Teilnehmer gesucht

Uni Kassel tritt bei Mess-Wettbewerb zu Schadstoffbelastung an

Mobile Messanlage: Prof. Andreas Hotho (links) und Jürgen Müller vom Fachgebiet Wissensverarbeitung dokumentieren mit Sensorboxen und Solar-Rucksäcken Luftverschmutzungen in der Kasseler Innenstadt. Foto: Schaffner

Kassel. Messen, was das Zeug hält, um dicke Luft aufzuspüren: Bei einem europäischen Wettbewerb um die aussagekräftigsten Luftverschmutzungsdaten tritt Kassel demnächst gegen Antwerpen, London und Rom an.

Ausgestattet mit Sensorboxen sammeln Teilnehmer in den vier Städten möglichst flächendeckend Luftwerte. In zehn Tagen geht es los - das Team der Uni Kassel sucht noch Teilnehmer.

Die Spielregeln der zwei Wochen andauernden Wettbewerbsphase der Air-Probe-International-Challenge sind denkbar einfach: Jede Stadt schickt Einzelpersonen oder Teams mit insgesamt zwölf Sensorboxen in einen festgelegten, zwei Quadratkilometer großen Bereich der Innenstadt. Dort sollten die Teilnehmer so viele Daten wie möglich sammeln. Die an Smartphones angeschlossenen Boxen zeichnen permanent Werte der Luft auf und dokumentieren diese über eine App auf einer Internetseite.

„Es geht darum, möglichst oft an vielen Stellen zu sein“, sagt Prof. Gerd Stumme. Der Leiter des Fachgebiets Wissensverarbeitung der Uni Kassel koordiniert mit Informatik-Professor Andreas Hotho (Uni Würzburg) den Wettbewerb in Kassel. „Je mehr und länger wir innerhalb der vorgegebenen Fläche in der Innenstadt Daten sammeln, desto größer sind unsere Gewinnchancen“, sagt der Wissenschaftler, der mit Hotho die eingesetzten Sensorboxen im Rahmen eines europaweiten Forschungsprojekts mitentwickelt hat. In Kassel erstreckt sich das für den Wettbewerb relevante Gebiet vom Kulturbahnhof über den Holländischen Platz und die Karlsaue bis zur Ingenieurschule.

Die milchtütengroßen Messgeräte sind Prototypen und messen mit einem Dutzend Sensoren unter anderem Ozonwerte, Kohlenmonoxid- und Stickoxidanteile sowie Feinstaubpartikel. „Die Idee hinter den Boxen ist, dass wir mit ihnen über das Internet langfristig flächendeckend Umweltsituationen abbilden können“, sagt Hotho. Er nennt ein Beispiel: Wer an einer stark befahrenen Kreuzung wohne, habe oft das Gefühl, aufgrund der Abgasbelastung schlechte Luft einzuatmen. „Wie schlecht die Luft wirklich ist, kann man mit unseren Boxen überprüfen.“

Zwar gebe es in Kassel zwei offizielle Luftmessstationen (Fünffensterstraße, Hinter der Komödie), „zwei Stück können aber niemals repräsentativ die Luftverschmutzungen einer so großen Stadt wie Kassel abbilden“, sagt Hotho.

Nach dem Wettbewerb, der den Forschern umfassende Daten zumindest aus dem Stadtzentrum liefert, soll die Sensorbox in Serie verkauft werden. „Wir legen die Baupläne offen und hoffen, dass sich ein Hersteller findet, der die Boxen kommerziell vertreibt“, sagt Gerd Stumme. Dann könnten Interessierte prinzipiell weltweit die Luftverschmutzungen ihrer Städte und Dörfer im Internet dokumentieren. „Eine Sensorbox für jedermann – mit diesem Ziel haben wir die Geräte entwickelt.“

www.everyaware.eu/APIC

Von Sebastian Schaffner

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