern bezeichnet ein Sprecher als „sehr erfolgreich“.

Frank Becker von der Firma Waschbärschutz konzentriert sich seit Mitte der 1980er-Jahre auf den Schutz menschlichen Wohnraums vor Waschbären. „Die Tiere passen sich immer mehr der Umgebung an und besiedeln menschlichen Lebensraum. Waschbären sind ja schon lange nicht mehr nur im Wald zu finden.“

Waschbären fühlen sich auf „trockenen und warmen Dachböden am wohlsten“

Und: Die Tiere lernen, mit Umständen zu leben. „Was früher der Baum war, ist heute das Fallrohr“, so Becker. Das Ziel der Tiere sei nach wie vor „hoch hinaus“. „Der Waschbär versucht, immer in die Höhe zu kommen, und fühlt sich auf trockenen und warmen Dachböden am wohlsten.“

Hier hat der Waschbär gehaust: So, wie es auf dem Bild zu sehen ist, sieht es auf vielen Dachböden in Kassel aus.
Hier hat der Waschbär gehaust: Hat der Waschbär erst einmal das Dach erreicht, kommt es häufig zu Schäden von gravierendem Ausmaß. So, wie es auf dem Bild zu sehen ist, sieht es auf vielen Dachböden in Kassel aus. © Frank Becker/nh

Mit seiner Firma sei er mittlerweile bundesweit unterwegs. Während die Tiere anderswo erst ankommen, beobachtet Becker in Kassel, dass die Siedlungsdichte stetig zunimmt. Dass es der Waschbär vor allem auf Dachböden abgesehen hat, sorgt dafür, dass etwa 20 Prozent der Kunden der Firma H. Rudolph Dacheindeckungen mit Waschbär-Schäden zu ihnen kommen.

„Wir können das Dach nicht komplett sicher vor ihm machen. Aber wir können es ihm erschweren“, sagt Markus Broch. Winteranfang und Frühjahr seien die schlimmsten Monate: „Erst steht Nestbau an, dann kommen die Jungen.“ Da sei die kuschelige Wärmedämmung in Dachböden ein ideales Zuhause. (Anna Lischper)

Im Kreis Kassel bedrohen Waschbären bereits Arten in Naturschutzgebieten. Mit einem Pilotprojekt sollen Bodenbrüter und Amphibien besser geschützt werden.

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