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Diebe klauen immer wieder Kabel: Senioren in Wohnanlage wochenlang nicht erreichbar

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Von: Anna Weyh

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Eigentlich gilt ein Betretungsverbot auf dem Grundstück von Convivo, doch Kabel-Diebe verschaffen sich dort immer wieder Zutritt. Wolfgang Schlick steht vor dem ehemaligen Pflegeheim, in dem sich die Telekom-Anschlussstelle für das Telefon seiner Mutter befindet.
Eigentlich gilt ein Betretungsverbot auf dem Grundstück von Convivo, doch Kabel-Diebe verschaffen sich dort immer wieder Zutritt. Wolfgang Schlick steht vor dem ehemaligen Pflegeheim, in dem sich die Telekom-Anschlussstelle für das Telefon seiner Mutter befindet. © anna weyh

Einige Senioren der Wohnanlage „Hinter dem Fasanenhof“ in Wolfsanger waren für drei Wochen nicht erreichbar. Der Grund: Kabel-Diebe haben immer wieder zugeschlagen.

Wolfsanger/Fasanenhof – Die Mutter von Wolfgang Schlick ist im Betreuten Wohnen der Seniorenwohnanlage „Hinter dem Fasanenhof“ in Wolfsanger zuhause. Bereits seit drei Wochen hat die 99-Jährige nun keine Möglichkeit zu telefonieren. Schlick sorgt sich um seine Mutter, auch weil diese gesundheitlich angeschlagen ist und ohne Telefon keinen Hausnotruf abgeben kann. „Es ist nicht das erste Mal, dass sowas vorkommt“, sagt der Kasseler.

Die Wohnanlage gehört der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Kassel (GWG). Die technische Anlage, die die Telekom-Leitungen beherbergt und somit auch den Hausnotruf-Dienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ermöglicht, befindet sich jedoch in dem leer stehenden Gebäude des ehemaligen Pflegeheims hinter den Häuserblöcken und gehört der Unternehmensgruppe Convivo. Zwar habe sich die Telekom um die Anlage gekümmert – obwohl ihre Zuständigkeit laut eines Technikers eigentlich an der Übergabestelle zur Anlage ende – und den Schaden einen Tag vor Heiligabend provisorisch behoben. Allerdings nur für kurze Zeit.

Nach wenigen Stunden war die Verbindung laut Wolfgang Schlick bereits wieder zerstört. „Ursache waren Kabeldiebstähle im leer stehenden Gebäude“, sagt Raphael Bakowski von der GWG. 30 Meter Kabel sollen die Täter auf der Suche nach Kupferleitungen kürzlich demontiert haben. Bereits mehrfach wurden die beschädigten Kabel laut GWG wieder instand gesetzt, mittlerweile sei der Schaden irreparabel.

„Manchmal suchen wir mehrere Stunden lang nach der Fehlerquelle in dem Gebäudekomplex. Kaum ist es repariert, schlagen die Diebe wieder zu“, sagt Geraldine Malmus von der GWG. Auch Convivo habe bereits Hausmeister vorbeigeschickt, die versucht haben sollen, das Haus gegen Einbrüche zu sichern. Doch die Diebe finden neue Wege und schlagen, wenn nötig, auch Fenster ein.

Neben einem vorübergehenden Hausnotruf im Eingangsbereich der Häuser B, C und D stehen Geraldine Malmus und Raphael Bakowski von der GWG.
Neben einem vorübergehenden Hausnotruf im Eingangsbereich der Häuser B, C und D stehen Geraldine Malmus und Raphael Bakowski von der GWG. © Weyh, Anna-Laura

Von der Telefonstörung betroffen sind die Bewohnerinnen und Bewohner der Häuser B, C und D – insgesamt also 62 Parteien, allerdings davon nur die Menschen, die Kunden bei der Telekom und somit ihren Hausnotruf über das DRK beziehen, andere Anbieter funktionieren.

Vorwürfe könne man nun weder der GWG und der Telekom noch Convivo machen, sagt Wolfgang Schlick. „Alle bemühen sich sehr, nur die Kommunikation hätte besser laufen können. Es ist schwer, jemanden zu erreichen“, sagt der Sohn, der viel Zeit in telefonischen Warteschleifen der GWG verbracht hat. „Letztlich hängt doch das Leben von hochbetagten Bewohnern von einem funktionierenden Notruf ab. Nicht auszudenken, wenn wirklich jemand in eine lebensbedrohliche Lage gerät“, so Schlick.

Die GWG hat aus diesem Grund nun gestern noch mithilfe des DRK vorübergehende Notruf-Systeme in den drei Eingangsbereichen der betroffenen Häuser installiert. Bei den Bewohnenden, die schlecht zu Fuß sind, wurden die strombetriebenen Notknöpfe auch in den Wohnungen angebracht. Die Kosten von 39 Euro täglich pro Gerät übernehme die GWG.

„Gleichzeitig sind wir dabei, eine neue Telekom-Anschlussstelle in Haus B zu errichten. Sodass wir dann nicht mehr auf die Anlage im brachliegenden Gebäude zugreifen müssen“, sagt Raphael Bakowski. Dadurch können die Kabel-Diebe die Telekom-Leitungen der Wohnanlage nicht mehr beeinträchtigen. Das zu installieren, dauere aber noch etwa zwei Wochen. Grund seien verzögerten Lieferzeiten der Kabel.

Convivo äußerte sich gestern auf HNA-Anfrage nicht.

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