Wohn- und Geschäftshaus

Die Kaufburg kommt wohl weg: Pläne für neue Bebauung

Kaufburg, Kassel, Friedrich-Ebert-Straße 18.
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Imposant, aber heruntergekommen: Die sogenannte Kaufburg hat ihrem Namen nie Rechnung getragen.

Der heruntergekommene Gebäudekomplex neben der Alten Hauptpost in Kassel wird wahrscheinlich abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Kassel - Für die Kaufburg an der Friedrich-Ebert-Straße werden neue Pläne gemacht, die Stadtbaurat Christof Nolda jetzt im Ortsbeirat Mitte vorstellte. Die Eigentümer wollen den nahezu leerstehenden Bau wahrscheinlich abreißen und das Gelände neu bebauen. Einen Zeitplan dafür gibt es aber noch nicht. Ebenso offen ist, wie ein Neubau konkret aussehen würde und welchen Nutzungen er im Einzelnen dienen soll. Klar sei aber, dass eine größere Anzahl von Wohnungen entsteht, hieß es von Nolda und von der Göttinger Projektentwicklungsfirma EBR, die im Auftrag des privaten Grundstückseigentümers tätig ist.

Der hatte bereits 2018 die Möglichkeiten einer Sanierung prüfen lassen. Vor diesem Hintergrund bekam der Club Soda, seinerzeit wie schon die Vorgänger Yello und Prigogine ein Fixpunkt des Kasseler Nachtlebens, seinen Mietvertrag nicht mehr verlängert. Seit der Fertigstellung Anfang der 1980er-Jahre war die Gastronomie praktisch das Einzige, was über die Jahre in dem Bau wirtschaftlich funktioniert hat. Der Irish Pub ist heute der einzige Gewerbemieter, auch die 48 Wohnungen stehen bis auf ganz wenige Ausnahmen fast vollständig leer.

Für die Ladenlokale in der Passage und andere Gewerbeeinheiten hatten sich von Anfang an kaum Mieter gefunden. Die verspielt-fummelige Raumstruktur im damaligen Zeitgeschmack mit vielen Erkern, Eckchen und düsteren Nischen erwies sich für Vermarkter als Fiasko – schon in den Anfangsjahren wurde der Bau als Investitionsruine geschmäht. All das war vor drei Jahren in die Sanierungs-Überlegungen eingegangen.

Die Gesamtbetrachtung habe „ergeben, dass die Mängel weitreichend und fast alle Bereiche des Gebäudes betroffen sind“, sagte EBR-Sprecher Robert Schwindt. Es habe sich gezeigt, dass eine Kernsanierung bautechnisch äußerst kompliziert und letztlich unwirtschaftlich wäre. Ob man ganz neu baue, sei noch nicht endgültig klar; dies werde aber „stark präferiert“.

Die Stadt Kassel will den Weg für eine solche Lösung ebnen und voraussichtlich in der 2. Jahreshälfte 2022 einen Bebauungsplan für das Kaufburg-Gelände in Kraft setzen. Wegen der städtebaulichen Bedeutung hat die Stadt einen projektbegleitenden Gestaltungsbeirat gegründet, dem auch renommierte externe Planer angehören. Ziel ist es, sich auf Grundzüge und Eckpunkte der Bebauungsplanung zu verständigen.

Erste Ideen: Skizze einer möglichen Neubau-Variante für das Grundstück.

Die sehen laut Stadtbaurat Nolda bisher so aus: Ein Neubau könnte eine fünf Etagen hohe Basis haben, die an den drei Grundstücksecken unterschiedlich hoch aufgestockt ist. Der höchste, turmartige Teil zur Alten Hauptpost hin könnte zehn bis zwölf Geschosse haben – zum Vergleich: Der Westendturm hat 13 Etagen, das Hochhaus gegenüber der Alten Hauptpost ist neun Stockwerke hoch.

Ob ein Neubau tatsächlich in dieser Form verwirklicht wird, ist wohlgemerkt noch nicht ausgemacht. So ein Bau hätte etwa drei Mal so viel Bruttogrundfläche wie die Kaufburg und somit eine Menge Platz für Wohnraum und weitere Nutzungen. (Axel Schwarz)

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