Veranstaltung mit Studierenden der Uni Kassel

Ein ganzes Evangelium an einem Abend: Bibel wird als Live-Hörspiel in Kasseler Elisabethkirche vorgetragen

Das ganze Evangelium an einem Abend: Studentin Lea-Marie Köneke (vorn), Mentorin Beatrix Ahr (links), und hinten Rebecca Niehoff und Johannes Hofmann freuen sich auf die Veranstaltung in der Elisabethkirche.
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Das ganze Evangelium an einem Abend: Studentin Lea-Marie Köneke (vorn), Mentorin Beatrix Ahr (links), und hinten Rebecca Niehoff und Johannes Hofmann freuen sich auf die Veranstaltung in der Elisabethkirche.

Auf dem Rasen entspannen und Geschichten aus der Bibel lauschen: Das ist bei einem besonderen Projekt von Studierenden der Uni Kassel am Dienstag, 28. Juni, in der Elisabethkirche möglich.

Kassel – Sie gilt als das Buch der Bücher, aber kaum jemand liest sie am Stück: Die Bibel wird meist nur abschnittsweise gelesen, im Gottesdienst vorgetragen oder von Fachleuten ausgelegt. Ein Evangelium als Ganzes, gelesen von Theologiestudierenden der Universität Kassel, kann man am Dienstag von 19 bis 22 Uhr in der Elisabethkirche am Friedrichsplatz erleben. Musik, Tanz und Live-Malerei werden die Lesung ergänzen.

Bei der Veranstaltung wird zugleich die Kunstintallation „Poem of Pearls“ von Birthe Blauth, für die derzeit die katholische Kirche mit Kunstrasen ausgelegt ist, auf besondere Weise zu erleben sein. „Man kann sich auch einfach hinlegen und beim Zuhören entspannen“, sagt Studentin Lea Marie Könecke, eine der Vorleserinnen. Dabei wird das Markusevangelium aber nicht frontal vom Altarraum vorgetragen, sondern die zwölf Vorleserinnen und Vorleser verteilen sich im gesamten Kirchraum. Auch von den Beton-Querstreben der großen Fensterfront in rund 2,50 Meter Höhe werden Passagen vorgetragen.

In 80 Abschnitte haben die Studierenden den Text dafür unterteilt. Die reine Lesezeit betrage rund eineinhalb Stunden, sagt Beatrix Ahr vom Mentorat für katholische Lehramtsstudierende, die das Projekt federführend begleitet hat. Doch nicht nur die relative Kürze im Vergleich zu den anderen Evangelien spreche für den Markustext. Darin erlebe man auch den „menschlichsten Jesus“, so die Theologin.

„Er wird nicht so überhöht dargestellt, sondern auch als Zweifler und auch mal traurig“, formuliert es Rebecca Niehoff. Außerdem sei das Evangelium sprachlich sehr gut geschrieben. Vieles davon werden die meisten Menschen noch nie gehört haben: So bietet der Text etwa Anleitungen zum Diebstahl und wie man Wächter schachmatt setzt, verraten die Studierenden. Bei der Vorbereitung habe man auch viel gelacht, sagt Beatrix Ahr – und sich manchmal gefragt: „Kann man das so vorlesen?“ Man kann. Zum Thema Sünden trifft der Text übrigens eine klare Aussage: Sie werden alle vergeben, nur nicht die Lästerung gegen den Heiligen Geist.

Auch die musikalischen und anderen künstlerischen Darbietungen als Teil des „Live-Hörbuchs“ werden von Kasseler Studierenden gestaltet. Dabei wird nicht klassische Kirchenmusik erklingen, sondern Pop-Songs und andere gecoverte Hits werden zu hören sein. Neben Instrumentalisten und Gesangssolisten wird auch der ökumenische Chor des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses auftreten.

Eigentlich war die Veranstaltung schon für 2020 geplant, fiel coronabedingt aber aus. Stattdessen drehten die Studierenden einen 15-mütigen Film in Zusammenarbeit mit dem Offenen Kanal. Von der Wartezeit hat das Projekt in weiterer Hinsicht profitiert: Nicht nur, dass der Kirchenraum nun durch die Kunstinstallation aufgewertet ist und das Stühleschleppen entfällt.

Das Projekt, das ursprünglich im katholischen Mentorat verortet war, ist durch die Beteiligung der Studienbegleitung der Evangelischen Kirche nun ökumenisch geworden. Auch das Buch der Bücher richtet sich schließlich an alle Christen.

Service: „Hör-Raum Kirche: Das Markusevangelium als Live-Hörbuch“: Dienstag, 28. Juni, 19 Uhr, St. Elisabeth. Der Zutritt ist auch um 20 und 21 Uhr möglich. Eintritt frei. Link zum Kurzfilm: zu.hna.de/hörbibel

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