Beschwerden über verschwundene oder späte Pakete halten an

Endlose Probleme bei DHL: Reichlich Ärger vor Weihnachten - und sogar ein Lob

Kassel. Irgendwie läuft es so kurz vor Weihnachten nicht: Die Beschwerden über die Post und den Paketdienst DHL nehmen eher zu statt ab.

Empfänger aus Kassel müssen die an sie adressierten Sendungen mitunter in Lohfelden selbst abholen. Wenn das so weitergeht, liegen die Pakete bald in Honolulu zur Abholung bereit. Kurzum: Nach wie vor nichts als Ärger, und es fällt schwer, nicht zu meckern. 

Also lassen wir auf dieser Seite mal die Luft raus und stellen noch einmal verschiedene Aspekte diesen Missstand dar, die uns derzeit beschäftigen. Es kommen aber auch Menschen zu Wort, die beschwichtigen. Etwa Mitarbeiter der Post, die sagen, wie viel sie vor Weihnachten schufften müssen und erklären, warum Pakete, die angeblich in Staufenberg liegen, gar nicht dort, sondern woanders sind. Nur wo?

Wo ist bloß mein DHL-Paket?

Unser Bericht über das Paket-Chaos bei DHL hat viele Reaktionen hervorgerufen. Viele Leser meldeten sich per Telefon oder Mail und schilderten ihren Fall. Beispiele:

Günter Schirmer ist 87 Jahre und wohnt in Kassel. Seit 14 Tagen wartet er schon auf vier Pakete. Auch wenn er noch keine Benachrichtigung bekommen hat, befürchtet er, dass er sie in Lohfelden abholen muss. „Wie soll ich das machen?“, fragt er. Er hat kein Auto, und das Ganze mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erledigen, ist kein Vergnügen. Eines der Pakete soll angeblich in Staufenberg liegen, sagt Schirmer, der hofft, dass die Sendungen vor Weihnachten noch bei ihm landen – irgendwie.

Hans Peter Althaus macht uns auf den Verlauf einer Paketsendung aufmerksam, den er überaus bemerkenswert findet. Er ist 78 Jahre alt, hat in Kassel Abi gemacht, wurde ein bekannter Sprachwissenschaftler und wohnt nun bei Trier. In der Tat liest sich seine Postgeschichte wie eine Regieanweisung für einen Sketch. Angefangen hat alles mit der Aufgabe des Pakets in der Nähe von Trier am 27. November. Es sollte in ein Wohnheim nach Kassel gehen – und möglichst noch vor Nikolaus dort eingehen. Dann geschah dies - ein Protokoll:

–„Mo, 27.11.17, 15:21: Die Sendung wurde vom Absender in der Filiale eingeliefert.“

– „Di, 28.11.17, 11:58, Neuwied: Die Sendung wurde im Startpaketzentrum bearbeitet.“

– „Mi, 29.11.17, 00:06, Staufenberg: Die Sendung wurde im Ziel-Paketzentrum bearbeitet.“

– „Mi, 06.12.17, 07:36: Die Sendung wurde in das Zustellfahrzeug geladen.“

– „Mi, 06.12.17, 07:38: Die Sendung wurde falsch vorsortiert und wird nun erneut bearbeitet.“

– „Do, 07.12.17, 10:34: Die Sendung wurde in der Zustellbasis bearbeitet.“

– „Fr, 08.12.17, 21.10, Staufenberg: Die Sendung wurde im Paketzentrum bearbeitet.“

– „Sa, 09.12.17, 18:51, Staufenberg: Die Sendung wurde im Ziel-Paketzentrum bearbeitet.“

– „Mi, 13.12.17, 09:38: Die Sendung wurde in das Zustellfahrzeug geladen.“

– „Mi, 13.12.17, 14:31: Die Sendung wurde erfolgreich zugestellt.“ Nach 18 Tagen.

Iring von Buttlar, einst Kasseler Stadtverordneter, schildert uns die folgende Post-Schmonzette: Er sei darüber informiert worden, dass er eine Sendung bei Wintershall abholen könne. Dort habe er Kontakt gehabt mit einem Pförtner, der ihn habe wissen lassen, er sei schon der Elfte, der mit einer solchen Anfrage käme. Das Problem: kein Paket dort weit und breit. Von Buttlar? Kein Einzelfall. Uns erreichten zwei weitere Beschwerden desselben Inhalts.

Frachtzentrum Staufenberg sieht keine Schuld

Ingo Knatz ist Chef des DHL-Frachtzentrums in Staufenberg-Lutterberg. Dem Mann ist natürlich bekannt, dass Postkunden im Stadtgebiet Kassel derzeit ungewöhnlich lange auf Pakete warten müssen. Das Frachtzentrum habe aber keine Schuld am Problem. „Mich ärgert es, dass der Eindruck entsteht, Pakete würden bei uns rumliegen.“

Bevor ein Paket beim Empfänger ankomme, werde es im Frachtzentrum erfasst. Wer seine Sendung im Internet verfolge, lese dann eben, es liege in Staufenberg, so Knatz.

Wo ist aber dann das Paket? Die Pakete für das Stadtgebiet Kassel landen anschließend im Briefverteilzentrum in Kassel-Waldau. Dort hätten die Mitarbeiter derzeit viel zu tun, heißt es. Mehr wollten die Verantwortlichen auf Nachfrage der HNA zur Problemlage aber nicht sagen. Sie verwiesen auf Post-Presseprecher Thomas Kutsch. Der erklärte erneut, dass es aufgrund von Streiktagen zu Verzögerungen komme.

Zurück ins Frachtzentrum Staufenberg-Lutterberg: Dort werden zurzeit in 24 Stunden mehr als 500.000 Postsendungen bearbeitet. Man arbeitet in drei Schichten. Chef Ingo Knatz: „Wir haben unsere Sortierkapazität ausgeschöpft.“

Das bedeute aber nicht, dass sich Pakete stapeln, denn gelagert würden in Staufenberg überhaupt keine Postsendungen.

Ein Lob für die Post

Bei all dem Ärger über die Post und DHL will Helmut Meyer (77) aus dem Kasseler Stadtteil Forstfeld auch mal etwas Positives dagegensetzen – und die Mitarbeiter loben. Mehr noch: Meyer kann die ganze Meckerei nicht verstehen.

Zufrieden mit DHL und Post, weil die Wurst ankommt: Helmut Meyer aus Kassel.

Das hat auch damit zu tun, dass bei Meyer bisher immer alles reibungslos funktioniert hat. Seit Jahren verschickt er zur Adventszeit Ahle Wurscht in den Münchner Stadtteil Nymphenburg. Die Leute von der Post seien immer freundlich, wenn er das Paket abgibt – und schon einen Tag später ist die Ahle Wurscht beim Empfänger. Es gab noch nie einen Grund zur Beschwerde.

Meyer nimmt auch die vielen Paketwagen wahr, erst gestern Morgen hat er zwei gesehen. „Die Boten geben alles“, hat der frühere Mitarbeiter von VW festgestellt.

Aber auch Meyer ärgert sich – über manchen Kunden, der vor ihm in der Schlange bei der Post steht und wegen Kleinigkeiten den ganzen Laden aufhält. „Viele denken einfach nicht an die Menschen, die hinter ihnen stehen.“

Anruf vom Paketboten

Einen Anruf erhielten wir auch von einem Paketboten, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, aber uns doch auf etwas aufmerksam machen wollte: dass er und seine Kollegen alles tun, damit die Kunden zufrieden seien. Er sagt: „Was derzeit zu kurz kommt: dass auch vieles gut läuft. Wir haben auch zufriedene Kunden.“

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Rubriklistenbild: © Westfälischer Anzeiger

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