Sonniges und warmes Wetter in Kassel

Die Sonne lacht – Eismann Antonio Galati von der Gärtnerplatzbrücke freut sich mit ihr

Mit Stammplatz an der Gärtnerplatzbrücke: Antonio Galati verkauft seit 1982 sein italienisches Eis an die Spaziergänger am Auedamm. Über gutes Wetter wie in den vergangenen Tagen freut er sich, denn dann läuft das Geschäft.
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Mit Stammplatz an der Gärtnerplatzbrücke: Antonio Galati verkauft seit 1982 sein italienisches Eis an die Spaziergänger am Auedamm. Über gutes Wetter wie in den vergangenen Tagen freut er sich, denn dann läuft das Geschäft.

Sonnenschein und warme Temperaturen locken derzeit die Menschenmengen nach draußen. An der Gärtnerplatzbrücke profitiert der Eisverkäufer Antonio Galati vom Wetter.

Kassel – „Gute Kasse durch gute Ware“ – das ist das Rezept für den fast 40-jährigen Geschäftserfolg von Antonio Galati an der Gärtnerplatzbrücke. 1982 stand der heute 82-Jährige erstmals mit seinem Wagen dort, um Eis zu verkaufen.

Wir sind vom Wetter abhängig.

Antonio Galati

Auch am Montagvormittag steht er mit seinem orangefarbenen Renault Master wieder an seinem angestammten Platz. Und die Kasse stimmt.

„Wir sind vom Wetter abhängig“, sagt Galati über seine Zunft. Und in den vergangenen Tagen konnte er das Geld für kommende regenreiche Zeiten einspielen.

Am Sonntag, als halb Kassel in der Karlsaue und entlang des Auedamms unterwegs war, habe sich vor seinem Wagen eine lange Schlange gebildet. Doch auch er nehme die Hygienevorschriften ernst, macht Galati deutlich. Vor seinem Wagen hat er Markierungen auf den erdigen Boden geklebt und grelle Warnhütchen platziert, um die Menschenscharen zu kontrollieren.

Denn Galatis Eis ist beliebt. „Mh, lecker, schmeckt das gut“, hört man eine junge Dame, als sie in ihre Waffel beißt. Dabei gibt es laut Antonio Galati nicht die eine beste, leckerste Eissorte. „Eine schmeckt besser als die andere“, scherzt er. Die meistverkaufte Sorte sei Stracciatella, doch er könne besonders Mango und Melone empfehlen.

Hergestellt wird das Speiseeis im „Labor“, wie Galati seine Produktionsstätte in der Lilienthalstraße in Bettenhausen nennt. Dort wohnt der gebürtige Kalabrier auch: „Natürlich nicht in der Küche, sondern getrennt. So schreibt es die Hygiene vor.“

Das Geschäft an der Gärtnerplatzbrücke habe sich stark gewandelt, erklärt Galati. „Früher hat es gerade einmal sechs bis sieben Eissorten gegeben, jetzt biete ich bis zu 24 an.“

Die Coronakrise habe ihn zwar auch getroffen, aber nicht so stark wie andere Betriebe in der Gastronomie. Schließlich kann er sein Eis prima den Leuten in die Hand drücken. Länger als zwei Minuten steht zudem kein Kunde an seinem Wagen.

Mit einem besonderen Wagen, dem Volkswagen, begann 1960 seine Beziehung zu Deutschland. Als einer von zwei Millionen italienischen Gastarbeitern war er in die Bundesrepublik gekommen. Damals arbeitete er zunächst im VW-Werk in Baunatal. 1972 gründete er dann das bis heute bestehende Eisgeschäft.

Während Volkswagen umstrukturieren muss, um gegen Konkurrenten wie Tesla zu bestehen, kann sich Galati treu bleiben. Der Platz an der Gärtnerplatzbrücke ist fest angemietet bei der Stadt Kassel und solange die Qualität des Eises stimmt, brauche er sich um Kundschaft keine Sorgen zu machen. Doch das Wetter ist nun mal Fluch und Segen zugleich. Bei gutem Wetter wie in den vergangenen Tagen lohne es sich, an den Auedamm zu kommen. An regenreichen Tagen hingegen kann er einpacken: „Das ist dann einfach Pech.“ (Paul Bröker)

Service

Eisdielen dürfen Eis zum Mitnehmen anbieten und auch liefern – aber das Eis darf nicht vor Ort verzehrt werden, heißt es auf Nachfrage bei der Corona-Pressestelle des Landes. Das regelt § 4 Abs. 1 der Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung. Die Abholung ist aber nur erlaubt, wenn sichergestellt ist, dass die Speisen und Getränke ohne Wartezeit zur Verfügung stehen oder die Warteplätze so gestaltet sind, dass ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Abholern gewährleistet werden kann. Außerdem müssen Hygienebestimmungen eingehalten werden. Dieselben Regeln gelten auch für Imbissstände. (Anna Lischper)

Das sagt der Meteorologe zu den warmen Temperaturen

„Diese hohen Temperaturen sind nicht üblich. Sie befinden sich am oberen Rand von dem, was im Februar in Kassel je gemessen wurde“, sagt Andreas Friedrich, Diplom-Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst. Die Wetterstation in Schauenburg/Elgershausen habe am Sonntag 15,9 Grad angezeigt. Der bisherige Spitzenwert für Kassel war am 25. Februar 1961 erreicht worden. Damals hatte die Station 17,0 Grad angezeigt.

Es sei vor allem außergewöhnlich, dass das warme Wetter so lange anhalte, sagt Friedrich. Die ganze Woche soll es so bleiben. „Man kann von einer Vorfrühlingslage sprechen.“ Noch vor wenigen Tagen hat eine dicke Schneeschicht Kassel bedeckt. Jetzt gibt es überaus warmes und sonniges Wetter.

Zurückzuführen ist diese plötzliche Wendung auf die Winde, die sich um 180 Grad gedreht haben. Prägte erst vor Kurzem arktische Kaltluft aus Nord-Ost (Nordrussland) das Wettergeschehen – es schneite –, kommt jetzt der Wind aus Süd-West (Nordafrika) und bringt warme Luft mit sich. „Begünstigt wird das warme Wetter zudem durch den relativ kräftigen Sonnenschein“, so Friedrich.

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