Flic Flac hatte gestern Premiere mit seinem fulminanten Festival der Artisten 2021

Die Abschaffung der Schwerkraft

Beim Festival der Artisten: Die kanadische Truppe „Monster Tramp“ fesselt mit noch nie gesehenen Acts auf dem Mega-Trampolin.
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Die kanadische Truppe „Monster Tramp“ beim Flic Flac Festival der Artisten auf dem Mega-Trampolin.

Flic Flac ist wieder in der Stadt. Am Dienstag hatte der Zirkus mit seinem Festival der Artisten Premiere im Zelt auf dem Kasseler Friedrichsplatz.

Kassel. Hochspannung angesichts präziser Akrobatik auf dem Todesrad, Verzauberung durch elegante Tänze (eines Modellflugzeugs) und befreiendes Lachen über anspruchsvolle Clownereien. Wie haben wir das vermisst!

Flugkünste I: Die vier Akrobaten Cradle aus der russischen Truppe Gusarov heben die Schwerkraft auf.

Wenn das schwarz-gelb-gestreifte Zirkuszelt mit seinen verspielten Baldachinen auf dem Friedrichsplatz steht, schlägt bei vielen Fans das Herz höher: Es ist soweit. Die besten internationalen Artisten des Zirkus Flic Flac sind in der Stadt, um ihr Publikum mit einer zweistündigen Vorstellung in ihre fantastische Zirkuswelt zu entführen. Gestern war die fulminante Premiere des Festivals der Artisten, das nach einem Jahr pandemiebedingter Unterbrechung zum zwölften Mal in Kassel gastiert.

Die Show beginnt mit einem Act, wie er dem unkonventionellen und anarchischen Zirkus mit seiner stets beeindruckenden Licht- und Ton-Schau auf den Leib geschneidert zu sein scheint. Er sorgt von Beginn an für die entsprechende Portion Adrenalin: Peitschenknallend und von Flammen begleitet stürmen die martialisch kostümierten Brüder Tyron & Michael Laner aus Spanien unter düsteren Bassklängen in die Manege, um atemberaubende Messerwerferkunst zu demonstrieren.

Ein leises Kontrastprogramm folgt mit dem heimischen Künstler Daniel Golla, der sein Publikum mit einer verzaubernden Modellflug-Show in den Bann zieht. Die Animation seiner Mini-Flugzeuge ist beispiellos schön.

Knuffig und clever kommt Clown-Zauberer Erasmus Stein rüber, wenn er wortwitzig sein Alleinstellungsmerkmal anpreist: „Ich bin hier weit und breit der einzige Künstler ohne Muskeln.“

Muskeln bilden das Stichwort: Mit Muskelkraft scheint das ukrainische Duo Silver Stones an den Strapaten die Schwerkraft außer Kraft zu setzen: Wenn Lykov und Kyrylo waagerecht in der Luft schweben, ist das keine Illusion, sondern Athletik. Auch „Cradle“, vier Artisten der russischen Truppe Gusanov, können fliegen. Ihre Wurf-Acts sind eine Mischung aus Klassikern und Noch-nie-Dagewesenem.

 Spannung erzeugt Raul Cañas Zamora aus Mexiko auf dem Schlappseil. Er stellt den Rekord, dort mit fünf Gegenständen zu jonglieren.

Ebenfalls talentierte Brüder sind Flavio und Ruben Da Silva aus Portugal. Der eine wirbelt den anderen mit der Kraft seiner Beine durch die Luft, wo dieser biegsam Pirouetten und Salti schlägt.

In schwindelerregende Höhe katapultieren sich auch die ukrainischen Athleten des Duos „Jump ‘n’ Roll“ mittels eines Schleuderbretts. Auch hier stockt der Atem bei Salti und gefährlichen Sprüngen.

Kann auch tanzen: Clown Anatoli Akerman.

Mit wie viel Bällen jongliert eigentlich der russische Artist Soslan Suanov? Mit neun? Bei der Geschwindigkeit kann niemand mitzählen.

Die Qualität der immer wieder überraschenden Clowns ist ein Markenzeichen von Flic Flac. Auch dieses Mal hatten sich Fabrizio Roseli aus Italien und Anatoli Akerman in Nullkommanichts in die Herzen des Kasseler Publikums gealbert.

Nicht das Todesrad, sondern gleich das doppelte Todesrad ist erstmals in Kassel zu sehen: Die kolumbianischen Hochspannungsartisten „Wheel of death“ vollbringen dabei auf ihrem Stahlkoloss unvorstellbar Mutiges. In einem zweiten Act begeben sie sich nicht weniger atemberaubend aufs Hochseil.

Es wäre nicht Flic Flac, wenn zum Schluss nicht noch mal ein Höhepunkt aus dem Hut gezaubert würde: Auf dem XXL-Mega-Trampolin mit mehreren Dimensionen wirbeln die Artisten der kanadischen Gruppe „Monster-Tramp“ und lassen keinen Zweifel daran, dass sie zu den Besten dieser Disziplin weltweit gehören.

Flugkünste II: Daniel Golla haucht seinen Modellflugzeugen Leben ein.

Wegen Corona hat Flic Flac die Zuschauerzahl reduziert, es gilt die 2G-plus-Regel. Besucher, die noch keine dritte Impfung haben, müssen sich vorher testen lassen. Auch alle Artisten sind geimpft.  Ob und wie die aktuellen Beschlüsse des Corona-Gipfels nach dem 28. Dezember Auswirkungen auf Flic Flac haben, stand noch nicht fest.

Infos: Karten für das Festival der Artisten (bis 9. Januar) in den HNA-Geschäftsstellen, online unter flicflac.de/kassel sowie vor Ort an der Flic-Flac-Kasse. Preise: 19 – 54 Euro. Vorstellungen täglich 16 und 20 Uhr. An Heiligabend gibt es eine Vorstellung um 14 Uhr.

(Christina Hein)

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