Neue Ausstellung darf wegen Corona nicht eröffnen  

Exklusive Einblicke in das Stadtmuseum: Die große Kasseler Sportschau

Kassel war lange Austragungsort für Seifenkisten-Rennen: Die Veranstaltungen fanden von 1947 bis 1970 im Bergpark und am heutigen Bundessozialgericht statt. Eine Seifenkiste, ein Film und
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Kassel war lange Austragungsort für Seifenkisten-Rennen: Die Veranstaltungen fanden von 1947 bis 1970 im Bergpark und am heutigen Bundessozialgericht statt. Eine Seifenkiste, ein Film und

Die Zeit läuft ihr davon: Eigentlich hätte die Ausstellung „Es lebe der Sport!“ seit November im Stadtmuseum zu sehen sein sollen. Corona durchkreuzte den Plan. Die Macher hoffen, dass sie bald öffnen dürfen. Denn im September muss sie Platz für die nächste Schau machen.

Kassel – Das Team des Kasseler Stadtmuseums ist ziemlich frustriert. Denn es hat in den vergangenen Monaten Hunderte Arbeitsstunden in die Konzeption der neuen Sonderausstellung zum Kasseler Sportleben investiert. Und nicht nur das: Selten war die Beteiligung aus der Bevölkerung so groß. Vereine und Sportbegeisterte stellten im Vorfeld etwa 300 Exponate aus der Kasseler Sportgeschichte zur Verfügung. Und nun droht die Ausstellung zu einer der kürzesten der Museumsgeschichte zu werden.

Museumsleiter Kai Füldner schildert das Problem: „Wir wissen aufgrund der aktuellen Pandemielage nicht, wann wir öffnen dürfen.“ Gleichzeitig sei man nach hinten zeitlich begrenzt. „Wir müssen ab 5. September abbauen, weil dann die Jubiläums-Ausstellung zu 50 Jahre Uni Kassel ansteht“, so der Museumsleiter weiter. Diese lasse sich nicht verschieben.

Aus diesem Grund haben sich Füldner und die Kuratorinnen der Ausstellung entschlossen, den HNA-Lesern einen ersten Blick auf die Schau zu ermöglichen. Auf vier Etagen im Museumsturm bildet diese die Bandbreite des Kasseler Sports ab, der vor allem in den 175 Vereinen mit seinen 45 000 Mitgliedern stattfindet.

Worum geht es?

Die Ausstellung bietet zum einen den chronologischen Abriss der Kasseler Sportgeschichte. Diese hat ihren Ursprung in der Turnbewegung, die sich 1844 um den Turner und Begründer des Kasseler Turnens, Christian Reul, bildete. „Damals wurde der Sport als revolutionär angesehen und kritisch von der Obrigkeit beäugt“, erzählt Kuratorin Christina Reich. Bis etwa um 1900 sei Sport nur den Männern vorbehalten gewesen. Diese gründeten in Kassel Vereine mit so klangvollen Namen wie dem der Kegler „Donnerkugel 1876“.

Sport damals: Gruppenbild des Arbeiterturnvereins Freie Turnerschaft Cassel.

Die Ausstellung macht einen großen Bogen von der Bedeutung des Sports für die Ideologie der Nationalsozialisten bis hin zu staatlich organisierten Sportkampagnen der Nachkriegszeit wie die Trimm-dich-Bewegung der 70er- und 80er-Jahre und die Bundesjugendspiele.

In der Schau werden einzelne Sportarten herausgegriffen, die in Kassel eine besondere Bedeutung haben: Dazu zählen etwa das Laufen, das in Kassel eine lange Historie hat oder auch das Rudern sowie der Eissport und Motorsportveranstaltungen.

Ausstellung gewährt Einblicke: Die Mannschaftskabine des KSV Hessen mit einem signierten Fußball.

Natürlich darf auch der KSV Hessen nicht fehlen. Neben zahlreichen historischen Fotos sind Videos zu sehen, in denen lokale Sportler und Sportwissenschaftler zu Wort kommen.

Was ist ausgestellt?

Die Ausstellung bietet ungefähr 300 Exponate, die dem Museum zum Großteil als Leihgaben zur Verfügung gestellt wurden. Unter den Stücken sind beispielsweise das acht Meter lange Ruderrennboot „Paul Melchior“ vom Ruderverein Friedrichsgymnasium, das KSV-Maskottchen „Totti“ und ein Trikot und Laufschuhe des Kasseler Marathonläufers Ralf Salzmann, der sich dreimal für die Olympischen Spiele qualifizierte. Ein Hingucker ist auch eine Kasseler Seifenkiste, die bei den berühmten Kasseler Seifenkistenrennen zum Einsatz kam, die zwischen 1947 und 1970 zunächst im Bergpark und später dann am heutigen Bundessozialgericht stattfanden.

Was sind Höhepunkte?

In der Ausstellung kann der Besucher viel darüber lernen, wie sehr der Sport die Stadt prägt. Zahlreiche Statistiken zur Zahl der Sportstätten, zur Größe der Vereine und zur Vielzahl der Sportarten geben dabei einen Einblick.

Fankultur in den 90er-Jahren: Huskies-Fans im Sonderzug begleiten ihre Mannschaft zum Auswärtsspiel.

Toll ist, dass es für die Besucher zahlreiche Mitmachstationen gibt. So können Walzer-Tanzschritte geprobt und Sporträtsel gelöst werden. An einem dreiseitigen Tipp Kick darf zudem ausprobiert werden, wie es sich anfühlt, wenn man Fußball in drei Teams mit wechselnden Kooperationen spielt. Zur documenta 14 im Jahr 2017 hatte der Verein Dynamo Windrad eine Weltmeisterschaft mit dreiseitigen Tipp Kicks veranstaltet.

Laufschuh anno 1988: Mit diesen startete der Kasseler Marathonläufer Ralf Salzmann bei Olympia in Seoul.

Besonders schön ist ein Film aus den 60er-Jahren, der die Stimmung bei einem KSV-Spiel im Auestadion einfängt. Lobenwert ist, dass nicht nur der KSV Hessen und die Kassel Huskies größer thematisiert werden, sondern auch junge Sportarten wie das Roller Derby – ein Vollkontaktsport mit Rollschuhen, der auch in Kassel praktiziert wird. (Bastian Ludwig)

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