Studenten haben außerschulische Lernorte in Kassel für den Unterricht aufbereitet

Deutsch lernen im Museum

Marmorbad statt Klassenraum: Die Deutschstudenten Meng Wan Geng (von links), Liyun Zhao, Shaoni Guo, Ann-Cathrin Clausen, Blerina Alla, Martin Erlemann, Seminarleiterin Tanja Fohr, Anna Frank und Tatjana Lobteva (verdeckt) haben ein Unterrichtskonzept für das Marmorbad entwickelt. Foto: Schaffner

Kassel. Rollenspiele im Marmorbad, Verkaufsgespräche in der Markthalle, Vokabeln lernen in der Tram - angehende Deutschlehrer der Uni Kassel haben im Rahmen eines Projektseminars Konzepte für den Unterricht außerhalb eines Klassenraums entwickelt.

„Deutschunterricht in realen Lebenssituationen führt dazu, dass man auf einer ganz anderen Ebene lernt“, sagt Seminarleiterin Tanja Fohr vom Fachgebiet Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Allerdings seien solche Situationen für Studenten, die nur im Klassenraum auf den Alltag vorbereitet werden, oft schwer zu erschließen. Deshalb hat die 38-Jährige jetzt mit 15 internationalen Studenten außerschulische Lernorte erkundet und für den Deutschunterricht aufbereitet.

„Bei uns zu Hause findet Unterricht nur im Klassenraum statt“, sagt Meng Wan Geng. Die 23-jährige Chinesin möchte später in ihrer Heimat als Deutschlehrerin arbeiten und hat ein Unterrichtskonzept fürs Marmorbad erarbeitet. „Im Klassenraum hätte ich niemals so viel über die westliche Kultur kennengelernt wie hier im Museum“, sagt sie. Um ihren Kommilitonen, die in die Rolle von Deutschlernenden auf verschiedenen Sprachniveaus schlüpfen, ein Relief von Apollo und Daphne zu erläutern, hat sie mit Ann-Cathrin Clausen ein Rollenspiel erarbeitet. „Wer im Museum Deutsch lernt, beschäftigt sich viel intensiver mit den Themen als in der Theorie oder bei einer Führung“, sagt die 29-Jährige, die ebenfalls in China Deutsch lehren möchte.

Nachdem die Studenten bereits in der Markthalle Verkaufsgespräche geführt und mit der Tram Kassel erkundet haben, gehen sie heute ins Rathaus. „Auf dem Standesamt wollen wir herausfinden, wie man in Deutschland heiratet“, sagt Tanja Fohr.

Die Konzepte des Seminars, das kürzlich mit dem Lehrinnovationspreis der Uni ausgezeichnet wurde, können anschließend von Schulen und privaten Bildungsträgern gebucht werden. So diene das Projekt nicht nur der beruflichen Qualifizierung, sondern führe auch direkt zu einer beruflichen Tätigkeit, sagt Tanja Fohr: „Bisher liegen schon sechs Buchungen und einige Anfragen vor.“

Auch der Marmorbad-Unterricht von Ann-Cathrin Clausen und Meng Wan Geng ist bereits gebucht. Schon in zwei Wochen werden beide eine Gruppe eines Kasseler Fremdspracheninstituts vor Ort unterrichten - dann zum ersten Mal als Lehrer. (psn)

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