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Die Oldtimer fahren vor: 10.000 Besucher kamen zu Technorama

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Von: Barbara Will

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Die tschechische Firma Aero baute von 1929 bis 1946 Autos. Eines von ihnen gehört Michael Strauch, Mitglied der Interessengemeinschaft Aero, die etwa 200 der Fahrzeuge pflegt und besitzt.
Die tschechische Firma Aero baute von 1929 bis 1946 Autos. Eines von ihnen gehört Michael Strauch, Mitglied der Interessengemeinschaft Aero, die etwa 200 der Fahrzeuge pflegt und besitzt. © Dieter Schachtschneider

Zwei Jahre mussten Oldtimer-Fans warten, jetzt konnte die Technorama in Kassel nach Corona-Zwangspause wieder stattfinden. Rund 10.000 Besucher kamen. Auch wir haben uns umgesehen.

Kassel – Die Anhängerkupplung ist das letzte Teil, das Jochen Zinke zu seinem Gespann noch fehlt. Auf der Oldtimermesse Technorama am Wochenende war es zu bewundern: Ein BMW 600 von 1960 und ein kleiner Wohnwagenanhänger, selbst gebaut in 20-jähriger Arbeit. Mit seinen 160 Kilogramm ist er ein Leichtgewicht – schließlich arbeitet im Zugfahrzeug ein knapp 20 PS starker Motor mit 600 Kubikzentimetern Hubraum. Im Sommer will Zinke damit zum Isetta-Treffen nach Naumburg, Übernachtung im Miniwohnwagen inklusive.

Unterwegs mit knapp 20 PS: Jochen Zinke mit seinem BMW 600 und selbst gebautem Miniwohnwagen
Unterwegs mit knapp 20 PS: Jochen Zinke mit seinem BMW 600 und selbst gebautem Miniwohnwagen © Schachtschneider, Dieter

Zwei Jahre nacheinander musste die Technorama wegen der Pandemie abgesagt werden. Zum Neustart in den Messehallen hatten sich laut Organisator Jens Güttinger 300 Aussteller angemeldet, ein Viertel weniger als 2019. Wegen der Abstandsregeln konnte der Platz nicht voll belegt werden.

Etwa 10.000 Besucher seien gekommen, sagte Güttinger am Sonntagnachmittag. „Das war ein schöner Auftakt. Es ist gut, dass sich die Oldtimer-Szene wieder einmal treffen konnte.“ Etwa die Hälfte der Aussteller sei mit dem Geschäft zufrieden oder sehr zufrieden.

Oldtimer, Ersatzteile, Zubehör und Kleidung im Vintage-Look waren zu sehen. Doch der Handel mit den Ersatzteilen habe sich wohl ein Stück weit ins Internet verlagert, sagt Tim Kappenberger, der aus dem Raum Osnabrück angereist ist und Autoteile aus der Vorkriegszeit bis in die 1990er-Jahre anbietet. Er spricht von einem „eher durchwachsenen Geschäft“. Aber die Technorama ist mehr als eine Handelsmesse. Sie dient Oldtimer-Clubs als Treff und Bühne. „Nach den vergangenen beiden Jahren ist es gut, wieder einmal herauszukommen“, sagt Zinke.

Innenleben eines Sportwagens: Stefan Dziendziel mit einem speziell hergerichteten Mercedes Benz R 129 SL
Innenleben eines Sportwagens: Stefan Dziendziel mit einem speziell hergerichteten Mercedes Benz R 129 SL © Schachtschneider, Dieter

Der Mercedes-Benz R129-SL-Club hatte in der von mehreren Mercedes-Clubs belegten Halle ein besonderes Schaustück zu bieten, ein Modell des Nobelautos, in dem die Technik des Innenraums freigelegt wurde: Lautsprecher, Kabelbäume, Motoren. Clubmitglieder haben die Karosserie vor der Verschrottung gerettet und neu lackiert, haben die Teile des Innenraums beigesteuert. Gut zwei Jahre Arbeit stecken in dem Projekt, erzählt Club-Mitglied Stefan Dziendziel. Nur gut 205.000 Fahrzeuge der R129-SL-Reihe hatte Mercedes Benz zwischen 1989 und 2001 gebaut.

Eine Seltenheit hatte auch Manfred Röhrig zu bieten: „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ stellte er seinen Jaguar E-Type, Baujahr 1971, zum Verkauf. Der dunkelrote, schnittige Zwölfzylinder sei für den Markt in Europa gebaut worden, betont er – gut 80 Prozent des Typs gingen damals in die USA. Der Privatmann mit dem Herz für Oldtimer ist auf ein älteres Modell der ehedem britischen Nobelmarke aus.

Die Autos, die Michael Strauch, Repräsentant der Aero Interessengemeinschaft in den Messehallen zeigte, sind wesentlich älter als Röhrigs Jaguar: Von 1929 bis 1946 hat sich der tschechische Flugzeugbauer Aero auf Autos verlegt. Mehr als 200 Fahrzeuge haben die Clubmitglieder im Bestand, Strauch hat seinen Wagen diesmal auf einem Anhänger von Würzburg nach Kassel gebracht. Manchmal fahre er ihn auch über diese Strecke, sagt er. Er geht schonend mit dem Oldtimer um. Durchschnittliche Reisegeschwindigkeit: 50 Stundenkilometer.

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