Nur vier mit guten Noten

ACE prüft Kasseler Parkhäuser auf Barrierefreiheit: Die meisten sind durchgefallen

Unüberwindliches Hindernis: (Von links) Uwe Völker, Jens Womelsdorf und Frieder Schütz waren vom Parkhaus Wilhelmstraße enttäuscht. Der Aufgang zum Parkhaus stoppt wegen dieser Stufe Gehbehinderte. Behinderten-Stellplätze seien zudem Fehlanzeige.
+
Unüberwindliches Hindernis: (Von links) Uwe Völker, Jens Womelsdorf und Frieder Schütz waren vom Parkhaus Wilhelmstraße enttäuscht. Der Aufgang zum Parkhaus stoppt wegen dieser Stufe Gehbehinderte. Behinderten-Stellplätze seien zudem Fehlanzeige.

Wer als Schwerbehinderter mit dem Auto einen geeigneten Parkplatz in Kasseler Parkhäusern sucht, muss schon Glück haben.

Kassel – Das ist zumindest das Ergebnis eines Tests des hessischen Automobil-Clubs ACE, der 15 Parkhäuser und Tiefgaragen in Kassel unter die Lupe genommen hat.

Nur vier von ihnen verdienen nach den Kriterien des Clubs das Prädikat „weitgehend barrierefrei“: Das Atrium-Parkhaus an der Wilhelmshöher Allee erhielt die Bestnote. Das Parkhaus des Kaufhofs, die neuen Stellplätze des Bank-Karrees am Ständeplatz und die Parkmöglichkeiten am ICE-Bahnhof erhielten ebenfalls ein „Gut“ und zwei Sterne. Gänzlich ohne Beanstandungen blieb allerdings keines der Parkhäuser.

„Parkhäuser sind häufig der erste Kontakt, den Besucher mit einer Stadt haben“, sagt Jens Womelsdorf, Regionalbeauftragter des Clubs Hessen, der mit Uwe Völker, verkehrspolitischer Sprecher des Regionalvorstands, und Frieder Schütz vom Kreisverband des ACE die Parkhäuser zwei Tage getestet hat. Dieser erste Kontakt könne für Autofahrer, die auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, durchaus negativ ausfallen: Fehlende oder schlecht zu erkennende Hinweise auf Behinderten-Stellplätze, zu hoch hängende Bezahlautomaten und Notruftasten, unüberwindliche Hindernisse in Form von Stufen und zu engen Parkbuchten stellten die Prüfer häufig fest. „Viele Kasseler Parkhäuser sind in die Jahre gekommen und bedürfen dringend einer Renovierung“, sagt Völker.

Das gilt nach Ansicht der Prüfer unter anderem für die Tiefgarage unter dem Friedrichsplatz. Wegen der schwachen Beleuchtung seien die Hinweisschilder schlecht zu erkennen und nicht einheitlich, die Ladepunkte für E-Autos zu hoch angebracht. „Außerdem müssen gehandicapte Theaterbesucher das ganze Parkhaus durchqueren, weil es am Ausgang zum Staatstheater keine Behindertenstellplätze gibt“, sagt Völker. Außerdem gebe es dort viel zu wenige Stellplätze für Gehandicapte. „Da muss die Stadt mal investieren“, fordert er.

Im Parkhaus am Klinikum Kassel seien die Hinweisschilder zu klein und die Behinderten-Stellplätze zu eng bemessen. „Da muss man sich rausquetschen“, sagt Frieder Schütz. Das ist nach den Erfahrungen der Tester in mehreren Häusern der Fall. Auch Familien, die einen Kinderwagen ausladen müssen, bekämen da Probleme. Besonders ärgerlich sei, dass an Parkhäusern, die weder barrierefrei seien noch über Behinderten-Parkplätze verfügten, kein entsprechender Hinweis vorhanden sei. Einrichtungen wie das Parkhaus Wilhelmsstraße und das Parkhaus Gard-du-Corps-Straße nahmen die Prüfer deshalb ganz aus der Wertung. Der ACE Hessen prüft noch bis Oktober Parkhäuser. Demnächst seien die Prüfer in Korbach und Frankenberg unterwegs, kündigte Womelsdorf an. (Peter Dilling)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.