Helmut Wetzel ist neuer Chef im K 11 der Kasseler Kripo

Leiter der Yozgat-Mordkommission: „Die Arbeit ist Motivation genug“

Ist für die Aufklärung von Kapitalverbrechen zuständig: Kriminalhauptkommissar Helmut Wetzel ist neuer Leiter des Kommissariats 11 im Polizeipräsidium Nordhessen. Foto:  Pflüger-Scherb

Kassel. Dass eine rechtsradikale Gruppierung im Untergrund Morde planen konnte, das hat „unsere Vorstellungskraft überschritten“, sagt Helmut Wetzel. Er war Leiter der Mordkommission, die nach dem Mord an Halit Yozgat gegründet worden war. Nun ist er neuer Chef des Komissariats für Gewaltverbrechen.

Als vor knapp einem Jahr herauskam, dass die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) bundesweit für neun Morde an türkisch- und griechischstämmigen Männern und einer Polizistin verantwortlich ist, war das ein „Riesenschock“ für Helmut Wetzel.

Wetzel und 50 Ermittler in Kassel arbeiteten mit den Mordkommissionen in den anderen Städten bei der Suche nach den Mördern zusammen. Dass eine rechtsradikale Gruppierung jahrelang im Untergrund die Taten unbemerkt planen konnte, das hat „unsere Vorstellungskraft überschritten“, sagt Wetzel. „Das erschreckt mich heute noch.“

Nach zwei Jahren wurde die Kasseler MK damals aufgelöst, Ende vergangenen Jahres wurde sie unter Wetzels Leitung wieder eingerichtet. Seit dem 1. Juli dieses Jahres ist der 54-jährige Ermittler zudem Chef des Kommissariats 11, zuständig für Gewalt- und Kapitalverbrechen, mit 13 Mitarbeitern.

Wetzel, der verheiratet ist und eine Tochter (27) und einen Sohn (24) hat, wuchs in Frieda (Werra-Meißner-Kreis) auf. 1974 kam er zur Ausbildung zur Polizei nach Kassel, arbeitete anschließend mehrere Jahre in Frankfurt und kehrte 1984 zurück aufs Revier nach Waldau. 1991 wechselte er von der Schutz- zur Kriminalpolizei. Als Ermittler begann er ein Jahr später beim K 11.

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Dieses Kommissariat hat es ihm angetan. Bei den meisten anderen Kommissariaten, ob nun Betrug oder Einbruch, gehe es fast immer nur ums Geld, sagt Wetzel. „Im K11 ist die menschliche Seite am Verbrechen sehr speziell. Auch wenn die Arbeit oft unangenehm und belastend ist, so ist sie doch interessant.“ Natürlich sei es nicht immer einfach, eine professionelle Distanz zu wahren, zum Beispiel wenn es um Eltern gehe, die ihr Kind getötet haben. Die erste Obduktion, bei der er dabei war, wurde an einem Kleinkind vorgenommen. Damals war er selbst junger Vater. Die Frage, warum er sich das antut, hat sich Wetzel schnell beantwortet. „Ich bin von der Notwendigkeit meiner Arbeit überzeugt. Da muss man sich nicht groß motivieren. Die Arbeit ist Motivation genug.“ Dabei sei ihm besonders die Arbeit mit den „Überlebenden“ wichtig. Er weiß, wie wichtig die Gespräche mit den Angehörigen auch für diese selbst sind.

Mit den Eltern und Schwestern von Halit Yozgat steht er bis heute in Kontakt. Wetzel spricht von einem herzlichen Verhältnis. Bei der Mordserie hat es oft den Vorwurf gegeben, dass die Opfer kriminalisiert worden sind. Wetzel stellt klar, dass das für das Kasseler Opfer nie zugetroffen hat. „Uns war schnell bewusst, dass das Motiv nicht in der Person Halit Yozgat, sondern in seinem Erscheinungsbild und seiner Nationalität liegt.“

Wetzel will genauso wie die Yozgats wissen, wie es weitergeht. Er habe noch viele offene Fragen. Aber das sei schließlich auch der Fall, der ihn bislang am meisten beschäftigt habe.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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