Kritik am Märchenwald auf dem Brüder-Grimm-Platz

Planer verteidigt umstrittenen Märchenwald: „Die Menschen werden begeistert sein“

Entwurf Brüder-Grimm-Platz in Kassel
+
Märchenwald am Grimm-Platz: Diese Zeichnung (Blickrichtung Landesmuseum) stammt aus dem Entwurf der Landschaftsarchitekten Club L94 aus Köln.

Für Kritiker ist der Märchenwald auf dem Brüder-Grimm-Platz „ökologischer Unsinn“ und „anbiedernder Kitsch“. Planer Frank Flor vom Kölner Büro Club L94 verteidigt seinen Entwurf.

Wie sehr haben Sie die negativen Reaktionen auf Ihren Entwurf überrascht?
Damit haben wir in der Schärfe nicht gerechnet. Wir sind erst einmal stolz, dass wir so einen hochkarätigen Wettbewerb gewonnen haben. Und wir sind von unserem Entwurf sehr überzeugt. Nach mehr als 20 Jahren Berufserfahrung stelle ich fest, dass es solch ein einseitiges Echo immer öfter zu hören gibt. Vielerorts kochen die Emotionen hoch, nachdem man lediglich zwei Bilder gesehen hat. Dabei muss jede Planung erklärt werden. Das ging bislang wegen der Pandemie kaum. Aber das kommt hoffentlich noch. So können viele Missverständnisse ausgeräumt werden.
Was macht Sie so optimistisch, dass Sie die Kritiker besänftigen können?
Unsere Erfahrung mit Bürgerbeteiligungen. Nachdem wir beispielsweise vor einigen Jahren unsere Pläne für den Umbau der Schlossstraße in Bensberg bei Bergisch Gladbach erläutert hatten, gab es keine einzige Frage mehr. Kritik nehmen wir natürlich ernst, aber sie muss sachlich sein. Im Bezug auf die Kritiker muss man allerdings auch erwähnen, dass unser Wettbewerbsbeitrag von einem breit besetzten Gremium aus Fachpreisrichtern und Sachpreisrichtern, also Experten und (wenn man so will) Laien ausgewählt wurde. Aus der Fachwelt hat unser Entwurf zudem bisher sehr viel positive Resonanz erhalten.
Ein zentraler Kritikpunkt lautet: Der Märchenwald könnte die historischen Blickachsen verdecken.
Auf diesen Punkt wurden wir nach der Entscheidung des Wettbewerbs auch vom Kasseler Fachbeirat hingewiesen. Wir überprüfen das gerade noch einmal intensiv in einem 3-D-Modell. Wir schauen auch, wie viele Kiefern wir brauchen, wie hoch sie sein sollten, welche Abstände sie haben sollten und wo genau sie stehen müssen. Die Architektur des Turms des Landesmuseums hat so eine Kraft und ist doppelt so hoch wie jede Kiefer. Den Turm werden sie mit keinem Stadtbaum der Welt verstellen können.
Kritiker monieren auch, dass Kiefern nicht in die Stadt gehören.
Aber warum denn nicht? Auch in den Leserbriefen an Ihre Zeitung habe ich kein Gegenargument finden können. Dies ist letztlich eine reine Geschmacksfrage. Unser Vorschlag ist es, die Platzmitte mit einem Wald zu besetzen – das war für die Experten im Preisgericht überzeugend. Dazu brauchen wir eine Pflanzenart, die jeder Laie als Waldbaum erkennen kann. Zudem ist die Kiefer ein heimischer, immergrüner Baum und sehr klimaresistent. Auch weitere ökologischen Aspekte wie etwa die Kiefernpollen, die eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen darstellt, sprechen für ihn. Im Übrigen stehen Kiefern noch an vielen anderen Stellen in Kassel. Unserer Ansicht nach sollte jeder Platz ein besonderes Element haben – so wie der Kasseler Königsplatz mit den Wasserspeiern.
Aber wie lange dauert es, bis der neu gesetzte Wald als Wald erkennbar ist?
Es ist exorbitant wichtig, dass die Bäume nicht erst in einigen Jahren zum Wald werden. Darum werden wir richtig große Bäume pflanzen, die schon zu Beginn etwa zehn Meter hoch sind. Wir werden von Anfang an das Bild eines Waldes haben.
Manche Kritiker empfinden den Märchenwald als kitschig. Wie kitschig darf eine Platzgestaltung sein?
Wenn ich es richtig verstehe, bezieht sich diese Kritik vor allem auf das Lichtkonzept. Dieses Lichtkonzept beinhaltet zunächst drei Beleuchtungsvorschläge und ist ein Detail in der Gesamtplanung. Welcher unserer Vorschläge hierzu umgesetzt wird, ist derzeit noch unklar. Das Grundthema des Kiefernwaldes mit seinem sehr subtilen Bezug zu Grimms Märchen ist aus unserer Sicht keinesfalls kitschig, sondern angemessen und wird dem Ort einen besonderen, eigenen Charakter verleihen.
Befürchten Sie, dass der Märchenwald gefällt wird, bevor er steht – etwa durch einen Bürgerentscheid?
Nein. Die Vorbereitung zum Wettbewerb und der Wettbewerb selbst wurden durch einen Beirat, in dem auch Anlieger vertreten sind, begleitet und entsprechend unter Beteiligung dieses Beirats entschieden. Deswegen, aber auch durch die Fördermittel hat das Projekt politisch viel Rückenwind. Bei der nun anstehenden Projektbearbeitung wird es weitere Formen der Bürgerbeteiligung geben. In der Regel lassen sich dabei 90 Prozent der offenen Fragen klären. Einzelne Kritiker wird es immer geben. Aber ich bin mir sicher: Am Ende wird die sehr große Mehrheit der Menschen in Kassel begeistert sein.

(Matthias Lohr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.