Flecken-Teppich: Boden im Bahnhof Wilhelmshöhe von Kaugummis übersät

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Wie ein Terrazzo-Muster: Die Oberfläche der Rampen zu den Bahnsteigen im Bahnhof Wilhelmshöhe ist dicht mit Kaugummiflecken übersät. Obwohl Reinigungskräfte dem ausgespuckten Klebzeug regelmäßig zu Leibe rücken, lässt sich die Masse aus dem porösen Beton kaum entfernen.

Kassel. Wer schon mal ein frisch eingespeicheltes Kaugummi aus der Profilsohle pulen musste, hat eine Vorstellung davon, welchen Aufwand es für professionelle Reinigungskräfte bedeutet, die klebrige Masse von öffentlichen Laufwegen zu entfernen.

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Die Deutsche Bahn hat einmal ausgerechnet, dass die Beseitigung von zehn Kaugummis 30 bis 60 Minuten in Anspruch nimmt. Auf den Rampen, die im Bahnhof Wilhelmshöhe hinab zu den Bahnsteigen führen, ist der Untergrund flächendeckend mit frischen und älteren Kaugummiflecken gesprenkelt. Spuren bleiben immer zurück, obwohl dort die Reinigungskolonne während der Nachtstunden alle ein, zwei Wochen ausgespuckte Kaugummis entfernt.

Das geschehe in mühevoller Handarbeit, berichtet ein Sprecher der Bahn-Tochter DB Services: Während auf dem Fliesenboden oben in der Halle die Gummis relativ einfach abzuschaben seien, trete sich die Masse in den porösen Beton der Rampen richtig hinein.

Handarbeit mit der Bürste

Die Reinigungskräfte würden ein Eisspray einsetzen, um die Placken auszuhärten. Diese müssten dann mit einer Drahtbürste langwierig aus den Poren herausgekratzt werden. „Das ist super unwirtschaftlich“, klagt der Bahnsprecher; „ein enormer Aufwand und eine hohe Belastung für die Mitarbeiter.“

Birgit Knebel

Haltepunkte öffentlicher Verkehrsmittel und die Umgebung gastronomischer Imbisseinrichtungen gehören zu jenen Stellen, an denen Kaugummis in besonders dichter Frequenz auf dem Boden landen. Das bestätigt Birgit Knebel, Sprecherin der Kasseler Stadtreiniger. Dort gebe es ein Heißdampfgerät, das sporadisch zur Gummi-Entfernung in der Innenstadt eingesetzt werde. Dabei würden die Flecken mittels Dampf und einer Fruchtsäure aufgeweicht, eine rotierende Kupferbürste löse das Klebzeug vom Pflaster ab.

Allerdings könne dieses Gerät nicht überall eingesetzt werden: Auf dem Königs- und dem Scheidemannplatz etwa sei der Untergrund so empfindlich, dass er von der Maschinenbürste beschädigt würde. Dort könne bei Bedarf mit speziellen Heißdampfmaschinen gereinigt werden, was aber hohe Kosten nach sich ziehen würde, so Birgit Knebel.

Lästiges Sonderproblem

Ohnehin hätten die Stadtreiniger in ihrem Tagesgeschäft nur ganz selten Zeit, sich eine von Kaugummis besonders stark verklebte Stelle vorzunehmen. Der Auftrag der regulären Straßenreinigung umfasse die Beseitigung losen Mülls sowie die Säuberung des öffentlichen Verkehrsraums von all dem, was sich mit Kehrbesen und Wasser entfernen lasse. Klebrige Kaugummis seien da ein lästiges Sonderproblem. Speziell auf deren mühevolle Entfernung könne man lediglich befristete Kräfte ansetzen, die durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zusätzlich bereitgestellt würden, sagt Knebel. Solch eine geförderte Aktion habe es letztmals im Frühjahr voriges Jahr gegeben.

Doch wie intensiv man gegen die Masse der klebrigen Placken auch anschrubbt: Einen nachhaltigen Reinigungseffekt wird man kaum erzielen können, sind sich die Auskunftspersonen von Bahn und Stadtreinigern einig. Sobald ein Kaugummi entfernt worden ist, sind bereits wieder etliche frische auf dem Pflaster gelandet.

Von Axel Schwarz

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