Deutsche Gesellschaft für Seniorenberatung weist Kritik zurück

Beratung über Hausnotruf: Wurden Senioren teure Uhren aufgeschwätzt?

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Geschäft mit Hausnotruf: Systeme wie dieses hier vermittelt die Deutsche Gesellschaft für Seniorenberatung. Der Seniorenbeirat der Stadt Kassel kritisiert die Geschäftspraktiken.

Kassel. Deutliche Worte findet Manfred Aul für das Geschäftsgebaren der Deutschen Gesellschaft für Seniorenberatung (DGS), die auch in Kassel und Umgebung aktiv ist.

Als „illegal oder zumindest fragwürdig“ bezeichnete der Vorsitzende des Kasseler Seniorenbeirats die Praxis dieser überregional tätigen Firma in seinem Tätigkeitsbericht kürzlich in der Stadtverordnetenversammlung.

Manfred Aul

Ihm seien Fälle bekannt, in denen Senioren in ungebetenen Anrufen eine kostenfreie Beratung angeboten worden sei, der aber „ein vertragliches Dienstleistungs- und Warenangebot folgte“, schildert Aul. Er habe den begründeten Verdacht, dass Senioren dabei „mehr als nötig angeboten“ worden sei. Konkret berichtet Aul, dass Senioren zu Hausnotrufsystemen von Hilfsorganisationen beraten worden seien. In diesem Zuge seien hochpreisige Uhren angeboten worden, die zwischen 600 und 1000 Euro kosten sollten.

Im Nachhinein habe sich herausgestellt, dass Angaben von Mitarbeitern der DGS nicht korrekt gewesen seien. Sie hätten behauptet, im Auftrag von Deutschem Roten Kreuz (DRK) und Johannitern Hausnotrufsysteme zu vertreiben. Auf Anfrage versicherten beide Hilfsorganisationen, nicht mit der DGS zusammenzuarbeiten.

Anders ist es beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der mit der DGS kooperiert und dessen Landesgeschäftsführer Jörg Gonnermann von guten Erfahrungen seit Jahrzehnten berichtet: „Der Kundendialog ist aus unserer Sicht zuverlässig, offen in der Ansprache und verbindlich in den Angeboten gegenüber den Senioren.“

Positiv sind auch die Berichte von Jürgen Bluhm, Leiter der Kasseler Geschäftsstelle der Wohnungsgesellschaft Nassauische Heimstätte/Wohnstadt. Seit 2008 kooperiere die Wohnstadt mit der DGS. „In all den Jahren sind uns keine Beschwerden bekannt geworden“, sagte Bluhm. Bei dem Ziel, älter werdende Mieter mit Beratungsangeboten zu unterstützen, sei die Zusammenarbeit mit der DGS sehr hilfreich. Wenn zweifelhafte Geschäftsmethoden bekannt würden, „würden wir natürlich sofort handeln“, sagte Bluhm.

Das sagt die Seniorenberatung

„Wir rufen grundsätzlich nicht ungebeten an“

„Grenzwertig und nicht in Ordnung“ nennt Rüdiger Knipp, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Seniorenberatung (DGS), die Äußerungen von Manfred Aul. Rechtliche Schritte gegen den Vorsitzenden des Kasseler Seniorenbeirats schloss er nicht aus. „Wir rufen grundsätzlich nicht ungebeten an“, stellte Knipp klar. Die DGS arbeite grundsätzlich nur im Auftrag, zum Beispiel von mehreren Wohnungsgesellschaften in Deutschland. Auch Informationsveranstaltungen zusammen mit Kirchengemeinden gebe es immer wieder.

Rüdiger Knipp

Auf Wunsch von Senioren, die die DGS zu allen möglichen Bereichen und Themen im Alter berate, würden dann Kontakte zu Betreibern und Herstellern zum Beispiel von Hausnotrufsystemen hergestellt. Kooperationen gebe es aber auch mit anderen Firmen, etwa mit Herstellern von Treppenliften. Dafür erhalte die DGS dann Vermittlungsprovisionen. Bundesweit seien 200 Berater für die Deutsche Gesellschaft für Seniorenberatung tätig. Im Raum Kassel gebe es zwei Mitarbeiter. Angaben über Geschäftszahlen machte Knipp auf Anfrage nicht.

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