Amateurfotograf Wilfried Martin macht an der Fulda bei Wolfsanger eindrucksvolle Tierporträts

Dicht dran mit Tricks und Tarnung

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Haubentaucherpärchen bei der "Geschenkübergabe".

Kassel. Der Mann hat eine Engelsgeduld und wartet am Fluss Stunde um Stunde auf seine Beute. Die macht Wilfried Martin allerdings nicht mit der Angel, sondern mit dem Teleobjektiv. Der begeisterte Amateurfotograf lebt in Wolfsanger und hat es nicht weit zu seinem bevorzugten Fotorevier, der Fulda.

Dort ist in diesen Tagen jede Menge los: Etliche Wasservogelarten balzen dort lautstark und temperamentvoll, andere machen Station auf dem Weg zu ihren weiter nördlich und östlich gelegenen Brutrevieren. Und überall in den Gehölzen rund ums Flussufer werden jetzt Nester gebaut. Von der Bachstelze bis zum Zwergsäger kennt Martin nahezu alle gefiederten Anrainer.

Im Zelt auf der Lauer

Zum Beispiel weiß er, wo zwischen dem Naturschutzgebiet Alte Schleuse und der Fuldaschleife beim Gut Kragenhof regelmäßig Eisvögel anzutreffen sind. Um einen der seltenen, bunt gefiederten Fischfänger aufs Bild zu bekommen, späht Martin bei Spaziergängen zunächst per Fernglas das Eisvogelrevier aus und legt sich später in einem Tarnzelt auf die Lauer – bis zu fünf Stunden lang. „Auch mit einem starken Teleobjektiv muss ich bis auf vier, fünf Meter an den Vogel herankommen“, erzählt der 60-Jährige.

Wenn schließlich ein Eisvogel dicht vor ihm landet und in aller Ruhe ein gefangenes Fischchen verzehrt, hat sich für den Fotoamateur das Warten gelohnt: „Das ist ein faszinierender Moment, so dicht dran zu sein“, sagt Martin – „fast schon wie eine Sucht.“

Damit solche Bilder gelingen, greift er neben der Tarnung auch zu Futtertricks. Für Raubvögel legt er Fleischköder aus, für Kleiber oder Eichelhäher Nüsse – und zwar so, dass Lichtverhältnisse und Bildhintergrund stimmen, wenn der Vogel kommt und frisst.

Für Martin, der sich seit jeher fast täglich spazierend oder laufsportlich in der Natur aufhält, ist das Foto nur das Ende eines langen und faszinierenden Prozesses. Er entdeckt ein tierisches Motiv und macht sich dann zunächst über dessen Verhalten kundig – in Büchern oder im Gespräch mit Wilfried Wolf, der für den Nabu den Artenbestand im Naturschutzgebiet Wolfsanger dokumentiert. Erst nach vielen Beobachtungen, Überlegungen und Erkenntnissen folgt dann der Druck auf den Auslöser. Für die, denen so ein naturverbundenes Hobby gefallen könnte, hat Martin zwei Tipps: „Immer ein Fernglas dabeihaben und immer die Augen offenhalten.“

An die 15 000 Tierbilder – hauptsächlich Vögel – sind inzwischen in seinen Festplattenarchiven gespeichert. „Ohne gute Verschlagwortung würde man da nichts wiederfinden“, sagt Martin, der bis Ende vergangenen Jahres als Physiotherapeut an der Alexander-Schmorell-Schule gearbeitet hat. Nun ist er im Vorruhestand und hat noch mehr Zeit für sein Hobby. „Wolfsanger ist dafür ideal“, sagt er. Vom Häuschen der Martins am Rosspfad, dessen Flur eine Galerie mit den schönsten Tierporträts ziert, ist es nur ein kurzer Weg zum Naturschutzgebiet an der Fulda.

Aber auch andere Fotoschauplätze locken den ambitionierten Amateur. Im Januar war Martin auf Helgoland, um Kegelrobben zu fotografieren. Im Mai soll es nun nach Mecklenburg-Vorpommern gehen, wo ein Reiseveranstalter auf Tierfoto-Begeisterte wie Martin eingestellt ist: Er wirft von einem Boot aus Köder aufs Wasser, die dann von Seeadlern im Anflug herausgefischt werden. „Das gibt tolle Motive“, schwärmt der fotobegeisterte Wolfsangerer.

www.wilfriedmartin.com

Von Axel Schwarz

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