Postsprecher: Bargeld darf nicht in normalen Brief

Geld aus Trauerbrief verschwunden: Witwe versucht seit zwei Wochen, die Deutsche Post zu erreichen

+
Aufgerissene Post: Die beiden beschädigten Trauerbriefe bekam Ursula Fröhlich nachträglich von der Post zugeschickt. Aus einem Brief fehlten 80 Euro, berichtet die Witwe. 

In Trauerkarten wird oft Geld verschickt: Ein solcher Brief wurde jetzt bei der Post geöffnet, danach fehlte Geld - so passiert einer trauernden Witwe aus Kassel.

Im Juni ist der Mann von Ursula Fröhlich aus Kassel gestorben. Eine der Trauerkarten wurde im Verteilzentrum der Post in Kassel wohl aus Versehen geöffnet. Anschließend fehlten 80 Euro, die für Blumen gedacht waren. Die Witwe versucht seit zwei Wochen vergeblich, die Deutsche Post zu erreichen.

Ursula Fröhlich aus Kassel macht gerade eine schwere Zeit durch. Am 18. Juni ist ihr Mann Karl-Heinz (72) nach langer Krankheit, aber dennoch überraschend gestorben. Seit zweieinhalb Wochen weiß die Frau aus dem Forstfeld, dass Geld aus einem der Trauerbriefe gestohlen worden ist. Und jetzt hat sie auch noch die Gewissheit, dass die Post AG ihr nicht wirklich helfen kann.

Nachricht von der Post: Briefe im Verteilerzentrum beschädigt

Der Reihe nach: Am 21. September lagen bei Ursula Fröhlich, die bis vor Kurzem einen Friseursalon in Kassel hatte, gleich zwei in Plastik verpackte Trauerbriefe im Briefkasten. Zu beiden beschädigten Briefen hatte die Deutsche Post jeweils ein identisches Begleitschreiben gelegt. Darin heißt es, dass die Briefsendungen durch die Verteilmaschine der Post beschädigt worden seien. Das könne in Einzelfällen geschehen.

Beide Briefe, die durch die schwarzen Streifen auf dem Umschlag eindeutig als Kondolenzpost zu erkennen waren, seien im oberen Bereich eingerissen gewesen, sagt Fröhlich. Ein Umschlag war auch noch auf der Seite aufgeschlitzt. Ein Brief war am 25. Juni in München abgeschickt worden, vom Cousin ihres verstorbenen Mannes, der andere am selben Tag in Kassel, von einer Kundin aus dem Friseurgeschäft.

Absender bestätigt, das 80 Euro im Umschlag waren

Der Cousin hatte in dem Beileidsschreiben erwähnt, dass er Geld für Blumen beigelegt habe. Von dem Geld fehlte aber jede Spur, berichtet die Witwe. Sie habe daraufhin den Cousin angerufen, um sich zu bedanken. Der teilte ihr mit, dass er in den Umschlag 80 Euro gesteckt habe. Von der Kundin erfuhr Fröhlich, dass diese kein Geld in den Umschlag gelegt hatte.

„Ich bin entsetzt, wie sich Menschen an Trauerbriefen vergreifen können“, sagt Fröhlich. Dabei gehe es ihr nicht um die verschwundenen 80 Euro, sondern um das Prinzip. „Ich möchte wissen, wie die Verteilmaschine der Post Geld aus einen Umschlag nehmen kann.“

Witwe versucht die Deutsche Post zu kontaktieren - vergeblich

Diese Service-Nummer ist nicht mehr vergeben: Diese Information bekam Ursula Fröhlich von der Post.

Seit zweieinhalb Wochen versucht deshalb die Witwe nun, die Nummern zu erreichen, die auf den Schreiben der Post stehen. Vergeblich. Wenn man die Nummer wählt, die unter dem Begriff „Service Adress Management“ steht, bekommt man die Auskunft „Keine Verbindung unter dieser Nummer“. Ruft Fröhlich bei der Post-Niederlassung in der Heinrich-Hertz-Straße in Kassel an, wird nicht abgenommen.

Das sei natürlich sehr ärgerlich, sagt Alexander Böhm, Sprecher der Deutschen Post AG. Die Service-Nummer, die in dem Schreiben stehe, sei mittlerweile nicht mehr vergeben. Und die Nummer in der Heinrich-Hertz-Straße sei „eigentlich keine öffentliche Nummer“.

Postsprecher: Geld darf nicht in normalen Briefen verschickt werden

Wenn Geld aus dem Trauerbrief fehle, sei das natürlich auch ärgerlich, sagt der Postsprecher. Er weist aber darauf hin, dass man Bargeld in normalen Briefen eigentlich gar nicht verschicken dürfe. Das sei nicht versichert. Man dürfe nur Schecks in Briefen versenden. Für Bargeld seien sogenannte Wertbriefe erforderlich.

Postsprecher: Dass Sendungen bei der Post "beraubt werden" habe es immer schon gegeben

Kann ermittelt werden, welcher Postmitarbeiter in der Schicht gearbeitet hat, bei der das Geld aus dem Umschlag genommen wurde? Theoretisch schon, sagt Böhm. Aber das bringe nichts, weil immer mehrere Menschen gleichzeitig arbeiteten. Dass Sendungen bei der Post „beraubt werden“, habe es immer schon gegeben. „In jeder Kiste mit Äpfeln ist halt auch mal ein fauler Apfel dabei“, sagt Böhm. 

Wenn ein Mitarbeiter beim Diebstahl erwischt werde, werde er sofort entlassen. Böhm weist aber auch darauf hin, dass es Fälle gibt, bei denen Diebe in Briefkästen an Häusern greifen, um Sendungen zu mopsen. Das passiere häufig zu Ostern oder anlässlich von Konfirmation und Kommunion.

Im Fall von Ursula Fröhlich kann man allerdings ausschließen, dass ein Passant die Trauerpost aus ihrem Briefkasten gestohlen hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.