1. Startseite
  2. Kassel

Johanna Schneider aus Kassel ist Bundessiegerin der Keramiker

Erstellt:

Von: Claudia Feser

Kommentare

Keramikerin Johanna Schneider aus Kassel zeigt ihre Gesellenstücke, Vasen und eine Schüssel
Siegerin mit Gesellenstücken: Johanna Schneider aus Kassel ist Bundessiegerin im Keramik-Handwerk geworden. © Claudia Feser

Das allererste Geschirr, das Johanna Schneider hergestellt hat, benutzt sie noch heute. Sie hat es an der Töpferscheibe gedreht, als sie noch Schülerin der Reformschule war.

Kassel – Das zwölfteilige Service ist während einer Halbjahresarbeit entstanden: zwölf Tassen, zwölf Untertassen, zwölf Teller, alles in Knallrot. Jetzt, zehn Jahre später, wurde die Keramik-Gesellin als Bundessiegerin im Keramik-Handwerk ausgezeichnet.

Die 26-Jährige hat bei Keramiker Andreas Erbe in Wehlheiden gelernt. Dort hat sie während der Schulzeit und auch später ein Praktikum gemacht. Nach dem Fachabi und einem Freiwilligen Sozialen Jahr in einer Förderschule begann sie mit dem Studium der Erziehungswissenschaft, Schwerpunkt Bildende Kunst. „Aber ich habe gemerkt: Ich brauche das Künstlerische“, sagt Johanna Schneider, „ich muss am Ende des Tages sehen, was ich gemacht habe.“

Deshalb ging sie wieder zurück in die Keramik-Werkstatt von Andreas Erbe, der ihr einen Ausbildungsplatz anbot. Drei Jahre hat die Ausbildung gedauert, zum Berufsschulunterricht musste sie immer nach Höhr-Grenzhausen (Rheinland-Pfalz) fahren). Es sei ein aussterbender Beruf, sagt Johanna Schneider: „An meiner Schule war ich die einzige Keramikerin im Handwerk Scheibentöpferei.“ Alle anderen wurden für die Industrie ausgebildet, als Prüftechnologen Keramik.

Die Bundessiegerprüfung war anspruchsvoll, mit wenig Zeit: Johanna Schneider musste in drei Stunden ein breites und ein hohes Gefäß sowie ein Ensemble drehen, und hatte eine Stunde Zeit zum Dekorieren und zum Henkeln. Damit ist die Herstellung der Henkel an den Gefäßen gemeint. „Am Henkel sehe ich, ob jemand sein Handwerk gelernt hat oder nicht.“ Die Keramikerin bereitet den Henkel nicht vor und modelliert ihn dann ans Gefäß, sondern sie zieht ihn direkt am Gefäß hoch.

Vor fünf Wochen hat sich Johanna Schneider selbstständig gemacht und ein gemietetes Gartenhaus in Niederzwehren zur Werkstatt mit Glasiererei ausgebaut. Wenn sie morgens in ihre Werkstatt geht, „dann freue ich mich, dass ich jetzt töpfern gehe und denke nicht: Ich muss zur Arbeit“.

Sie stellt Gebrauchskeramik her, also Tassen, Teller, Schüsseln, aber auch Seifenschalen und Hundenäpfe. Urnen will sie herstellen, die sie nach Absprache individuell für die Kunden gestaltet. Immer dabei ist Charlie, ihr Bordercollie-Mischling. „Er ist ein richtiger Töpferhund“, sagt Johanna Schneider und lacht, denn auch wenn überall Keramik steht, wirft Charlie nichts um, und es geht nichts kaputt.

Ihre Internetseite ist noch in Arbeit, inklusive Online-Shop. Sie probiert jetzt viel aus, mit Materialien, Glasuren, Formen und Farben. Und die Testtassen stehen alle in ihrer Küche: „Ich muss sie selbst nutzen, dann sehe ich sie noch mal anders an“, sagt Johanna Schneider, „aber deshalb kann ich jeden Tag meinen Kaffee aus einer anderen Tasse trinken“. Natürlich auch noch aus den knallroten Tassen ihres allerersten Service’, das sie als Reformschülerin hergestellt hat. (Claudia Feser)

Auch interessant

Kommentare