CDU hält Klagen über schlechte Sprachkenntnisse für berechtigt

Klagen über schlechte Sprachkenntnisse: „Kritik ist nicht rassistisch“

Bald ein typisches Bild: Deutschland ist auf immer mehr Ärzte aus dem Ausland angewiesen. Unser Foto zeigt ein Archivbild aus einem Braunschweiger Krankenhaus. Fotos: dpa, nh

Kassel. Der stellvertretende Vorsitzende der Kasseler CDU-Fraktion, Bernd-Peter Doose, fühlt sich durch die bundesweite Berichterstattung der vergangenen Tage bestätigt. Er hatte sich im vergangenen August kritisch über schlechte Deutschkenntnisse ausländischer Kasseler Klinikärzte geäußert.

Nach seinen Äußerungen in der Stadtverordnetenversammlung warfen ihm die anderen Fraktionen vor, er schüre Ressentiments gegen Ausländer.

„Ich vermisse mehr Offenheit und Ehrlichkeit bei dem Thema. Meine Kritik ist nicht rassistisch motiviert. Ich will Ärzte aus dem Ausland, aber sie müssen Deutsch sprechen“, sagt Doose. Von befreundeten Apothekern und einer Bekannten, die als Krankenschwester arbeite, wisse er, dass etliche Klinikärzte sich nur unzureichend auf Deutsch verständigen können. „Can I speak English with you?“, sei die Krankenschwester von einem der Stationsärzte an ihrem Krankenhaus gefragt worden.

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Deutschkenntnisse von Ärzten oft mangelhaft

Auf HNA-Nachfrage bei den Kasseler Krankenhäusern kam heraus, dass bis zu 15 Prozent der jeweiligen Ärzteschaft einen ausländischen Pass hat. Gravierende Probleme in der Kommunikation mit den Patienten ergeben sich aus Sicht der Kliniken aber nicht. Allerdings fürchten deren Geschäftsführer, dass es zu Komplikationen kommen könnte, wenn sich der einsetzende Ärztemangel verschärfe.

Am Klinikum Kassel beinhalteten die Arbeitsverträge neuerdings einen Passus, dass sich die Ärzte bei Bedarf zu einem Sprachkurs verpflichten, sagt Sprecherin Gisa Stämm. Das Klinikum biete selbst Sprachkurse an. Es seien derzeit keine Sprachdefizite bekannt, die die Versorgung der Patienten beeinträchtigen.

Auch die Diakonie-Kliniken bietet ihren ausländischen Ärzten Sprachkurse an. Pflegepersonal aus anderen Ländern hospitiere im Vorfeld, um zu prüfen, ob die Kommunikation mit den Patienten gewährleistet sei, sagt Sprecherin Kirsten Scheimann.

Bernd-Peter Doose

Elisabeth Deterding, Oberin des Rotes Kreuz Krankenhaus, erzählt, dass Sprachzertifikate Voraussetzung für eine Anstellung seien. Ihr sei nichts bekannt von Schwierigkeiten bei der Verständigung in ihrem Haus. „Das ist in Ballungsräumen sicher ein größeres Problem“, glaubt Deterding. Sie könne sich höchstens vorstellen, dass alt eingesessene Kasseler Probleme haben, einen ausländischen Akzent auf Anhieb zu verstehen.

Michael Schmidt, Geschäftsführer des Marienkrankenhauses, sieht das Problem für sein Haus ebenfalls nicht gegeben. Schmidt glaubt aber, dass sich das Szenario, das etwa die Ärztekammern zeichnen, angesichts des Medizinermangels bewahrheiten kann.

Uwe Behrmann, ärztlicher Direktor des Elisabethkrankenhauses, hält Deutschkurse an seinem Krankenhaus nicht für nötig. Im Bewerbungsgespräch könne geprüft werden, wie sich jemand artikuliere.

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