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Die Natur mit allen Sinnen erleben: Habichtswald-Klinik bietet Waldbaden an

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Von: Anna Weyh

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Die Baumrinde fühlen: Krankenschwester Barbara Szeimis leitet die Gruppen beim Waldbaden an.
Die Baumrinde fühlen: Krankenschwester Barbara Szeimis leitet die Gruppen beim Waldbaden an. © anna weyh

Die Habichtswald-Klinik in Kassel bietet seit wenigen Wochen Waldbaden als neue Therapiemethode für die Patienten an.

Kassel – Der Wasserfall nahe der Habichtswald-Klinik rauscht durchdringend und übertönt damit den Lärm der Autos, der nur noch leise von der Straße herüberschallt. Die Enten schnattern im Nebel, als sie über das Waldstück hinüberfliegen, und sanft weht der Wind durch die Zweige der Bäume, die kaum noch Laub tragen. Barbara Szeimis steht im Kreis mit einer Gruppe Patientinnen und Patienten unter den Bäumen. „Wir sind im Hier und Jetzt. Die Gedanken ziehen vorüber, wie die Wolken am Himmel“, sagt die Krankenschwester.

Dieses Ritual am frühen Morgen nennt sich Waldbaden. Die Habichtswald-Privat-Klinik bietet es Patienten mit seelischen Erkrankungen seit wenigen Wochen als ergänzende Therapieeinheit im Rahmen ihres stationären Aufenthaltes an. Ziel ist es, in der Natur zur Ruhe zu finden, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.

„Unsere Nähe zum Bergpark, die Lage der Klinik ist einmalig. Das wollten wir nutzen“, sagt Barbara Szeimis, die seit mehr als 30 Jahren in der Habichtswald-Privat-Klinik arbeitet und Expertin zum Thema Waldbaden ist. Sie leitet die Teilnehmenden dieses therapeutischen Angebots in kleinen Gruppen an, in die Natur einzutauchen und sie mit allen Sinnen zu erfahren. „Die meisten begegnen diesem Therapieangebot mit großer Neugier, weil man sich unter dem Begriff zunächst nichts Genaues vorstellen kann“, sagt sie.

Die Ursprünge des Waldbadens liegen in Japan. Dort sei es bereits seit den 80er-Jahren eine geförderte staatliche Maßnahme zur gesundheitlichen Prävention. Während der Therapieeinheit steht die Entschleunigung im Mittelpunkt. Dabei sollen die Patienten lernen, die Atmosphäre des Waldes und den eigenen Körper intensiv wahrzunehmen und die Sinne zu öffnen. „Die Aufmerksamkeit wird zunächst auf die Atmung gerichtet, bevor wir mit sanften Bewegungs- und Wahrnehmungsübungen fortfahren“, sagt Szeimis.

Das habe positive Effekte für Körper und Geist: „Ein achtsamer und langsamer Spaziergang im Wald sorgt nicht nur für eine ausgeglichene Herzfrequenz und einen verlangsamten Puls, sondern auch dafür, dass das Stresshormonlevel im Körper gesenkt wird“, so die 63-jährige Kasselerin.

Dieses Therapieangebot sei besonders für Menschen gut geeignet, die an Depressionen, Angststörungen, Posttraumatischen Belastungsstörungen oder Schmerzen leiden. Betroffene können so den Wald als neue Kraftquelle kennenlernen. „Wichtig ist, ganz bei sich zu bleiben. Das ist anders, als einfach mal spazieren zu gehen“, sagt Barbara Szeimis.

Im Sommer gab es bereits einen Probelauf, das Waldbaden kam bei den Patientinnen und Patienten gut an. Nun ist es fest im Therapieangebot der Habichtswald-Privat-Klinik verankert. „Wir gehen bei jedem Wetter raus“, sagt Szeimis. Sie freue sich schon auf das Waldbaden im Schnee.

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