Deutlich mehr Fälle für die Psychiatrie

Kassel. In Stadt und Landkreis Kassel gibt es immer mehr Menschen, die in eine akute Krisensituation geraten. Weil sie sich selbst oder andere gefährden, werden sie per richterlichem Beschluss in der Psychiatrie untergebracht.

Nach Angaben von Matthias Grund, Sprecher des Amtsgerichts Kassel, steigen die Fallzahlen seit zwei Jahren. 2010 gab es auf Grundlage des Hessischen Freiheitsentziehungsgesetzes 634 Einweisungen, 2011 waren es 741 vorläufige Unterbringungen und im vergangenen Jahr 865 Fälle.

Diese steigende Tendenz deckt sich mit den Erfahrungen des Gesundheitsamts. Die Zahl der absoluten Notfälle steigt kontinuierlich. Im Jahr 2010 gab es 550 Kriseneinsätze in Stadt und Kreis, 2011 waren es bereits 650 und im Vorjahr gar 686 Fälle. Viele psychisch Kranke, depressive Menschen mit Antriebsstörungen und Suchtkranke, die zum Teil schwere körperliche Erkrankungen hätten, gehörten zu den Betroffenen, sagt Dr. Peter Reinhold-Hildenhagen, Abteilungsleiter beim Sozialpsychiatrischen Dienst.

Die Ärzte und Sozialarbeiter, die im Gesundheitsamt für die Kriseneinsätze zuständig sind, würden von besorgten Nachbarn, Kollegen, Angehörigen und behandelnden Ärzten alarmiert. Reinhold-Hildenhagen weist darauf hin, dass auch eine ambulante Behandlung Folge eines Kriseneinsatzes sein könne. „Die Unterbringung in der Psychiatrie ist die allerletzte Lösung.“

Warum die Fallzahlen so stark steigen, darauf hat der Arzt keine eindeutige Antwort. „Vielleicht guckt das Umfeld heutzutage genauer hin.“ Fest stehe aber, dass durch den demografischen Wandel die Fälle der Altersdemenz zunehmen würden, sagt Reinhold-Hildenhagen. Wenn zum Beispiel ein alter Mensch dreimal hintereinander nachts in der Stadt mit einem Rollator herumirre, dann schalte die Polizei das Gesundheitsamt ein.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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