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Der Weihnachtsmann glaubt ans Christkind

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Er faszinierte Kassel in den vergangenen fünf Wochen: Der Fliegende Weihnachtsmann Fernando Traber verbrachte auch viel Zeit in seinem Wohnwagen auf dem Friedrichsplatz.
Er faszinierte Kassel in den vergangenen fünf Wochen: Der Fliegende Weihnachtsmann Fernando Traber verbrachte auch viel Zeit in seinem Wohnwagen auf dem Friedrichsplatz. © Andreas Fischer

In den vergangenen fünf Wochen hat Fernando Traber dafür gesorgt, dass viele Menschen in Kassel wieder an den Weihnachtsmann glauben. Mit seiner Show „Der Fliegende Weihnachtsmann“ hat der 24-jährige Hochseilartist Abend für Abend nicht nur die Augen der vielen Kinder auf dem Opern- und Friedrichsplatz zum Leuchten gebracht.

Kassel - Auch die Erwachsenen waren von dem Weihnachtsmann, der im Rentierschlitten über die Innenstadt flog, fasziniert. „Weit über 40 000 Menschen waren am vergangenen Samstag da, um mich zu sehen“, schätzt Traber. „Das war Rekord, ein halbes Fußballstadion voll.“ Tausende von Menschen erlebten gestern Abend seinen letzten Flug über den Weihnachtsmarkt, zumindest für dieses Jahr. Es gebe Gespräche mit Kasel Marketing, dass er eventuell im nächsten Jahr zurückkehrt, sagt Traber.

Während seiner Zeit in Kassel hat er zwar in einem Hotel übernachtet, aber tagsüber auch viel Zeit in seinem Wohnwagen auf dem Friedrichsplatz verbracht, dort auch gekocht. Der Wohnwagen bedeutet ein Stück Heimat für den jungen Mann, der in Kassel gleich mehrere Rekord aufgestellt hat: Mit seinen 24 Jahren ist er der nicht nur der jüngste Weihnachtsmann der Welt, der über einen Markt fliegt. Hier hatte er auch den höchsten Arbeitsplatz als fliegender Weihnachtsmann weltweit. Das 150 Meter lange Seil ist nämlich in einer Höhe von 40 Metern gespannt gewesen.

In Kassel habe er sich superwohl gefühlt und schnell Anschluss gefunden. Besonders begeistert sei er als „alter Plattensammler“ von dem Angebot im Musikladen „Scheibenbeisser“ an der Fünffensterstraße gewesen, sagt Traber, der auf Soul und Funk steht. „Es ist überwältigend, wie viel gute Musik es hier gibt.“ Er habe sich zahlreiche neue LP für seine Sammlung gekauft. Schätzungsweise 7500 Platten habe er bereits.

Wie feiert der Weihnachtsmann eigentlich Weihnachten? Die Antwort überrascht. „Bei uns zu Hause kommt das Christkind. Ich bin ein sehr gläubiger Mensch“, sagt der Hochseilartist.

Er gehe zwar nicht in die Kirche (Ausnahme am Heiligabend), zünde aber jeden Tag eine Kerze an und bete. „Ein Mensch, der keinen Glauben hat, der verliert sich ganz schnell.“ Dabei sei es völlig unerheblich, was man für einen Glauben habe.

Gestern Abend nach der letzten Show hat sich Traber in sein Auto gesetzt und ist nach Hause zu seinen Eltern nach Breisach am Rhein gefahren. Seine ganze Familie nach vielen Wochen wiederzusehen, sei ohnehin das schönste Geschenk für ihn.

Apropos Geschenke – er verschenke zwar gerne, besonders an seine beiden Patensöhne im Alter von einem und drei Jahren. Er selbst brauche aber gar keine Geschenke.

Der Heiligabend hat bei den Trabers einen festen Ablauf. Fernando Traber besucht zuerst einen katholischen Gottesdienst, anschließend wird zu Hause gegessen. Es gibt übrigens Gans, die er und sein Vater Falko jedes Jahr zubereiten. Das Besondere: Die Gans bekommt den Namen einer Person, die die Familie in dem jeweiligen Jahr besonders genervt hat. Fernando Traber versichert, dass kein Mensch aus Kassel in diesem Jahr Namensgeber für das Festessen sein wird.

Nach dem Essen gehen alle spazieren, und danach gibt es erst die Bescherung. „Die Kinder müssen sich gedulden. Es geht ja nicht nur um Geschenke, sondern um das Beisammensein“, sagt Traber.

Apropos Kinder – nach der Show war der Weihnachtsmann auf der Bühne auf dem Opernplatz anzutreffen. Ein Kind, das seine Eltern verloren hat und deshalb in einem Heim lebt, habe zu ihm gesagt: „Ich habe nicht mehr an den Weihnachtsmann geglaubt. Jetzt mache ich es aber wieder.“

Das habe ihn sehr berührt, sagt Traber: „Da muss man sich auch als Mann zusammenreißen.“ Wahrscheinlich auch als Weihnachtsmann. (use)

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