Student klagt über KVG-Kunden ohne Mundschutz und fehlende Kontrollen

Corona-Ärger in Bussen und Bahnen: „Die ziehen die Masken doch eh wieder ab“

Student Pasquale Di Monaco fährt wegen Corona und Maskenverweigerern nicht mehr mit Bus und Bahn der Kassler Verkehrs-Gesellschaft (KVG)
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Student Pasquale Di Monaco fährt nicht mehr Bus und Bahn, weil viele Fahrgäste keine Maske aufhaben,

Viele Menschen meiden wegen Corona Busse und Bahnen der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) - auch weil es kaum Kontrollen gäbe. Nun schlägt ein Student Alarm. Doch die KVG verteidigt sich.

Kassel – Als Pasquale Di Monaco am Montag nach überstandenen Magenbeschwerden das Kasseler Marienkrankenhaus verließ, glaubte er kurz, Corona sei vorüber. Mit Bus und Straßenbahn fuhr der Student der Sozialen Arbeit aus Bettenhausen nach Hause. Doch in der Buslinie 13 hatten viele andere Fahrgäste keine Maske auf. Der Fahrer sagte nichts dazu.

Auch in der Tramlinie 5 schien es niemanden zu stören, dass keiner Abstand hielt. „Ein Fünftel der Menschen trug keine Maske. Ich fühlte mich alles andere als wohl“, sagt Di Monaco. Als er noch in der Straßenbahn einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes fragte, warum er nicht einschreite, antwortete der, dass das eh nichts bringe: „Wenn ich gehe, ziehen die Menschen die Maske wieder ab.“ Zudem könne man sich in Kassel kaum noch anstecken.

Di Monaco wird vorerst weder Bus noch Bahn fahren. Die Zustände dort sind seiner Ansicht nach untragbar – anders als beim Einkaufen, wo er bessere Erfahrungen gemacht hat. Auch andere HNA-Leser berichten Ähnliches wie der 28-Jährige, der einen Offenen Brief an das Gesundheitsamt geschrieben hat, in dem er ein härteres Durchgreifen der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) „zur Einhaltung der Hygienemaßnahmen und bei Verstößen dagegen“ fordert – „zum Schutz von uns allen“.

Bei der KVG ist Ingo Pijanka überrascht von den Erfahrungen des Kunden. Der Sprecher fährt fast jeden Tag mit Bus und Bahn und sagt: „Ich habe nur einmal einen Mann ohne Maske gesehen.“ Auch die gemeinsamen Kontrollen mit der Stadtpolizei lieferten ein anderes Bild als das, was sich vielen Kunden bietet.

Bei der ersten Stichprobe am 14. Juli hielten sich 95 Prozent der Fahrgäste an die Maskenpflicht. Eine Woche später wurden innerhalb von drei Stunden 36 Mitfahrende auf die Maske hingewiesen, weil sie sie nicht richtig oder gar nicht aufhatten. „Fünf Personen ohne Masken wurden der Örtlichkeit verwiesen“, heißt es aus dem Ordnungsamt.

Es bleibt die Frage, wie Kontrolleure sowie Bus- und Straßenbahnfahrer mit denjenigen umgehen sollen, die sich nicht an die Regeln halten. Auf Twitter liest man mitunter, dass zum Beispiel Fahrer der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) einfach nicht weiter fahren, so lange Personen ohne Mundschutz im Bus sind. Dafür gibt es von den meisten reichlich Applaus. Solche spontanen Aktionen würde Di Monaco auch in Kassel begrüßen.

KVG-Sprecher Pijanka weist dagegen auf mögliche Folgen hin: „Grundsätzlich können unsere Mitarbeiter auch das Hausrecht ausüben und Fahrgäste ohne Masken aus den Fahrzeugen verweisen. Allerdings gilt hierbei, dass Eskalationen vermieden werden müssen, um unsere Mitarbeiter zu schützen.“

Er erinnert an den Fall des französischen Busfahrers Philippe Monguillot (59), der in Bayonne mehrere Menschen ohne Maske abgewiesen haben soll und daraufhin so schwer verletzt wurde, dass er später starb.

So etwas gab es hierzulande noch nicht. In extremen Fällen der Verweigerung schaltet aber auch die KVG die Ordnungsbehörden ein. Pijanka beteuert, dass man sich in den Bussen und Bahnen in Kassel „ehr sicher“ fühlen könne. „Auch ich benutze weiterhin täglich den ÖPNV.“ Di Monaco will das hingegen nur im absoluten Notfall machen. (Matthias Lohr)

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