Elternbeirat wirft Stadt Versäumnisse vor

„Verfahren lief ganz regulär“: Dezernentin Anne Janz zum Schulentwicklungsplan

Anne Janz

Kassel. Ohne Lösungsansätze, Entscheidungs- und Umsetzungswillen: Wie berichtet, sind Stadtelternbeirat, GEW und Oppositionsparteien mit dem Entwurf des Kasseler Schulentwicklungsplanes scharf ins Gericht gegangen.

Vor der am Mittwoch um 17 Uhr beginnenden Sitzung des Schulausschusses sprachen wir mit Schuldezernentin Anne Janz (Grüne) über den Plan und die Proteste.

Frau Janz, hatten Sie nach dem Beteiligungsverfahren mit dieser Kritik am Schulentwicklungsplan gerechnet?

Anne Janz: Der Schulentwicklungsplan ist ein wichtiges Instrument zur Planung und Steuerung. Deshalb sind wir dankbar für sachliche und konstruktive Kritik aus den Beteiligungsprozessen. Bei der Überarbeitung des Entwurfs haben wir die Rückmeldungen bereits berücksichtigt. Die politische Diskussion läuft jetzt im Ausschuss weiter – ein ganz normaler Vorgang in einem Planungsverfahren.

Der Elternbeirat wirft der Stadt Versäumnisse vor, vermisst etwa Lösungen für die steigende Grundschülerzahl. Ist die Sorge nicht berechtigt?

Janz:Der Schulentwicklungsplan gibt selbstverständlich Antworten auf die steigenden Schülerzahlen, die Eltern brauchen sich da keine Sorgen zu machen. Allerdings muss man beachten, dass die Zahlen insgesamt viele Jahre rückläufig waren und wir im Prognosezeitraum bis 2021 auch bei den Grundschulen noch nicht ganz die Zahlen vom Anfang des Jahrtausends erreichen werden.

Für 2004 lag die Zahl bei 7008, laut Prognose gehen wir für 2021 von 6979 aus. Leider verteilen sich die steigenden Grundschülerzahlen nicht gleichmäßig über das Stadtgebiet, wir müssen also unterschiedliche Strategien verfolgen. Wir wollen an mehreren Standorten die Aufnahmekapazität erhöhen. Weil aber nicht überall gebaut werden kann, sollen umliegende Grundschulstandorte durch Verkleinerung der Bezirke entlastet werden. Außerdem sind neue Grundschulstandorte geplant. Ein Beispiel: Die bisher zweizügige Losseschule wird künftig bis zu vierzügig und damit 200 Schüler mehr aufnehmen können.

Wieder auf den Tisch kommt die Schließung der Joseph-von-Eichendorff-Schule. War das tatsächlich sinnvoll?

Janz: Damals hat Kultusministerin Nicola Beer (FDP) die Zustimmung zum Schulentwicklungsplan mit der Auflage verbunden, eine der drei kooperativen Gesamtschulen zu schließen. Die Stadt unterhielt zum damaligen Zeitpunkt mehr Plätze in der Sekundarstufe I als erforderlich waren. Die Joseph-von-Eichendorff-Schule war die mit Abstand kleinste der drei Gesamtschulen. Es war eine schwere Entscheidung, einen Schulstandort schließen zu müssen, aber wenn man sich die aktuellen Zahlen an den Gesamtschulen anschaut, haben wir jetzt mit 4598 Schülern noch deutlich weniger als 2010 mit 5201. Die Schüler im Kasseler Osten sind gut versorgt und verteilen sich auf weiterführende Schulen in Stadt und Landkreis.

Kritisiert wurde auch, dass Anregungen bei der Beteiligung im Entwurf keine Berücksichtigung fanden. Was lief bei dem Verfahren schief?

Janz:Das Verfahren lief ganz regulär. Neben städtischen Ämtern, benachbarten Schulträgern und Schulämtern haben Landeswohlfahrtsverband, Stadtelternbeirat, Stadtschülerrat, Lehrer-Gesamtpersonalrat sowie Ortsbeiräte Stellung genommen. Alle Stellungnahmen wurden bei der Magistratsvorlage berücksichtigt. Das Staatliche Schulamt Kassel hat den Entwurf vorab geprüft und im Grundsatz befürwortet.

Mit einer heftigen Kontroverse startet heute die Beratung im Ausschuss. Lassen sich die Wogen noch glätten?

Janz:Wir werden fachlich und sachlich diskutieren. Ich bin der Überzeugung, dass wir einen Schulentwicklungsplan vorgelegt haben, der Antworten auf die Herausforderung gibt, die wir im Bildungssystem sehen: wachsende Schülerzahlen im Grundschulbereich, mehr Bildungsgerechtigkeit und Inklusion. Alles, was auf der Grundlage der Planung an baulichen Maßnahmen nötig ist, wird in die folgenden Haushaltsberatungen eingehen.

Der Entwicklungsplan soll im April beschlossen werden. Ist dieser Termin zu halten?

Janz: Ich gehe davon aus, dass wir die Beratungen konstruktiv und zügig führen können. Dann können wir den Plan im April in der Stadtverordnetenversammlung verabschieden.

Anne Janz (60) ist seit Februar 2004 Dezernentin der Stadt Kassel. Die Bündnisgrüne ist damit das dienstälteste Mitglied im hauptamtlichen Magistrat der Stadt Kassel. Als Stadträtin leitet sie im Rathaus das Dezernat V für die Bereiche Jugend, Frauen, Gesundheit und Bildung. 2015 wurde sie für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt. Die Diplom-Sozialarbeiterin ist ledig und hat zwei erwachsene Kinder.

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