Mit dem Rad in den Iran: Kasseler legte 2300 Kilometer zurück

Hilfsbereit: Von einem Mechaniker im georgischen Tiflis hat der Kasseler Peter Klein (rechts) ein neues Hinterrad für sein Fahrrad erhalten. Foto: privat

Kassel. „Ich bin wieder unterwegs“ - mit diesem Satz beginnt Peter Klein sein Tagebuch. „Auf Reisen fühle ich mich frei“, sagt er. Am 11. Oktober startete der 63-jährige Kasseler zusammen mit einem Freund aus der Schweiz zu einer Fahrradtour von Trabzon in der Türkei bis nach Teheran im Iran.

Vier Wochen lang waren die beiden unterwegs. Die Route führte am schwarzen Meer entlang, durch den südlichen Kaukasus, Georgien, Aserbaidschan, am Kaspischen Meer entlang bis in die Hauptstadt des Iran. Insgesamt 2300 Kilometer legten sie zurück, 1700 davon mit dem Fahrrad, den Rest mit Bus und Bahn.

Große Hilfsbereitschaft

Seine Tagebücher helfen Klein, Stimmungen einzufangen. „Wenn ich darin lese, entstehen die Bilder“, sagt er. Und er erzählt von der Gastfreundlichkeit der Menschen, denen er unterwegs begegnet ist, von dem Bäcker, der ihn zum Tee eingeladen und ihm mit ein paar Brocken Englisch, Händen und Füßen alles über das Backen von Fladenbrot erzählt hat. Er berichtet von dem Mann, der ihm in Aserbaidschan die gebrochenen Speichen seines Tourenrades mit einfachsten Mitteln wieder zusammengeflickt hat, und von dem Mechaniker im georgischen Tiflis, von dem er ein neues Hinterrad bekommen hat.

„Die Hilfsbereitschaft der Menschen hat mich einfach überwältigt.“ sagt Klein. Als selbstständiger Betriebsberater konnte sich der Wirtschaftsingenieur die Zeit für die Tour nehmen.

Gereist ist der zweifache Familienvater und Großvater schon immer gerne. Und als Bergsteiger etwa war er viel in den Alpen unterwegs.

„Ich wollte die Länder anders kennenlernen als der klassische Urlauber“, erzählt er. Seine erste große Fahrradtour machte er 2006 von Wien nach Istanbul. Die Tour in diesem Jahr war die Fortsetzung. Geplant war die Reise nur grob. „Wir kannten Start und Ziel und die Länder, durch die wir fahren wollten“, sagt Klein. Die 80 bis 100 Kilometer pro Tag sind er und sein Freund hauptsächlich auf normalen Straßen gefahren. „Wir mussten dort fahren, wo wir uns an Schildern orientieren konnten“, erklärt er. Auf ihrer Reise haben sie nicht nur vier Länder mit vier unterschiedlichen Kulturen und Sprachen durchquert, sondern mussten sich an drei unterschiedliche Schriften gewöhnen. „Wir waren ständig bemüht, uns das Wichtigste in der jeweiligen Sprache und Schrift anzueignen“, erzählt der Kasseler.

„Verrückte sind heilig“

Angst und Sicherheitsbedenken hatte er vor der Tour nicht. „Ich habe großes Vertrauen in die mittelasiatischen Länder, sie haben mich schon als Kind fasziniert“, sagt er. Und als Radfahrer sei man dort sowieso ein Exot und gelte als etwas verrückt. „Verrückte sind dort heilig“, sagt er und lacht. Am Ende war dann auch alles gut verlaufen. „Ich habe nie ein Sicherheits-problem gehabt“, betont er. In seinen Tagebüchern liest er regelmäßig. Sie erwecken die Reise-Erlebnisse wieder zum Leben. „Unterwegs fühle ich mich einfach am wohlsten“, sagt er (mkx)

Von Mirko Konrad

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