Wegen Corona bekommen sie nur eine Karte zugeschickt

Derzeit keine persönlichen Glückwünsche für ältere Jubilare in Kassel

Momentan gibt es von der Stadt Kassel eine Karte per Post für Altersjubilare.
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Momentan gibt es von der Stadt Kassel eine Karte per Post für Altersjubilare.

Eine Frau aus Wehlheiden ist kürzlich 100 Jahre alt geworden. Um ihr eine Freude zu machen, versammelten sich etwa 20 Nachbarn vor ihrem Balkon und sangen ihr ein Geburtstagslied. Die Gratulanten waren allerdings sehr enttäuscht darüber, dass kein Vertreter der Stadt anwesend war, um der alten Dame ebenfalls zu gratulieren.

Kassel- „Wir hatten erwartet, dass Oberbürgermeister Christian Geselle der Jubilarin mit einem Blumenstrauß persönlich oder durch eine Abordnung gratuliert“, schreibt eine Nachbarin. Außer einem Brief, den die Stadt geschickt habe, sei leider nichts geschehen. „Die ganze Gesellschaft war enttäuscht. Wo bleibt denn da das Zwischenmenschliche? Sind denn 100 Lebensjahre nicht etwas Besonderes? Wir hoffen, dass Herr Geselle daraus lernt“, so die Nachbarin.

Normalerweise werden Menschen aus Kassel, die 90, 95 oder 100 Jahre alt werden, im Vorfeld gefragt, ob sie eine persönliche Gratulation durch ein ehrenamtliches Magistratsmitglied wünschen oder ob sie die Urkunden des Oberbürgermeisters und des Hessischen Ministerpräsidenten auf dem Postweg erhalten wollen, teilt eine Sprecherin der Stadt mit.

Oberbürgermeister Christian Geselle und der Stadt Kassel würden die angemessene Würdigung zu den Altersjubiläen sehr am Herzen liegen. Allerdings würden deren Gesundheit selbstverständlich auch an diesen außergewöhnlichen Ehrentagen im Mittelpunkt stehen, so die Sprecherin.

Deshalb verzichte die Stadt Kasel seit Ausbruch der Pandemie auf die persönliche Übermittlung der Geburtstagsgrüße. Damit sollten die besonders gefährdeten Altersjubilare geschützt werden. Die Urkunden des Oberbürgermeisters und des Hessischen Ministerpräsidenten werden weiterhin versendet.

Sobald die Lage wieder als sicher angesehen werden könne und es in einem angemessenen Rahmen möglich sei, würden die Glückwünsche auch wieder persönlich überbracht. Dann gibt es auch noch Sekt und Blumen. Allerdings von einem ehrenamtlichen Magistratsmitglied.

Würde der Oberbürgermeister allen älteren Jubilaren persönlich zum Geburtstag gratulieren, dann hätte er kaum noch Zeit für seine Amtsgeschäfte. In Kassel sind momentan nämlich 2149 Bürger zwischen 90 Jahren und 99 Jahren gemeldet. 100 Jahre und älter sind 55 Menschen.

Rechtsgrundlage für die Überbringung der Glückwünsche ist übrigens ein Erlass über die Ehrung der Ehe- und Altersjubilare vom 1. Januar 2009.

Dieser Erlass gilt auch für Paare, die ihre Goldene Hochzeit, Diamantene Hochzeit, Eiserne Hochzeit, Gnadenhochzeit und Kronjuwelenhochzeit (75 Jahre verheiratet!) feiern.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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