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Deutschlands Schausteller tagen mit Polit-Prominenz in Kassel

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Von: Axel Schwarz

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Schausteller sind wieder optimistisch: Bundesverbandspräsident Albert Ritter (links) und Konrad Ruppert, Vorsitzender vom Schaustellerverband Kassel-Göttingen.
Schausteller sind wieder optimistisch: Bundesverbandspräsident Albert Ritter (links) und Konrad Ruppert, Vorsitzender vom Schaustellerverband Kassel-Göttingen. © Axel Schwarz

Zum Bundesdelegiertentag des Deutschen Schaustellerbundes werden am 14. Januar Friedrich Merz (CDU) und Kevin Kühnert (SPD) erwartet. Nach schweren Zeiten in der Pandemie ist die Branche wieder optimistisch.

Kassel – Nach zwei schweren, pandemiegeprägten Jahren haben Deutschlands Schausteller 2022 wieder gute Geschäfte gemacht. Am Wochenende (14. und 15. Januar 2023) wollen sie in Kassel Bilanz ziehen und ihre berufsständischen Anliegen der Politik nahebringen: Zum 72. Delegiertentag des Deutschen Schaustellerbundes werden rund 600 Teilnehmer aus den 92 Regionalverbänden des DSB erwartet – und hohe Gäste aus der Bundespolitik: Im Kongress-Palais werden am Samstagnachmittag CDU-Chef Friedrich Merz, SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert sowie weitere Bundes- und Landespolitiker den Schaustellern ihre Aufwartung machen.

Die haben sich seit dem Corona-Frühjahr 2020 einem „faktischen Berufsverbot“ ausgesetzt gesehen, wie Verbandspräsident Albert Ritter am Freitag vor Medienvertretern schilderte. Die flächende Absage von Volksfesten sei den Schaustellerbetrieben finanziell und seelisch an die Substanz gegangen; viele Familien hätten sich mit Bratwurstbuden von Baumärkten, mit Transport- und Einzelhandelsjobs mühsam durch die Krise gehangelt.

„Aber wir Schausteller sind ja Berufsoptimisten“, sagte Ritter. Die Branche repräsentiere nicht nur eine über 1000 Jahre alte Jahrmarkttradition, sie löse auch weitreichende wirtschaftliche Effekte aus – wie etwa die Belebung des örtlichen Einzelhandels im Umfeld von Weihnachtsmärkten.

Inzwischen hat sich die Lage laut dem Verbandspräsidenten wieder in Richtung Aufbruchsstimmung gedreht. Ritter sprach von einer „hervorragenden“ Saison 2022: „Ab Ostern waren die Festplätze brechend voll“; auch die Weihnachtsmärkte im Advent seien für die Beschicker lukrativ gelaufen.

Was für die Geschäftslage der Schausteller gilt, trifft gleichermaßen für ihre Verbandspolitik zu. Auch der Delegiertentag in Kassel musste zwei Mal in Folge wegen Corona ausfallen, nachdem die Organisation des komplexen Ereignis jeweils schon weit fortgeschritten war. Erleichtert, dass man nun wieder zusammenkommen kann, zeigte sich Vorsitzender Konrad Ruppert vom Schaustellerverband Kassel-Göttingen als Ausrichter des Branchentreffs. Dazu gehört auch eine kleine Ausstellung in einer der Kasseler Messehallen, bei der Partner und Lieferanten des Schaustellergewerbes ihre Angebote präsentieren.

Im örtlichen Verband habe es während der Pandemie nur eine einzige Geschäftsaufgabe gegeben, berichtete Ruppert. Sehr geholfen habe die Unterstützung der Stadt Kassel, die es ermöglicht habe, dass sich Imbiss- und Karussellbetreiber wechselnd in der Innenstadt präsentieren konnten und dass mehrere „Sommerspaß“-Veranstaltungen auf dem Festplatz Schwanenwiese unter Pandemie-Auflagen genehmigt worden seien.

Jetzt blickt die Branche wieder nach vorn und will auch verbandspolitisch Themen voranbringen, die ihr am Herzen liegen. So fordere man laut Verbandspräsident Ritter „seit Jahren“ ein Arbeitskräfte-Einwanderungsgesetz, das nicht allein Fachleute im Fokus habe, um dem drückenden Personalmangel im Schaustellergewerbe zu begegnen.

Auch gegen die Auswirkungen der Energiekrise brauche die strombedürftige Branche Bedingungen, die auf ihre spezifische Situation zugeschnitten sind. Wo insgesamt vieles teurer werde, könnten Schausteller ihre Preise nur sehr moderat anpassen – die Preise auf den Rummelplätzen, so Ritter, müssten stets volkstümlich bleiben.

Hintergrund: Die Schaustellerbranche in Zahlen

Der Deutsche Schaustellerbund (DSB) mit Sitz in Berlin ist die weltgrößte Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe. Bundesweit vertritt der DSB nach eigenen Angaben mehr als 90 Prozent der rund 5000 Beschicker von Volksfesten und Weihnachtsmärkten. Dahinter stehen etwa 30.000 Vollzeitjobs in rund 12.000 Verkaufs-, Gastronomie- und Fahrgeschäften. Vom Münchner Oktoberfest bis zur Kleinstadtkirmes werden im Jahresdurchschnitt 350 Millionen Volksfestbesuche gezählt.

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