Schon zwei Läden haben aufgemacht

Die Bubble-Tea-Läden sind zurück in Kassel: Hält der Hype diesmal länger an?

Vor dem Bubble-Tea-Laden „Black Pearl“ an der Kölnischen Straße nahe dem Königsplatz herrschte am Donnerstag auch abends noch großer Andrang.
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Vor dem Bubble-Tea-Laden „Black Pearl“ an der Kölnischen Straße nahe dem Königsplatz herrschte am Donnerstag auch abends noch großer Andrang.

Allen, die in den 2010er-Jahren jeden Trend mitmachten, sollte dieser Hype bekannt vorkommen: In Kassel sprießen jetzt wieder die Bubble-Tea-Läden aus dem Boden. In der Innenstadt gibt es schon zwei davon, bald folgt ein dritter. Ist der Erfolg diesmal von Dauer?

Kassel – Wo man auch hinschaut: Die jungen Leute stehen Schlange. Dabei gibt es in der Kasseler Innenstadt weder Gratis-Autogrammkarten ihrer Lieblingsrapper, noch ist die neue Playstation lieferbar. Nein, es gibt bloß einen Neuankömmling in altem Gewand: den Bubble Tea.

In Kassel haben jetzt gleich zwei Läden in der Innenstadt aufgemacht, die das Getränk verkaufen. Bald eröffnet am Entenanger noch ein dritter. Grund genug, um bei den jungen Teetrinkern nachzufragen, warum sie für das meist zuckersüße Getränk stolze vier Euro ausgeben.

In der Kölnischen Straße nahe einem Geschäft für Fitness-Nahrung stehen am frühen Donnerstagabend fast 20 vor allem junge Kunden vor einem „Black Pearl“ getauften Bubble-Tea-Laden. „Wir sind überrascht von dem Erfolg“, berichtet Frau Tran, die das Geschäft mit ihrer Familie betreibt.

Familie Tran hat vor zwei Wochen den Bubble-Tea-Laden „Black Pearl“ eröffnet.

Dabei endete der erste Bubble-Tea-Hype jäh, als 2012 Wissenschaftler der RWTH Aachen in einer Studie herausgefunden haben wollten, dass in den kleinen Kügelchen des Bubble Teas krebserregende Stoffe steckten. Auch Berichte über Kleinkinder, die sich an den Kügelchen verschluckten oder sogar fast daran erstickten, setzten dem Trendgetränk zu. Auch in Kassel schlossen die Läden danach reihenweise. Dabei stellten sich die Messergebnisse der RWTH-Studie schon ein Jahr später als falsch heraus. Geholfen hat diese Erkenntnis den Läden nicht – bis jetzt. Denn 2021 feiert der Bubble Tea in Kassel sein Comeback.

Und das auch dank neuer Produkte. „Die Haut der Kügelchen war früher aus Gelatine“, erzählt die Gründerin von „Black Pearl“. Nun bekomme man von einem deutschen Lieferanten vegane Kügelchen aus Tapioka (Maniokwurzel) und verwende ausschließlich Bio-Tee und Bio-Milch, wobei sie auch Milchersatz anböten. „Wir sind zufrieden mit dem Anfang“, sagt die Gründerin.

Tee-Fans: Miguel de Sousa und Alina Förster.

Draußen vor dem Laden wartet die 22-jährige Alina Förster aus Kassel auf ihren Tee. Sie kenne das Getränk noch aus seiner Blütezeit, so um 2012 herum. Seit es wieder Bubble-Tea-Läden in Kassel gebe, gehe sie dort jede Woche hin. „Das ist einfach etwas anderes, was es sonst nirgendwo gibt“, erzählt sie. Sie glaubt, dass es nicht wieder nur ein Hype sei. „Ich werde weiter hierhin gehen.“ Ihr Begleiter Miguel de Sousa (23) ist sich da nicht ganz so sicher. „Das ist wie bei den Waffelläden, die vor einiger Zeit aufgemacht haben. Der Hype ist irgendwann vorbei.“ Dennoch werde er ab und zu einen Bubble Tea kaufen.

Während die beiden ihre Tees an der Türschwelle des „Black Pearl“ in Empfang nehmen, ordnet an anderer Stelle bereits ein Ordner mit einer orangefarbenen Warnweste den Andrang. An der Ecke Untere Königsstraße/Hedwigstraße wartet Kimberly Pfaffenbach (18) aus Kassel auf ihre Tee-Bestellung bei „Möchtee“. Beiläufig erwähnt sie die verhängnisvolle, jedoch widerlegte Studie und hat gleichzeitig Vertrauen in die neuen Läden. „Ich habe gelesen, dass die Läden in Kassel alle dieselben Zutaten verwenden und ein Zertifikat besitzen.“

Nachdem die Läden in Kassel geschlossen hatten, habe sie gelegentlich in Frankfurt Bubble Tea getrunken. In Kassel sei sie auf Geschäfte ausgewichen, die süßen Kaffee und Smoothies verkaufen: „Der Bubble Tea ist aber leckerer.“ Mit einem Vorurteil wolle sie außerdem brechen: „Der Bubble Tea muss gar nicht so süß sein.“ Sie wähle meist ungesüßten Tee oder welchen mit wenig Zucker. Verbraucherschützer warnen trotzdem vor zu viel Bubble Tea, weil er ähnlich viel Zucker enthält wie andere Softdrinks – bis zu 16 Würfelzucker pro 500 Milliliter.

Auch der Umweltaspekt spielt eine Rolle. Zumindest „Möchtee“ versuche jedoch, Abfall zu vermeiden, erzählt Pfaffenbach. Dort bekomme man den Tee auch in wiederverwendbaren Bechern. (Paul Bröker)

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