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Vor der Oberbürgermeisterwahl in Kassel: So werben die Kandidaten schon um Stimmen

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Von: Matthias Lohr, Andreas Hermann

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Gewählt wird in Kassel erst am 12. März 2023, aber schon jetzt hat der Oberbürgermeisterwahlkampf begonnen.
Gewählt wird in Kassel erst am 12. März 2023, aber schon jetzt hat der Oberbürgermeisterwahlkampf begonnen. © Frank Rumpenhorst/dpa

Rund vier Monate vor der Oberbürgermeisterwahl in Kassel bringen sich die fünf Kandidaten in Position. Die heiße Phase startet schon bald.

Kassel – Im Internet, in den sozialen Medien und nicht zuletzt im realen Leben ist die am 12. März 2023 anstehende Oberbürgermeisterwahl in Kassel angekommen. Rund vier Monate vor der Wahl sind alle fünf bislang bekannten Bewerberinnen und Bewerber für das Amt mit Auftritten im Netz vertreten. Aber nicht nur das: Die CDU-Kandidatin Eva Kühne-Hörmann klingelt bereits bei Hausbesuchen an. Der Grünen-Kandidat Sven Schoeller macht mit Infoständen auf sich aufmerksam. Und Amtsinhaber Christian Geselle, der als unabhängiger Kandidat antritt, zeigt schon seit Wochen Präsenz bei Veranstaltungen aller Art.

Einen offiziellen Startschuss in den Wahlkampf hat es bei keinem der Kasseler Oberbürgermeister-Kandidaten gegeben. Trotzdem hat der Wahlkampf inzwischen mächtig Fahrt aufgenommen. Der Blick auf die bisherigen Aktivitäten und die bereits einsehbaren Auftritte der Kandidaten im Internet und in den sozialen Medien zeigt, dass politische Themen und Ziele eher eine untergeordnete Rolle spielen. Bei Eva Kühne-Hörmann und Christian Geselle ist dazu bislang nichts zu finden. Sven Schoeller listet sehr wohl seine Positionen auf. Und mit seinem Vorschlag, Kassel solle sich eine Stadt in der Ukraine als Partner suchen, hat der Grüne auch erstmals ein Thema in diesem Kasseler OB-Wahlkampf gesetzt.

Zudem begibt sich Schoeller auf eine Tour durch alle 23 Stadtteile. Dort will er nicht nur an Wahlkampfständen mit den Menschen ins Gespräch kommen. Oft lädt er auch zu einer Jogging-runde durch den jeweiligen Stadtteil ein.

SPD-Kandidatin Isabel Carqueville will an diesem Wochenende in die heiße Phase ihres Wahlkampfs starten und kündigt an, ein 100-Tage-Programm für Kassel vorstellen zu wollen.

Die Linken-Kandidatin Violetta Bock wird offiziell erst am morgigen Donnerstag von ihrer Partei gewählt. Danach wird sie stärker in den Wahlkampf einsteigen. Eine eigene Internetseite wird gerade noch gebaut. Von Terminen berichtet sie aber schon auf ihrer Facebook-Seite. Auch inhaltlich nimmt sie dort Stellung – wie zuletzt, als sie beim Warnstreik der IG Metall teilnahm. Ihr Motto auf der Facebook-Seite lautet „Mut zum Widerstand.“

Die Kandidaten im Check: Eva Kühne-Hörmann

„Eva macht das!“ ist das Motto von Eva Kühne-Hörmann zur OB-Wahl in Kassel. Genau das habe ihr Vater immer gesagt, wenn es etwas zu regeln galt, berichtet die Landtagsabgeordnete, Kreisvorsitzende und Stadtverordnete der CDU. Wer sich ihre Auftritte im Internet und in den sozialen Medien anschaut, der merkt, dass es bislang an politischen Inhalten und Zielen fehlt. Die Kandidatin verzichtet darauf nach eigenen Angaben bewusst. Sie will mit einer „Zuhör-Tour“ mit den Menschen in Kassel real und online ins Gespräch kommen und im Anschluss ihre Themen setzen. „Zuhören, Wege finden, durchsetzen“, beschreibt sie ihre Strategie. Die nächste Online-Zuhör-Runde findet am heutigen Mittwoch statt, anmelden kann man sich auf eva-kuehne-hoermann.de.

Sven Schoeller

Für Sven Schoeller (Grüne) beginnt die heiße Phase erst Anfang Januar. Doch bereits jetzt ist der Rechtsanwalt auffallend präsent – ob auf Veranstaltungen wie der Waldauer Entenkirmes und der Verleihung des Bürgerpreises Glas der Vernunft. Schoeller plant Diskussionen zu Themen wie der Wärmeversorgung und hat bereits Podcasts produziert, die bald veröffentlicht werden sollen. In den Sozialen Medien setzt er wie seine Konkurrenten auf Facebook und Instagram. Nur Amtsinhaber Christian Geselle ist auch auf Twitter aktiv. Auf sven-schoeller.de gibt es seit gestern Termine. Im Dezember soll die Seite ein neues Design erhalten.

Violetta Bock

Seit Ende September postet die Linken-Kandidatin wieder regelmäßig Inhalte auf ihrer Facebook-Seite, die sie 2018 anlässlich ihrer Kandidatur zur Landtagswahl ins Leben gerufen hatte. Seitdem beteiligte sich die 34-Jährige etwa an der Aktion des Mieterbunds zum Mietenstopp und der Demonstration gegen die hohen Energiekosten und für mehr Umverteilung. Es ist davon auszugehen, dass Bock mit diesen und ähnlichen Themen auch im Wahlkampf punkten will. Näheres soll nach ihrer offiziellen Wahl am morgigen Donnerstag entschieden werden. Ein eigenes Team wird gerade zusammengestellt, die Internetseite ist im Aufbau.

Christian Geselle

Der Amtsinhaber hat sich bereits vor Bekanntgabe seiner Kandidatur als unabhängiger Bewerber (Ende September) im Wahlkampfmodus befunden. Seit Wochen zeigt er als OB und OB-Kandidat Präsenz bei Veranstaltungen von Vereinen, in den Stadtteilen und bei vielen anderen Gelegenheiten. Wie bereits bei seiner Wahl 2017 plant Christian Geselle auch diesmal wieder Hausbesuche. Sein Wahlkampfmotto von 2017 hat der Sozialdemokrat, der wegen des parteiinternen Streits nicht für die SPD antritt, leicht abgeändert. So heißt es bei seinen Auftritten in den sozialen Medien nun etwa „Christian Geselle – Kassel unser bestes Zuhause, Wohlfühlen mit Sicherheit und Zuversicht“.

Isabel Carqueville

Bislang hat SPD-Kandidatin Isabel Carqueville weit über 100 aktive Unterstützer für ihren Wahlkampf gewonnen, viele davon ohne Parteibuch, wie sie sagt: „Der Zuspruch ist phänomenal.“

Mit Experten, Stadtteilvertretern und den ehemaligen SPD-Oberbürgermeistern habe man ein 100-Tage-Programm erarbeitet, das sie bald präsentieren werde. „Am Anfang dieser Liste steht mein Ziel, den Stau in der Verkehrspolitik in Kassel aufzulösen. Ich will alle Akteure an einen Tisch holen.“ Aber auch andere dringende Handlungsfelder wie die strategische Ausrichtung der Wirtschaftspolitik stünden in dem Programm.

Seit ihrer Nominierung wirbt Carqueville unter herzfuerkassel.de um Unterstützung im Wahlkampf. Das OB-Wahl-Motto der SPD lautet nun: „Mut für neue Wege“. (Andreas Hermann, Matthias Lohr)

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