Jeder Kirchenvorstand entscheidet selbst

Kirchen im Lockdown: Die meisten Gemeinden feiern wieder

Im Kirchenraum der Markuskirche sitzen vereinzelt und mit viel Abstand die Besucher des Familiengottesdiensts mit Pfarrer Dr. Till Jansen. Die Gemeinde feiert auch im Lockdown Gottesdienste
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Gemeinschaft unter Corona-Bedingungen: In der Markuskirche in der Südstadt finden auch im Lockdown Gottesdienste statt. Unser Bild entstand am Sonntag, 21.2.2021, beim Familiengottesdienst.

Auf die Frage, ob in den Kirchen derzeit Gottesdienste stattfinden, gibt es nicht nur eine Antwort. Jede Gemeinde trifft in der Pandemie eigene Entscheidungen. Wir geben einen Überblick

Nachdem kurz vor Weihnachten viele Präsenzgottesdienste abgesagt wurden, wird inzwischen in den meisten Kasseler Gotteshäusern sonntags wieder gefeiert – unter strengen Hygieneregeln.

Aber auch viele alternative Gottesdienstformen sind entstanden. Wir zeigen auf, welche Wege die Gemeinden im Lockdown gehen.

Sie feiern ohne Pause

Eine der evangelischen Gemeinden, die durchgängig Gottesdienste gefeiert haben, ist die Südstadtgemeinde. Den Menschen, denen der Kirchgang wichtig sei und Kraft gebe, wolle man trotz Corona ein Angebot machen, sagt Pfarrer Till Jansen. Selbst an Heiligabend habe das mit einer Anmeldepflicht gut funktioniert.

Nach wie vor kämen deutlich weniger Menschen in die Markuskirche als unter normalen Bedingungen. Um die 20 Besucher verteilen sich sonntags auf rund 400 Quadratmetern. Sie verhielten sich „sehr diszipliniert und aufmerksam“, sagt Jansen. Daher habe man hinsichtlich einer Ansteckungsgefahr wenig Bedenken.

Auch in fast allen katholischen Gemeinden wurde seit dem Lockdown im November die Heilige Messe gefeiert. In der katholischen Kirche habe das Gottesdienstfeiern in Gemeinschaft einen hohen Stellenwert, betont Dechant Martin Gies. Das drücke sich auch im sogenannten „Sonntagsgebot“ aus, das in der Tradition katholische Christen zum Kirchgang verpflichte. Es sei allerdings in der Pandemie ausdrücklich aufgehoben.

Sie feiern wieder

Die katholische Gemeinde St. Familia hatte ab Heiligabend bis 10. Januar mit ihren Präsenzgottesdiensten pausiert, um angesichts hoher Infektionszahlen und der Feiertage „ein Zeichen zum Zuhausebleiben“ zu setzen, sagt Pfarrer Harald Fischer. Inzwischen feiert die Gemeinde wieder, mit 50 statt der üblichen 300 Gottesdienstbesucher. Parallel gibt es in der Pandemie aber auch jeden Sonntag eine Video-Predigt, die bis zu 500 Mal abgerufen wird. Auch wenn der Gottesdienst unter Coronabedingungen ohne Musik mitunter schmerzlich sei, habe er an geistlicher Tiefe vielleicht sogar gewonnen, sagt Fischer. „Was sonst selbstverständlich erscheint, erkennen wir jetzt als Geschenk.

Auch die evangelische Kreuzkirche bietet seit vergangener Woche wieder analoge Gottesdienste an. Bei ihrer Entscheidung orientiert sich die Gemeinde am Infektionsgeschehen in der Stadt: Ab einem Inzidenzwert unter 35 werden Präsenzgottesdienste gefeiert, liegt die Inzidenz über 50, wird wieder auf rein digitale Formate umgestellt. Seit dem Frühsommer werden die Gottesdienste der Kreuzkirche – ob mit oder ohne Publikum – gestreamt. Bei Werten zwischen 35 und 50 wolle man je nach der Dynamik der Pandemie flexibel entscheiden, so Pfarrerin Cornelia Risch.

Sie pausieren noch

Kirchditmold ist eine der wenigen Gemeinden, die noch auf Präsenzgottesdienste verzichten. Man habe das „mit Rücksicht auf das Kernpublikum der Gottesdienste“ entschieden, sagt Pfarrer Christopher Williamson. Zugleich wolle man sich solidarisch mit dem Krankenhaus-Personal zeigen. „Wir wollen nicht Anlass geben, dass sich das Virus weiter ausbreitet.“ Daher bietet die Gemeinde seit kurz vor Weihnachten Videoandachten an. Selbst viele hochbetagte Gemeindemitglieder griffen darauf zu, sagt der Pfarrer. Dennoch seien er und seine Kollegin natürlich ansprechbar. Gerade in der Seelsorge gebe es eine größere Nachfrage als gewöhnlich: „Die Einsamkeit ist größer.“

Auch in Waldau bleibt die evangelische Kirche bis vorerst 14. März geschlossen. In Zeiten, wo alle Gottesdienstbesucher vereinzelt sitzen müssten, sei es ohnehin schwer, „eine Atmosphäre zu schaffen, die etwas Tröstliches hat“, sagt Pfarrer Frank Heine. Er hofft aber, dass den Kirchen „kein zweites Jahr ohne Ostern“ bevorsteht. (Von Katja Rudolph)

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