50 Anrainer bei Debatte im Ortsbeirat

Dicke Luft am Weinberg: Anwohner lehnen Museumsbauten ab

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Umstrittener Bauplatz: Auf dem Weinberg sollen das Grimm-Museum und das Tapetenmuseum entstehen. Anrainer laufen gegen die Pläne Sturm.

Kassel. Einen solchen Andrang hat der Ortsbeirat Mitte lange nicht erlebt: Rund 50 Anrainer machten am Dienstagabend im Magistratssaal ihrem Ärger über die Neubaupläne Luft. Auf dem Weinberg sollen das städtische Grimm-Museum und das Tapetenmuseum des Landes entstehen.

Zwei Stunden, doppelt so lange wie vorgesehen, tauschten die Bebauungsgegner und Carl Flore vom Stadtplanungsamt ihre Argumente aus.

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An der Haltung der Anrainer änderte dies nichts: Sie befürchten den Verlust der Grünanlage, deutlich mehr Verkehr und Lärm für Anwohner, Mitarbeiter und Patienten des Elisabeth-Krankenhauses. Sorgen bereitet ihnen auch die Parkplatzsituation. Flore räumte ein, dass der Weinberg bereits „extrem hoch belastet“ sei. „Da kann man nicht drum herumreden.“ Er verwies auf ein Verkehrskonzept, mit dessen Hilfe die Probleme gelöst werden sollen. Es würden auch keine Stellplätze abgebaut, versicherte er.

Museumsbesucher, die mit dem Auto anreisen, sollen die innerstädtischen Parkhäuser und Tiefgaragen nutzen. Dies könne auch über die Eintrittskarten gesteuert werden, sagte Flore. „Das ist eine ganz bewusste und gezielte Entscheidung.“ Mit der Tram-Haltestelle am Rathaus und einem Busparkplatz, der am Brüder-Grimm-Platz entstehen soll, sei der Weinberg gut erschlossen. „Das Museum ist auch kein Safaripark, sondern ein Teil der Stadt“, sagte Flore.

Der Vortrag über die geplante Bebauung und die Versicherung, dass alle Einwendungen gegen den Bebauungsplan behandelt würden, hätten ihn nicht überzeugt, sagte Thomas Ritz, Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet den Weinberg“. Im Gegenteil. „Es hat mich in meiner Ablehnung bestärkt.“ Der Standort sei völlig falsch gewählt. Die Parklandschaft werde zerstört. Der Fürstengarten sei bereits durch den Anbau ans Friedrichsgymnasium und die Erweiterung des Elisabeth-Krankenhauses in Mitleidenschaft gezogen worden. Mit dem Ausbau der Murhardschen Bibliothek werde er weiter beschnitten. Die Stollen und Gänge im Weinberg könnten zu Problemen beim Bau führen und die Kosten in die Höhe treiben. „Die Entscheidung wurde am Willen der Bürger vorbei getroffen“, sagte Ritz. Er forderte die Stadt unter Applaus auf, das Projekt zu beenden.

Flore versicherte, die Stadt setze sich ernsthaft mit den Argumenten der Gegner auseinander. Diese zu gewichten, sei am Ende Sache der Stadtverordneten, die über den Bebauungsplan entscheiden. Den Vorwurf, diese seien nicht richtig informiert, wies er ebenso zurück wie Zweifel am Baugrund. „Es ist verlässlich untersucht worden.“

Um den Widerstand deutlich zu machen, überbrachte Ritz eine weitere Unterschriftenliste gegen das Vorhaben.

Mehr zum Weinberg im Regiowiki der HNA unter http://regiowiki.hna.de/Weinberg

Von Ellen Schwaab

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