Festa oder Fiesta?

EM-Halbfinale zwischen Italien und Spanien: Italienisch-spanisches Ehepaar schließt Wette ab

Gerangel um den Ball: Der Italiener Ernesto Plantera und seine Ehefrau, die Spanierin Maria Cancela Perez, machen schon mal vor, wie es auf dem Spielfeld im EM-Halbfinale zugehen könnte.
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Gerangel um den Ball: Der Italiener Ernesto Plantera und seine Ehefrau, die Spanierin Maria Cancela Perez, machen schon mal vor, wie es auf dem Spielfeld im EM-Halbfinale zugehen könnte.

Im Halbfinale der Fußball-EM kommt es zum Kracher Italien gegen Spanien. Ein besonderes Duell ist es auch für ein Ehepaar aus Ahnatal: Er ist Italiener, sie Spanierin.

Ahnatal – Nein, eisige Stimmung herrscht nicht. Zwischen Ernesto Plantera und Maria Cancela Perez fliegt höchstens die eine oder andere Spitze hin und her. Aber alles mit Augenzwinkern. Dabei böte die Konstellation vor dem heutigen EM-Kracher Italien gegen Spanien durchaus emotionalen Sprengstoff. Beide Ehepartner sind leidenschaftliche Fußballfans, er ist Italiener, sie Spanierin. „Ich bin in erster Linie aufgeregt“, sagt Cancela Perez. Zuletzt beim Elfmeterschießen gegen die Schweiz habe sie es kaum ausgehalten.

Im Gegensatz zu seiner Frau zählt Plantera eher zu den gelasseneren Fans. Er freue sich aufs Spiel, und er glaube bis zur letzten Sekunde an den Sieg, sagt der 48-Jährige, der als Geschäftsführer von Protex-Sicherheitsdienste tätig ist. „An welchen Sieg?“, will die Gattin wissen. Die Antwort: „Na, an den Sieg bei dieser EM. Und da müssen jetzt halt auch die Spanier dran glauben.“ Da ist wieder so eine von diesen Spitzen.

Schmunzelnd winkt die Gattin ab. Beim Fußballgucken sei er einfach nur ruhig und entspannt, sagt die 51-Jährige, die bei VW arbeitet, über ihren Mann. Plantera beschreibt sie ein klein wenig anders. Sie könne nicht still sitzen, sie gehe ständig hin und her, manchmal sogar raus: „Es kommt auch schon mal vor, dass sie Geschirr abräumt, um sich abzulenken.“

Ehepaar schließt Wette über EM-Halbfinale zwischen Italien und Spanien ab

Für das Halbfinale haben die beiden eine Wette abgeschlossen: Der Verlierer muss den anderen bedienen. Auf die Frage, für welchen Zeitraum, antwortet Plantera: ein Leben lang. „Du bist dir wohl sehr sicher“, entgegnet Cancela Perez. Der Gatte grinst.

Es geht herzlich zu im Haus des italienisch-spanischen Paares am Kammerberg in Ahnatal. Solange nicht gegeneinander gespielt wird, „unterstützen wir den anderen“, sagt die Ehefrau, die für die bisherigen Italienspiele ein blaues Trikot übergestreift hat. Plantera hat vor jedem Spiel gegrillt – eine Salsiccia, eine typisch sizilianische Bratwurst. Auf der Insel liegen die Wurzeln seiner Familie. Er selbst ist in Kassel geboren. Ehefrau Maria kam mit drei Jahren nach Nordhessen, geboren ist sie in Galicien, im Norden Spaniens.

Wenn das Ehepaar über die EM und Fernsehgucken spricht, sind die südländischen Einflüsse unverkennbar. Essen dürfe nicht fehlen, erklärt Cancela Perez, die Tür stünde immer auf für die Nachbarn, die eine oder andere Partie wurde auch draußen zwischen den Häusern auf einer größeren Leinwand geschaut: „Sich zusammen freuen – das macht doch das EM-Feeling aus.“ Langweilig und leise wird es jedenfalls nicht. Bei der italienischen Hymne dreht Plantera ganz gern mal auf: „Das kriegt der ganze Kammerberg mit. Mit so viel Inbrunst singt keine andere Mannschaft.“

EM-Halbfinale zwischen Italien und Spanien: Ehepaar genießt spaßige Sticheleien

Wo sie gucken werden, steht allerdings noch nicht fest. Gut möglich, dass sie sich mit Marias Geschwistern in Kassel treffen. Plantera sagt: „Wenn die Spanier es mit Fassung tragen, schauen wir auch gern vorbei.“ Noch so eine Spitze. Die Gattin ergänzt augenzwinkernd: „Ich glaube, wer verliert, muss wohl erst mal für eine Nacht oder zwei Nächte ausziehen.“

Auch wegen dieser spaßigen Sticheleien hat das Paar zahlreiche Nachrichten bekommen. Als dieses Duell feststand, meldeten sich mehrere Freunde via Whatsapp. Was macht ihr jetzt? Kann ich bei euch gucken? Braucht ihr jemandem zum Schlichten? Plantera tippt auf einen 3:1-Sieg der Italiener, die Spanierin setzt auf einen 3:2-Erfolg ihres Teams nach Verlängerung. Mal sehen, wer dann bedienen muss. (Robin Lipke)

Nach der umstrittenen UEFA-Entscheidung war der Kasseler Herkules in Regenbogen-Farben erstrahlt. Mit der Aktion wollte sich die Stadt gegen Diskriminierung positionieren.

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