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Sabotageakt gegen die Deutsche Bahn: Familie strandet zunächst in Kassel statt auf Kreta

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Von: Matthias Lohr, Claudia Feser

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Wegen des Sabotageakts gegen die Bahn muss der Zugverkehr in Norddeutschland eingestellt werden. Die Auswirkungen sind auch in Kassel zu spüren.

Kassel – Viele Bahnreisende kennen Verspätungen und Zugausfälle zur Genüge, aber so etwas wie am Samstagmorgen (8. Oktober) haben die Deutsche Bahn und ihre Kunden noch nicht erlebt. Wegen eines Sabotageakts gegen den Betriebsfunk GSM-R (Global System for Mobile Communications - Rail) musste der Zugverkehr in Norddeutschland eingestellt werden. Die Auswirkungen waren auch in Kassel zu spüren. Alle Fernzüge Richtung Norden fielen aus.

In Berlin und Nordrhein-Westfalen waren Kabel durchtrennt worden, ohne die bei der Bahn nichts läuft. Laut Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) wurde die Bahn Opfer eines Anschlags. Beim Landeskriminalamt Berlin, das für die Ermittlungen zuständig ist, wurde der Staatsschutz eingeschaltet.

Betroffen war auch Familie Bosse aus Lemgo, die im ICE-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe strandete. Michael, Melanie, Mats und Malina Bosse waren auf dem Weg zur griechischen Insel Kreta, wo sie eine Woche Herbstferien verbringen wollten. Geplant war, ab Baden-Baden zu fliegen, wohin sie mit dem Zug anreisen und das Rail&Fly-Angebot nutzen wollten. „Die letzten Jahre waren wir immer mal an der Nordsee, jetzt wollten wir mal wieder fliegen“, sagte Michael Bosse.

Kein guter Start in den Urlaub: Familie Bosse aus Lemgo war auf dem Weg nach Kreta in Kassel gestrandet. Von links Michael, Melanie, Mats und Malina Bosse.
Kein guter Start in den Urlaub: Familie Bosse aus Lemgo war auf dem Weg nach Kreta in Kassel gestrandet. Von links Michael, Melanie, Mats und Malina Bosse. © Claudia Feser

In Kassel gestrandet: Familie aus Ostwestfalen war auf dem Weg nach Kreta

Doch schon auf der Autofahrt von Lemgo zum ICE-Bahnhof nach Kassel hörten sie im Radio von Problemen der Bahn. Noch hofften sie, dass ihr Zug mittags wieder fährt. In Kassel angekommen, hieß es dann: Zugausfall. Zwar lief der Zugverkehr im Mittag wieder an, aber mit der Zugalternative in Richtung Süden hätten es die Bosses nicht rechtzeitig zum Flughafen in Baden-Baden geschafft. Also hievten sie die Koffer wieder in ihr Auto und fuhren die knapp vier Stunden von Kassel über die Autobahn bis nach Baden-Baden.

Wie den Ostwestfalen erging es auch vielen anderen Urlaubern. Gerade haben in Hamburg und Schleswig-Holstein die Herbstferien begonnen. Leidtragende waren nicht nur Besucher der Manga-Messe Connichi, die bei der Anreise am Samstag lange Umwege in Kauf nehmen mussten, sondern auch der Bundestagsabgeordnete Boris Mijatovic aus Kassel. Der Grünen-Politiker wollte an einer Tagung des Europäischen Zentrums für Verfassungs- und Menschenrechte in Hamburg teilnehmen, kam aber nur bis Göttingen und musste dann mit dem Bus wieder nach Kassel fahren. Nach Hamburg schaffte es Mijatovic nicht rechtzeitig. Auf dem Podium blieb sein Platz leer.

„Jetzt weiß ich, wo Norddeutschland anfängt - in Kassel-Wilhelmshöhe“ - Twitter-User nimmt Bahn-Chaos mit Humor

In einem Facebook-Post um kurz vor zehn schrieb er auch über das Wort „Zugfunkstörung“. Mit diesem Begriff wurden die Bahnreisenden in Wilhelmshöhe und anderswo von den Ausfällen informiert. Mijatovic schrieb: „Ich danke allen Zugbegleiter*innen für Ihre Geduld und freundliche Auskunft. Für Sie ist dieser Tag denkbar anstrengend. Denn sie ‚baden‘ die technischen Fehler aus.“ Da war noch nicht klar, dass diesmal nicht die Bahn selbst für die Panne verantwortlich war. Sein Parteikollege, der Grünen-Chef Omid Nouripour, mahnte später Verbesserungen beim Schutz der kritischen Infrastruktur an.

Ein anderer gestrandeter Passagier schrieb auf Twitter, dass er jetzt wisse, wo Norddeutschland anfange, nämlich in Kassel-Wilhelmshöhe. Anders als etwa in Hamburg, wo der Hauptbahnhof voller Menschen war, blieb das Chaos hier aber aus. Bereits gegen Mittag tummelte sich nur noch eine Handvoll Menschen am Service Point. Die Fernzüge fuhren bald wieder. (Claudia Feser und Matthias Lohr)

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