Ein Jahr Entwicklungszeit

Entwickelte Smartphone-Spiel: Kasseler ist für Computerspielpreis nominiert

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Knobelei: Der schwarze Würfel (engl.: Cube) muss durch Wischbewegungen zum schwarzen Zielblock gebracht werden. Die farbigen Würfel haben verschiedene Funktionen und erschweren die Aufgabe von Level zu Level.

Kassel. Am 10. April wird in München zum zehnten Mal der Deutsche Computerspielpreis vergeben. Unter den Nominierten ist auch der Kasseler Entwickler Stephan Göbel.

Innovation kann manchmal ganz simpel sein. Der beste Beweis dafür ist das Smartphone-Spiel „QB – A Cube’s Tale“, entwickelt von dem Kasseler Informatiker Stephan Göbel. Für sein Strategiespiel ist der 35-Jährige für den Deutschen Computerspielpreis in der Kategorie „Bestes Mobiles Spiel“ nominiert. Wir haben „QB“ Probe gespielt.

Spielprinzip und Aufbau

Göbels Spiel ist ein Strategiespiel, das dem Genre Puzzler zugeordnet wird. Der älteste und wohl bekannteste Vertreter ist „Tetris“ aus dem Jahr 1984, wobei Göbels Spiel weitaus logikbasierter und ohne Zeitdruck funktioniert. Bei „QB“ gilt es, einen schwarzen Würfel durch Wischbewegungen zum ebenfalls schwarzen Zielort zu bringen. Auf dem Weg dorthin halten die 70 Level verschiedene Herausforderungen in Form farbiger Würfel bereit, die je nach Farbe unterschiedliche Funktionen haben.

Mal bricht beim Betreten eines roten Würfels ein Teil der Route weg, mal wird der Spieler von einem blauen Würfel über eine Schlucht und gegebenenfalls in eine Sackgasse katapultiert, mal verändert sich durch einen grünen Würfel die Anordnung der umliegenden Bausteine, und so weiter. Entscheidend ist dabei immer, von welcher Seite der Spieler auf die Funktionswürfel rollt. „Es ist wie ein Labyrinth, gespickt mit Falltüren und Mauern, die man überwinden muss“, beschreibt Göbel das Prinzip.

Wer einfach drauf loswischt, hat sich den Weg zum Ziel schnell verbaut. Während die ersten Level noch sehr einfach sind, verlangen die immer komplexer werdenden Labyrinthe in den höheren Leveln eine immer bessere und vorausschauendere Planung des Spielers.

Optik und Musik

In Sachen Design hat Göbel bei der Entwicklung seines Spiels auf Minimalismus gesetzt. Moderne kubische Formen, unaufdringliche Farbtöne, viel Weiß, ein dezenter Hintergrund und weiche Kanten zeichnen die Grafik von „QB“ aus.

Auch bei der musikalischen Untermalung ist weniger mehr. Statt auf ein nervtötendes, polyfones Sound-Wirrwarr, setzt der für die Musik verantwortliche Thomas Höhl auf sphärische Klänge, die eine entspannte Atmosphäre schaffen und gleichzeitig die Konzentration des Spielers fördern. Die ebenfalls dezenten Soundeffekte steuerte Christian Wittmoser bei.

Kritik und Bewertung

„QB – A Cube’s Tale“ erfindet den Würfel nicht neu. Knobel- und Konzentrationsspiele nach der Methode Versuch und Irrtum gibt es gerade im Smartphone-Sektor wie Sand am Meer. Das Besondere an Göbels Spiel ist die Raffinesse hinter dem minimalistischen Leveldesign und den verschiedenen Funktionen der Steine.

Der Spielaufbau ist durchdacht, die gut dosierte Steigerung der Schwierigkeit führt kaum zu Frustration. Gleichzeitig zeigt das Spiel durch die größer werdende Bandbreite an Funktionswürfeln keine Erschöpfungserscheinungen, sondern entwickelt einen zunehmenden Suchtfaktor – im positiven Sinne. Denn „QB“ fordert die Kombinationsgabe des Spielers heraus und schult Lösungsstrategien sowie räumliche Vorstellungskraft.

Entwicklung und Kosten

Ein Jahr hat Göbel in seiner Freizeit an der Entwicklung von „QB“ gearbeitet. Für ein Level habe er circa zwei Stunden gebraucht. Insgesamt seien zwischen 250 und 300 Arbeitsstunden zusammengekommen. Jedes der 70 Labyrinthe hat Göbel selbst entworfen. Gearbeitet hat er mit der Software Unity.

Über 2000 Mal wurde „QB“ seit seiner Veröffentlichung im Dezember vergangenen Jahres gekauft. Inzwischen habe Göbel die Produktionskosten von knapp 1500 Euro wieder reingeholt. Etwas mehr als ein Euro bleibe vom Kaufpreis (2,29 Euro) bei ihm hängen.

Die Gewinner der 14 Kategorien des Deutschen Computerspielpreises werden am 10. April in München bekannt gegeben. Dann entscheidet sich, ob Stephan Göbel erneut unter den Preisträgern sein wird. 2012 hat er den Preis mit seinen Kommilitonen Tobias Bilgeri und Lennert Raesch für das Strategiespiel „About Love, Hate and the other ones“ schon einmal gewonnen.

„QB – A Cube’s Tale“ gibt es im Google Play Store (Android) und im App-Store (iOS)

Arbeitete ein Jahr an dem Spiel „QB“: Stephan Göbel.

Zur Person: Entwickler Stephan Göbel

Stephan Göbel (35) studierte Informatik an der Uni Kassel. Er arbeitet als Programmierer für die Kasseler Werbeagentur Machbar. Seine Passion für Videospiele entwickelte Göbel Anfang der 90er-Jahre, als er auf dem Computer seines Vaters alte Strategie- und 2-D-Spiele wie „Dune 2“ und „Prince of Persia“ zockte. 

Ursprünglich wollte der liierte zweifache Vater Architekt werden. Diesen Plan verwarf Göbel zwar, dafür entwirft er als Spieleprogrammierer seit einigen Jahren digitale Räume und Welten. 

Göbel lebt mit seiner Lebensgefährtin und den beiden gemeinsamen Töchtern in Kassel. In seiner Freizeit geht der Filmfan gerne ins Kino, zum Schwimmen und klettern.

Chronologie: Kasseler beim Deutschen Computerspielpreis

Entwickler aus Kassel konnten bisher große Erfolge beim Deutschen Computerspielpreis (DCP) verzeichnen. Seit 2011 war bis auf ein Jahr immer mindestens ein Spiel aus Nordhessen nominiert, vier Mal konnten die heimischen Vertreter den renommiertesten Videospielpreis Deutschlands sogar gewinnen. Eine Chronologie:

  • 2011: Gewinner in der Kategorie „Bestes Nachwuchskonzept“: Black Pants Game Studio für „Tiny & Big: Grandpa’s Leftlovers“ 
  • 2012: Gewinner in der Kategorie „Bestes Nachwuchskonzept“: Black Pants Game Studio für „About Love, Hate and the other ones“
  • 2013: Gewinner in der Kategorie „Bestes Jugendspiel“: Black Pants Game Studio für „Tiny & Big: Grandpa’s Leftovers“
  • 2014: Nominiert in der Kategorie „Bestes Mobiles Spiel“: Black Pants Game Studio für „Symmetrain“ 
  • 2016: Nominiert in der Kategorie „Bestes Kinderspiel“: Black Pants Game Studio für „Blown Away: Secret of the Wind“
  • 2017: Gewinner in der Kategorie „Bestes Kinderspiel“: Jumpsuit Entertainment für „She Remembered Caterpillars“

Nominiert in den Kategorien „Bestes Gamedesign“, „Beste Inszenierung“ und „Bestes Deutsches Spiel“: Black Pants Game Studio für „On Rusty Trails“

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