Kuriose Idee

Mann aus Kassel nutzt Schneechaos und fährt Ski - „Braucht sich vor Garmisch nicht verstecken“

Christoph Zeidler fährt in Kassel Ski alpin
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Christoph Zeidler fährt in Kassel Ski alpin.

Skiurlaub in den Alpen? Fällt dieses Jahr aus. Nicht schlimm, dachte sich Christoph Zeidler aus Nordshausen – und fuhr einfach in Kassel Ski alpin.

Herr Zeidler, wer dieser Tage aus dem Fenster schaut, sieht den einen oder anderen Langläufer auf der Straße. Sie aber haben sich im Ski alpin in der Stadt versucht. Wie kam es zu der Idee?
Das war am Sonntag. Da hatte ich Geburtstag. Mein Vater war da, und wir haben über das Küchenfenster hinweg einen coronakonformen Kaffee getrunken. Er schaute auf den vielen Schnee und sagte dann: ,Mensch, früher wären wir bei dem Wetter nach Willingen oder Winterberg gefahren.’ Ich habe dann an die Skier im Keller gedacht, die mir meine Frau vor drei Jahren geschenkt hat. Und dann nahm das Ganze seinen Lauf.
Inwiefern?
Wir sind hier in Nordshausen an den Hang gegangen, an dem wir mit den Kindern immer Schlitten fahren. Ich habe dann mal versucht, mit den Skiern dort runterzukommen. Das hat so gut geklappt, dass ich mehr wollte. Deshalb ging es dann zu Fuß hoch zum Brasselsberg. Da war eine Menge Beinarbeit gefragt.
Und dann Schuss runter nach Nordshausen?
Ja, über die Konrad-Adenauer-Straße, die Birkenkopfstraße und die Nordhäuser-Straße bis zur Gänseweide. Überraschenderweise war noch nicht geräumt, deshalb herrschten super Skiverhältnisse. Ich bin in einem durchgefahren. Es war die perfekte Talabfahrt. Diesen Geburtstag werde ich deshalb immer in Erinnerung behalten – einfach herrlich.
Was haben Sie denn während der Abfahrt so erlebt?
Es waren schon einige Menschen am Wegesrand, die komisch aus der Wäsche geschaut haben. Das Überholen der Spaziergänger war auch nicht ganz ohne, weil viele ziemlich verdutzt waren. Mein Ausruf ,Skifahrer von hinten’ war dabei nicht so hilfreich. Aber die meisten haben es mit einem Lächeln aufgenommen. Sie fanden die Idee gut, und manche wollten dann gleich mit dem Snowboard auf die Stadtpiste.
Kann diese Stadtpiste mit den Pisten in den Alpen mithalten?
Also mit einer Streif in Kitzbühel lässt sie sich nicht vergleichen, aber vor Garmisch braucht sie sich nicht zu verstecken. Die Herausforderung ist zumindest größer. Straßen sind nämlich enger als Pisten.
Wie schnell waren Sie denn drauf?
Das lässt sich schwer abschätzen und mit dem Radfahren vergleichen – vielleicht so 30 km/h.
Und jetzt geht es jeden Tag auf den Hausberg?
Ich bin heute im Homeoffice. Und wenn ich so aus dem Fenster schaue, dann muss ich sagen: Es kribbelt schon wieder. Das werden definitiv nicht meine letzten Schwünge hier gewesen sein.

(Florian Hagemann)

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