Aus Deutschland in den Dschihad: Syrische Autorin warnt vor Ausgrenzung junger Muslime

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Diskussion über den Dschihad als Gefahr für Jugendliche: Frank Bolz (Pädagogisches-theologisches Institut, von links), Dr. Rüdiger Jungbluth (Evangelisches Forum), die Autorin Lamya Kaddor, Nicole Degenhardt (Jugendkulturkirche) und Uwe Jakubczyk (Evangelische Akademie Hofgeismar) sprachen über die Radikalisierung junger Muslime. 

Kassel. Radikalisierte junge Muslime ziehen auch von Deutschland aus in den heiligen Krieg, den Dschihad, um im syrischen Bürgerkrieg für Terror-Milizen wie den IS zu kämpfen. 

Auch mindestens ein Kasseler Islamist hat das getan, wie die HNA bereits berichtete. Solche Jugendliche seien häufig orientierungslos und suchten nach Bestätigung und einem Lebensinhalt, sagte die Autorin und Lehrerin Lamya Kaddor vor rund 70 Besuchern in der Cross-Jugendkultur-Kirche am Lutherplatz während der Vorstellung ihres Buches „Zum Töten bereit“.

Mehr Prävention gefordert

Sie forderte mehr Prävention in Schulen, Moscheen, Vereinen und Familien. Die zunehmende Ausgrenzung von Muslimen allgemein in Deutschland sei die falsche Antwort. „Das ist nur Wasser auf die Mühlen des IS“, sagte die muslimische Autorin mit syrischen Wurzeln.

Junge Muslime sähen in Deutschland häufig wenig Chancen für ihre berufliche Zukunft und fühlten sich als Deutsche mit ausländischen Wurzeln von der Gesellschaft nicht anerkannt. An diesem Punkt setzten die Werber des IS an, die den jungen Leuten zunächst oft attraktive soziale Angebote machten.

Aggression und Gewalt

Die jungen Menschen würden versuchen, ihr Minderwertigkeitsgefühl durch Aggression und Gewalt zu kompensieren, das zeige sich manchmal schon in der Grundschule. Ursachen seien oft auch in einer „familiären Bindungslosigkeit“ zu suchen und in einer Erziehung, die über Gewalt hinwegsehe, meinte Kaddor.

Kaddor zählte eine Reihe von Warnzeichen auf, die auf eine Radikalisierung deuten können. Sie selbst wurde davon überrascht, dass fünf ihrer früheren Schüler in den Dschihad zogen. 

Pionierin des Islamunterrichts

Lamya Kaddor ist eine Pionierin der islamischen Religionspädagogik in Deutschland und Gründungsvorsitzende des Liberal-islamischen Bundes. Die im Jahr 1978 in Ahlen (Westfalen) geborene Religionslehrerin und Autorin wurde mehrfach für ihre Arbeit ausgezeichnet. Sie lebt in Duisburg. Der Vortrags- und Diskussionsabend in der Cross-Jugendkultur-Kirche am Lutherplatz wurde unter anderem von kirchlichen Einrichtungen, dem Stadtelternbeirat und der türkisch-islamischen DITIB-Gemeinde veranstaltet.

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