Ermittlungen zwischenzeitlich eingestellt

Ein Jahr nach Anschlag auf Minicar-Fahrer: „Die Angst ist immer da“

Protest auf dem Rad und im Minicar: Teilnehmer des Korsos für Minicar-Fahrer Efe.
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Protest auf dem Rad und im Minicar: Teilnehmer des Korsos für Minicar-Fahrer Efe.

Vor einem Jahr wurde der Kasseler Minicar-Fahrer Efe Opfer eines Anschlags. Nun gingen seine Unterstützer auf die Straße. Sie fordern mehr Schutz vor rassistischen Attacken.

Kassel – Seit dem 21. Juni 2020 hat Selim Cakir Angst, dass ihm auch so etwas passieren könnte wie seinem Kollegen. In jener Sommernacht wurde der Minicar-Fahrer Efe von einem Unbekannten mit einem Messer in den Hals gestochen. Zuvor war er als „Scheiß Ausländer“ beschimpft worden. „Seitdem ist die Angst immer da“, sagt Efes Kollege Cakir.

Ein Jahr nach dem Anschlag organisierten die Initiative 6. April, die Initiative in Solidarität mit Efe und die Firma Minicar einen Fahrrad- und Autokorso, um auf die immer noch nicht aufgeklärte Tat hinzuweisen. 45 Radfahrer und 12 Autos fuhren eine Stunde lang vom Halitplatz einmal um die Innenstadt. Das waren deutlich weniger Teilnehmer als vor einem Jahr. Für Anna Olafson von der Initiative 6. April ist es „frustrierend, dass das Interesse nachlässt“.

Auf der anderen Seite freuten sich Cakir und Efe über das wichtige Zeichen. Das Opfer von damals leidet bis heute unter der Tat. Wegen der psychischen Folgen kann der 48-Jährige immer noch nicht arbeiten. Darüber sprechen will er in der Öffentlichkeit nicht. Sein Freund Cakir sagt: „Er hat Angst, unter Menschen zu gehen.“ Bei einer Online-Spendenaktion auf betterplace.me/solimitefe sind mittlerweile mehr als 5000 Euro für ihn zusammengekommen.

In einem Offenen Brief üben die Initiativen deutliche Kritik an den Behörden. „Warum gibt es keine schnelle und weniger bürokratische Unterstützung für Efe“, fragen sie. Und: Wann können schwarze Kasseler und alle, die Rassismus erfahren, „sich sicherer in dieser Stadt fühlen?“ Zudem sind sie verwundert, dass die Ermittlungen „schon nach einem halben Jahr geschlossen werden sollten“.

Tatsächlich wurden die Ermittlungen Ende vorigen Jahres vorläufig eingestellt, da „trotz intensiver Arbeit zu dieser Zeit keine erfolgversprechenden weiteren Ansätze vorlagen“, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf HNA-Anfrage mitteilt. Unter anderem wurden die Videoaufzeichnungen von der Friedrich-Ebert-Straße gesichert. Außerdem wurde ein Phantombild angefertigt und per Fahndungsaufruf veröffentlicht.

Im Januar gab es für die Staatsanwaltschaft einen „vagen Anfangsverdacht“ gegen einen Mann. Die Ermittlungen hätten ihn jedoch entlastet. Zu weiteren Ergebnissen gab der Sprecher keine Auskunft, da „das Ermittlungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist“. (Matthias Lohr)

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