Niklas Neumann ist jetzt wieder in den USA

Ex-Torwart des KSV Hessen spricht über Biden, Trump und Washington

Der Kasseler Niklas Neumann ist als Torwart für die Mannschaft seiner Universität aktiv
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Der Kasseler Niklas Neumann ist als Torwart für die Mannschaft seiner Universität aktiv.

Niklas Neumann hat als Torwart bis vor Kurzem noch für den Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel gespielt. Nun ist er in die USA zurückgekehrt und beschreibt die Lage in Washington.

Eigentlich wäre Niklas Neumann heute gern dabei gewesen, wenn der 46. Präsident der Vereinigten Staaten in sein Amt eingeführt wird. Es hätte sich ja auch angeboten: Neumann ist vor zwei Wochen aus seiner Heimat Kassel zurückgekehrt nach Amerika; an der University of Maryland studiert er Sportwissenschaften. Zugleich spielt er mit dem Team der Universität höherklassig Fußball.

Von seinem Wohnort aus sind es mit dem Auto 15, 20 Minuten bis nach Washington; schon oft ist er dort gewesen. Also warum nicht auch zur Inauguration Joe Bidens?

Neumann ist das zu gefährlich. In Washington, so berichtet er, sei richtig Alarm, seit Anhänger des scheidenden Präsidenten Donald Trump am 6. Januar das Kapitol gestürmt haben. „Straßen sind abgeriegelt, das Polizeiaufkommen ist enorm.“ Die Mitbewohner seiner Wohngemeinschaft kommen alle aus Washington, sie waren zuletzt auch immer mal da und erzählen Neumann von der Situation in der Hauptstadt. Der 21-Jährige sagt: „Aktuell sind dort mehr US-Soldaten als in Afghanistan und dem Irak.“ Heißt: mehr als 5000. Das ist aber nicht der einzige Hinderungsgrund. Hinzu kommt die Coronalage vor Ort. „In Deutschland hatte ich nicht so viel Angst wie hier“, sagt Neumann.

Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht, Ausgangssperren – all das ist in Amerika bei Weitem nicht so streng geregelt wie in Deutschland. „Dabei ist die Situation in Amerika viel dramatischer.“ Auch deshalb setzt er auf Joe Biden: „Ich hoffe, dass das Thema Corona mit ihm deutlich präsenter wird – so wie in Europa.“

Niklas Neumann kann den Vergleich anstellen. Nach seiner Schulzeit am Goethegymnasium und einem ersten Engagement beim Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel ging er im Sommer 2019 in die USA, im vergangenen März kehrte er wegen Corona zurück nach Kassel. Der Torwart schloss sich erneut den Löwen an; bei den Fans dort ist er sehr beliebt. Er blieb bis kurz nach Weihnachten. Neumann kennt jetzt Deutschland in Corona-Zeiten und die USA in Corona-Zeiten. Er kennt die USA vor dem Sturm auf das Kapitol und nach dem Sturm.

Was Neumann besonders aufgefallen ist: „Es herrscht nun eine ganz andere Stimmung als noch vor einem Jahr.“ Die Nation ist gespalten. Das bekommt Neumann selbst an der Uni mit, die demokratisch geprägt ist: „Früher konnte jeder noch zugeben, für die Republikaner zu sein. Heute wollen die Demokraten mit ihnen und den Trump-Unterstützern nichts mehr zu tun haben.“ Überhaupt Trump: „Mittlerweile wird er gar nicht mehr ernstgenommen.“

Die Inauguration Bidens heute wird Neumann in seiner Wohnung vor dem Fernseher verfolgen. Er ist gespannt und hofft, dass alles friedlich bleibt. (Florian Hagemann)

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