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Das ist kein normaler Sportverein: Kino-Doku über Dynamo Windrad

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Von: Matthias Lohr

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Fan-Kultur in der Kreisliga C: So sieht es aus, wenn Anhänger von Dynamo Windrad ihre zweite Mannschaft anfeuern, die in der untersten Liga spielt.
Fan-Kultur in der Kreisliga C: So sieht es aus, wenn Anhänger von Dynamo Windrad ihre zweite Mannschaft anfeuern, die in der untersten Liga spielt. ScreenshotS: Max Winkler © Privat/nh

In der Liga durften die Fußballer von Dynamo Windrad einst nicht mitkicken, weil der Verein den Funktionären zu links war. Immer noch ist der Verein anders. Davon erzählt nun eine Doku.

Kassel – Auch 40 Jahre nach der Gründung ist der Freizeitsportclub Dynamo Windrad immer noch der etwas andere Sportverein. Die Mitglieder verteilen schon mal Sticker, auf denen steht nicht: „Hier regiert der FSC.“ Sondern: „Hier verliert der FSC.“ Legendär sind die juristischen Auseinandersetzungen mit dem Deutschen Fußball-Bund, der Dynamo in den 1980er-Jahren vom Spielbetrieb ausschloss, weil der Name den Funktionären zu links war. Zum 40. Geburtstag des Vereins hat Pressewart Max Winkler eine Film-Dokumentation über seinen Club weitergedreht. „Sonntag Morgen Linien Ziehen“ läuft Mittwochabend im Filmladen. Wir redeten mit dem Regisseur, der zuletzt Hauptdarsteller in einem Spielfilm auf der documenta war und dessen Bruder, der Schauspieler Milton Welsh („Blutzbrüdaz“), als Sprecher in der Doku zu hören ist.

Sie haben gesagt, dass Sie sich in Dynamo Windrad sofort verknallt haben, als Sie vor sieben Jahren in den Verein eingetreten sind, um Fußball zu spielen. Ist Ihre Dokumentation ein Liebesfilm geworden?

Eine gewisse Fußballromantik kann man dem Film nicht absprechen – gerade wenn man sich für Fußball und die irren Geschichten dieses Sports interessiert. Man kann es auch anders sagen: Dieser Film hat nicht unbedingt einen Anspruch auf Objektivität.

Basis ist die Doku, die der Hamburger Regisseur Stefan Willner zum 25. Dynamo-Jubiläum angefertigt hat. Was haben Sie verändert?

Ich habe nichts geändert. Es ist nun ein zweigeteiltes Werk. Idee für das Projekt waren die Aussagen einiger Protagonisten zum 25. Jubiläum. Mehrere Leute sagten damals im Film, dass sie gespannt seien, was aus ihrem Verein in 15 Jahren geworden ist. Dem bin ich nachgegangen.

Was ist aus Dynamo geworden? Ein Sportverein wie jeder andere auch?

Auf keinen Fall. Der Verein ist wieder politischer geworden und engagiert sich mehr – etwa gegen die Abschiebung von Flüchtlingen. Im Film sagt dies Martin Sonntag von der Caricatura. Es gibt sogar eine kleine Fan-Szene. Und wir haben mit dem Windpark Jahn in Rothenditmold jetzt eine sportliche Heimat. Das war immer ein Traum und auch ein Gründungsgedanke des Vereins.

Ist der Film jetzt fertig?

Ich hoffe nicht. Ich habe die Hoffnung, dass in zehn Jahren wieder jemand kommt und dem Film ein weiteres Kapitel hinzufügt. Daraus sollte eine Tradition werden. Zum hundertjährigen Bestehen sollte dann eine viereinhalbstündige Doku daraus geworden sein.

Auf der documenta fifteen waren Sie im sehr lustigen Trash-Film „Football Kommando“ des afrikanischen Kollektivs Wakaliga Uganda zu sehen, der in der documenta-Halle lief. Sie spielten einen Fußballer namens Rummenigge. Ist das jetzt Ihr neuer Spitzname?

Nein, aber ich spiele in der zweiten Mannschaft bei Dynamo in der Kreisliga C. Jedes Mal, wenn ich den Ball bekomme, rufen Mitspieler und Zuschauer „Football Kommando“. Auf Partys und Festivals werde ich häufig erkannt und auf den Film angesprochen.

Dynamo Windrad war diesen Sommer Teil des Kasseler Ekosistems, hat nach dem Antisemitismus-Eklat aber die Zusammenarbeit mit der documenta aufgekündigt. Ist die Kunstschau Ihrer Ansicht nach gescheitert?

Das ist eine schwierige Frage. Der Umgang mit dem Antisemitismus-Skandal war einer documenta nicht würdig. Da habe ich mich auch persönlich nicht für voll genommen gefühlt. Dabei gab es so viele tolle Kunstwerke, die durch den Skandal aus dem Blickfeld gerückt sind. Es wäre so wichtig gewesen, miteinander zu reden und Debatten zu führen.

Termin: „Sonntag Morgen Linien Ziehen“ läuft Mittwoch (20.30 Uhr) im Filmladen, Goethestraße 31.

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