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„Die Märkte sind sehr verunsichert“

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Von: Barbara Will

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Die Heizölpreise sind zuletzt gesunken, aber deutlich höher als zu Jahresbeginn.
Die Heizölpreise sind zuletzt gesunken, aber deutlich höher als zu Jahresbeginn. © Christian Charisius/dpa

Energiehandelsverband sieht Heizölpreis auf vorläufigem Tiefpunkt – und rät zum Tanken.

Kassel/Mannheim – Die Heizölpreise haben nach Einschätzung des Verbands für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH) ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Wer seinen Vorrat für den Winter auffüllen müsse, solle die Gelegenheit jetzt nutzen, sagte VEH-Geschäftsführer Hans-Jürgen Funke. Tendenziell werde es künftig eher teurer werden. Der VEH Südwest-Mitte vertritt rund 350 Mitgliedsfirmen in fünf Bundesländern, darunter Hessen.

Der Beginn des Ukraine-Kriegs hatte den Heizölpreis zunächst auf bis zu 210 Euro je 100 Liter hochgetrieben. Inzwischen liegt er im Durchschnitt bei etwa 120 Euro und damit gut ein Drittel höher als vor Jahresfrist. Eine Prognose für das kommende Jahr mag der Verband nicht abgeben. „Die Märkte sind sehr verunsichert“, sagt Funke. Seit dieser Woche gilt das Embargo gegen russisches Öl, die Konjunktur lahmt und China hat gerade erst seine rigide Null-Covid-Politik etwas gelockert.

Die Preissprünge auf dem Heizölmarkt haben jedoch den Absatz kaum gedrückt. Mit einem Verkauf von rund elf Millionen Tonnen rechnet der Branchenverband in diesem Jahr, die Menge läge damit knapp unter dem Vorjahresniveau von 11,24 Millionen Tonnen. Allerdings hätten die Kunden im Durchschnitt kleinere Mengen bestellt, anstatt den Tank vollzumachen.

„Wir spüren eine Verunsicherung im Wärmemarkt“, sagt auch Henrik Schäfer, zweiter VEH-Vorsitzender und Geschäftsführer der Pforzheimer SWE Südwestenergie GmbH. Er beobachtet aktuell eine „sehr hohe Nachfrage, die aber vor allem angstgetrieben ist“. Die Margen hätten sich jedoch nur unwesentlich verändert: „Der Begriff Übergewinne oder Zufallsgewinne trifft für den mittelständischen Handel nicht zu.“ Mehr Zahlungsausfälle habe es nicht gegeben, auch Finanzierungsmodelle würden kaum stärker in Anspruch genommen: „Der Kunde ist es gewohnt, seine Heizölmenge zu bezahlen.“

Etwa jede vierte Wohnung in Deutschland wird laut einer Studie des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mit Öl geheizt, in Hessen ist es sogar mehr als jede dritte. Der Verband fordert deshalb angesichts der hohen Preise, Heizölkäufer auf ähnliche Weise zu entlasten, wie es bei Strom- und Gaskunden geschehe. Eine bloße Härtefallregelung reiche nicht aus.

Zugleich räumt der VEH mit dem Missverständnis auf, dass Ölheizungen per Gesetz ausgemustert werden müssen. „Es gibt kein generelles Ölheizungsverbot“, so Funke. Alte Anlagen können in der Regel weiterlaufen, wer sie ab 2026 austauscht, braucht eine Öl-Brennwertheizung, die erneuerbare Energien, einbindet.

Ein Hoffnungsträger der Branche sind Biofuels, synthetische Kraftstoffe aus erneuerbaren Quellen. Konventionellem Heizöl wird es bereits zu Testzwecken beigemischt, sagt Andreas Mahlberg vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie. Die alternativen Treibstoffe würden nicht nur im Verkehr, sondern auch für die Wärmeerzeugung gebraucht. Nur mit Wärmenetzen oder strombasierten Anlagen werde es nicht gehen. (Barbara Will)

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