Diebstahl von 3000 Handys - Staatsanwalt fordert Haftstrafen

CALDEN / Kassel. Im Prozess um rund 3000 unterschlagene Handys forderte Staatsanwalt Dieter Wallbaum vor dem Kasseler Landgericht gestern dreieinhalb Jahre für den 44-jährigen Angeklagten sowie ein Jahr und zehn Monate für den 59-jährigen Mitangeklagten.

Dass die Handys in einem Gesamtwert von über 600 000 Euro von den aus Calden und Kassel stammenden Männern beiseitegeschafft und verkauft wurden, daran hat Wallbaum „keinerlei Zweifel“.

Im Februar 2006 bekam der 44-Jährige als Fahrer einer Kasseler Spedition den Auftrag, die Ladung mit Handys nach England zu transportieren. In Belgien zeigte er bei der Polizei den Diebstahl des Lkw samt Ladung an, das Fahrzeug wurde später leergeräumt auf einem Parkplatz gefunden.

Intaktes Lenkerschloss

Staatsanwalt Wallbaum ist sich nach der Beweisaufnahme sicher, dass der 44-Jährige mit seinem Ex-Stiefvater, der mit ihm auf der Anklagebank sitzt, den Diebstahl vorgetäuscht und die Handys selbst beiseitegeschafft hat.

Dafür sieht Wallbaum genügend Beweise, etwa das intakte Lenkerschloss des Fahrzeugs.

Gutachter kamen zu dem Ergebnis, dass der Transporter bis zum Abstellen mit dem Originalschlüssel gefahren worden sein muss, was gegen einen Diebstahl spricht.

Die Überprüfung der Verbindungsdaten der Handys beider Angeklagten ergab, dass sich ihre Telefone an jenem Tag just in Belgien in das Funknetz eingewählt hatten. Der 59-Jährige gab an, dass er zu dem Zeitpunkt auf der Geburtstagsfeier für seinen Vater gewesen sei.

Dieses Alibi ist in den Augen des Staatsanwalts „nichts wert“. Belgien sei von Kassel aus in zwei bis drei Stunden zu erreichen, selbst wenn der 59-Jährige auf der Feier gewesen sein sollte, sei die Fahrt machbar gewesen.

Wallbaum sah in dem 44-Jährigen den Haupttäter und forderte dessen Verurteilung wegen Unterschlagung, der 59-Jährige könne lediglich wegen Beihilfe belangt werden.

Bewährung unangebracht

Mit Blick auf die Vorstrafenregister der beiden hielt der Staatsanwalt in beiden Fällen Bewährungsstrafen für unangebracht. Allerdings müsse sich die erhebliche Verfahrensverzögerung - die Anklage stammt aus dem Jahre 2007 - im Strafmaß niederschlagen. Wallbaum sah sechs Monate als verbüßt an.

Am 2. August soll der Prozess mit den Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt werden. (pas)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.