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Diakonie-Zentrum betreut Menschen mit Schädel-Hirn-Verletzungen

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Wohn- und Pflegeangebot vor Ort: Brigitte Domes besucht ihre Schwester Simone Domes, die nach einer Hirnblutung im Rollstuhl sitzt und auf Hilfe angewiesen ist, fast jeden Tag.

Kassel. Simone Domes kann wieder sprechen. Sie macht Witze mit ihrer Schwester Brigitte, die sie fast jeden Tag besucht. Im Frühjahr 2008 schwebte die Fachärztin für Anästhesie nach einer Hirnblutung zwischen Leben und Tod.

Seit Oktober 2012 lebt sie im Diakonie-Zentrum für Schädel-Hirn-Verletzte in Nordhessen (ZeHN), einer Einrichtung der Stiftung Kurhessisches Diakonissenhaus Kassel. Die 51-Jährige sitzt im Rollstuhl, kann sich nicht mehr allein versorgen.

Das ZeHN kümmert sich mit einem Wohn- und Pflegeangebot um Menschen, die nach schweren Kopfverletzungen und Hirnschädigungen auf Hilfe angewiesen sind. Das Ziel ist, diesen Menschen wieder ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Zehn Plätze belegt

Seit der Eröffnung im Oktober 2012 werden dort zehn Patienten betreut. Insgesamt stehen in der Einrichtung, die sich in direkter Nachbarschaft zum Diakonissen-Krankenhaus an der Herkulesstraße befindet, 27 Plätze zur Verfügung. „Die Einrichtung war dringend notwendig, um auch jüngere Menschen angemessen zu begleiten“, sagt Pfarrer Christoph Kuhnke, theologischer ZeHN-Geschäftsführer.

Bisher konnten Menschen mit schweren Schädigungen des Zentralen Nervensystems laut Dr. Andreas Jürgens, Vize-Chef des Landeswohlfahrtsverbandes, in der Stadt Kassel nur in Altenpflegeheimen versorgt werden. Oder sie mussten in die umliegenden Regionen umziehen.

Simone Domes, die vorher in einer Einrichtung in Bad Wildungen lebte, ist froh, dass sie jetzt in Kassel betreut wird. Hier lebt auch ihre Familie, ihr Mann Martin und ihre beiden Töchter Leona (19) und Alina (16). Mit ihrer Schwester geht sie öfter ins Kino oder in die Stadt, um etwas zu essen.

Kurze Wege

„Die Wege sind kurz, und viele Angebote direkt vor der Tür“, sagt Brigitte Domes. „Die ortsnahe Betreuung erleichtert den Kontakt zwischen mir und meiner Familie“, berichtet Simone Domes und schaut zu den Bildern auf dem Regal. Sie zeigen ihre beiden Töchter und ein Urlaubsfoto gemeinsam mit ihrem Mann, das kurz vor ihrer Erkrankung in Italien aufgenommen wurde.

„Die Beeinträchtigungen der Bewohner sind sehr unterschiedlich“, sagt Pflegedienstleiterin Irmgard Spies. Im Diakonie-Zentrum könnten Menschen mit schweren neurologischen Schäden, die intensiv gepflegt und betreut werden müssen, dauerhaft leben. Es gebe aber auch Patienten, die vorübergehend behandelt und gepflegt würden.

Bei den Patienten können beispielsweise Orientierungs- und Verhaltensstörungen, Verständigungsstörungen oder etwa Öffnungen der Luftröhre vorliegen, die regelmäßig abgesaugt werden müssen.

Derzeit arbeiten 20 Mitarbeiter für das ZeHN, darunter Krankenschwestern und Intensiv-Krankenpfleger. Dazu gehören auch externe Ergo- und Physiotherapeuten sowie Logopäden. Alle derzeitigen Bewohner kommen laut Kuhnke aus Kassel und Umgebung. Aufgenommen werden können Patienten im Alter von 18 bis 65 Jahren ab Pflegestufe zwei. Mitte März ziehen laut ZeHN-Leiterin Petra Ryll drei neue Patienten in der dritten und vierten Etage des Kurt-Reuber-Hauses ein. Kuhnke: „Das Personal stocken wir Zug und Zug nach Bedarf auf.“ (mkx)

Von Mirko Konrad

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