Intelligentes Lüftungssystem der Uni Kassel hilft, in Fabriken Energie zu sparen

Dicke Luft nur unterm Dach

„Dicke Luft“ steigt nach oben: Jens Hesselbach von der Uni Kassel (links) und Mark Junge, Firma Limón, zeigen Interessenten aus der Industrie mit ihrer Miniaturfabrik (rechts), wie ihr Lüftungssystem funktioniert. Foto: Dilling

Kassel. In Produktionshallen wird es oft wärmer, als es den Arbeitern lieb ist. Der Grund dafür sind Maschinen, die Hitze abstrahlen, etwa bei der Metallumformung. Viele Maschinen werden so heiß, dass sie gekühlt werden müssen. Der Betrieb muss dann im Extremfall – neben dem Aufwand für die eigentliche Produktion – bis zu 30 Prozent zusätzliche Energie für Lüftung und Kühlung aufwenden. Schon bei einer mittelständischen Firma können diese Kosten dafür in die Zehntausende Euro pro Jahr gehen.

Die Universität Kassel hat für dieses Problem eine Lösung entwickelt, die auf vielfältiges Interesse von Firmen stößt: Das Fachgebiet Umweltgerechte Produkte und Prozesse (UPP) hat im Labor eine Modellfabrik mit einem intelligenten Schichtlüftungs- und Kühlungssystem errichtet, die anschaulich macht, wie viel Energie gespart werden kann.

Statt die ganze Halle mithilfe von Ventilatoren mit frischer und gekühlter Luft zu versorgen, führen die Kasseler Wissenschaftler saubere Luft nur in Bodennähe und so dosiert zu, dass bis zu einer Raumhöhe von 2,50 Meter ein gutes, wohltemperiertes Raumklima herrscht. Die verbrauchte Luft steigt durch den Thermikeffekt nach oben. Unter dem Hallendach herrscht dann „dicke Luft“, aber das stört ja die Arbeiter am Boden nicht.

Das Schichtlüftungssystem ist nur ein Beispiel dafür, wie das seit zehn Jahren bestehende UPP in Zeiten des Klimawandels und steigender Energiekosten die Forschung nach energieeffizienten und ressourcenschonenden Produktionsprozessen vorantreibt. „Das Thema ist in den Köpfen der Unternehmensführer angekommen. Es herrscht weltweites Interesse“, sagt Prof. Jens Hesselbach, Leiter des Fachgebiets. Bei Gründung des UPP war er allein. Heute sind dort 15 Mitarbeiter beschäftigt.

Das Fachgebiet hat in der Limón GmbH, einer Ausgründung aus dem UPP, einen wichtigen Kooperationspartner, der dafür sorgt, dass die Forschung umgehend in den Fabriken umgesetzt wird. Dieses Unternehmen, das mit fünf Mitarbeitern begonnen hat und schon mehr als 40 beschäftigt, entwickelt die Steuerungssysteme für die Erfindungen der UPP-Wissenschaftler.

Limón bildet auch das Scharnier zur regionalen Wirtschaft. „Wir sind mit vielen regionalen Unternehmen, aber auch europaweit über den Einbau des Lüftungssystems in einer Produktionshalle im Gespräch“, sagt Limón-Geschäftsführer Dr. Mark Junge. Die Kasseler Niederlassung des Industrieausrüster- und Energieeffizienz-Spezialisten Imtech baut das neuartige Lüftungssystem.

Von Peter Dilling

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