Tausende Besucher auf dem Kasseler Messegelände

Deutsch-holländischer Stoffmarkt: Selbstgenähtes für den Nachwuchs

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Großer Andrang: Christian Leuschner (links) zeigte Wolfgang und Hilde Bäumner aus Niestetal und Urte Küch aus Kassel, wie leicht sich bunte Druckknöpfe anbringen lassen.

Kassel. Schneidern, nähen, Kleider nach eigenen Mustern anfertigen. Das ist längst nicht mehr allein die Domäne von Großmüttern. Immer mehr junge Frauen trauen sich wieder an die Nähmaschine. Wir haben uns beim Stoffmarkt umgeschaut.

Textil-Discounter bieten in Fernost billig produzierte Hosen, Jacken und Hemden zu Ramschpreisen an. Wer will sich da noch selbst an die Nähmaschine setzen? Der deutsch-holländische Stoffmarkt an den Messehallen lieferte gestern die Antwort: Es gibt immer mehr junge Frauen, die Kleidung für den Nachwuchs oder sich selbst lieber selbst schneidern und nähen.

„Bis vor fünf Jahren war das Einstiegsalter 45 Jahre oder älter. Heute nähen schon Zwölfjährige“, sagt Christian Leuschner von der Firma Stoffkleks, die an einem der über 100 Stände Kinderstoffe und bunte Druckknöpfe verkaufte. Er lobt „das tolle Publikum in Kassel“.

Merino-Wolle direkt vom Stoffballen: Karin Lichte (links) suchte sich bei Sina Demir ein paar Meter aus.

Zu den jungen Müttern gehört Diana Hartmann aus Kassel. Sei deckte sich mit Stoffen für Töchterchen Luisa (14 Monate) ein. „Ich nähe erst seit Februar, und zwar in einer Gruppe von Freundinnen. Das macht richtig Spaß“, sagt sie. Der Fernseher bleibt jetzt öfter aus. Die Kasselerin Urte Küch näht nicht nur für den eigenen Nachwuchs, sondern hat eine Geschäftsidee aus der Nähleidenschaft gemacht. Auf der Plattform Dawanda bietet sie eigene Schnitte und Anleitungen zum Schneidern an.

„Nähen ist wieder total im Kommen. Es ist schon schwer, in Nähkursen einen Platz zu ergattern“, sagt Karin Lichte. Die Baunatalerin hat bei Frank Körner einen gepunkteten, roten Stoff aus Merino-Schurwolle für einen Pullover erstanden. Eine so große Farbauswahl und so viel Nähzubehör wie auf dem Markt gebe es in den Stoffgeschäften längst nicht, meint sie und fügt hinzu: „Es ist ein schönes Gefühl, selbst etwas herzustellen und es dann an beispielsweise an die Enkel zu verschenken.“

In Holland gebe es schon seit 40 Jahren große Stoffmärkte, sagt Händler Körner. In Deutschland würden sie immer beliebter. Er sei im Jahr in 80 Städten unterwegs. Nächstes Jahr will er wieder nach Kassel kommen.

Von Peter Dilling

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