Seit drei Wochen massive Zunahme in der City

Diebstahlserie in der City: Das sind die Tricks der Täter

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Diebe sind derzeit in der Innenstadt verstärkt unterwegs: Sie öffnen die Taschen von meist jungen Leuten und stehlen Geldbörse oder Handy.

Kassel. Sie öffnen die Tasche, greifen nach dem Portemonnaie und verschwinden. Und die Opfer merken meist gar nichts. Die Zahl der Diebstähle aus Handtaschen hat in der Kasseler Innenstadt massiv zugenommen.

Nach Angaben von Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch wurden allein in den vergangenen drei Wochen über 30 Taschendiebstähle zur Anzeige gebracht.

Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr wurden in der Stadt Kassel 272 Delikte registriert. Taschendiebstahl sei ein urbanes Massendelikt, weil es in Städten günstigere Tatgelegenheiten durch große Kaufhäuser, Fußgängerzonen und Menschenansammlungen gebe. Unter Taschendiebstahl versteht man übrigens den Diebstahl aus Taschen, nicht den von Taschen, erklärt Jungnitsch.

Ohne Videoüberwachung

Der oder die Täter hätten dabei nahezu ausschließlich in Geschäften zugeschlagen, die erkennbar über keine Videoüberwachung verfügen. Ganz bevorzugt tummelten sich die Ganoven dabei offenbar in großen Einkaufsgalerien. Als Opfer würden immer wieder junge Leute ausgewählt, denen Portemonnaies oder Handys gestohlen würden. Das Gros der Opfer berichtete den Ermittlern des Kommissariats 21 / 22, nichts von den Diebstählen mitbekommen zu haben.

So auch eine junge Frau aus Kassel, die am Wochenende eine Strafanzeige erstattete. Sie war im City-Point am Königsplatz zum Einkaufen unterwegs. In einem Geschäft ohne Videoüberwachung stellte die Frau plötzlich fest, dass der Reißverschluss ihrer Tasche offen stand und die Geldbörse fehlte. Den Diebstahl hatte sie aber erst bemerkt, als sie an der Kasse bezahlen wollte. (use)  

Hinweise an die Polizei unter Tel. 05 61/9100.

Täter haben viele Tricks auf Lager

Das Präventionsprogramm des Bundes und der Länder (ProPK) hat zum Thema Taschen- und Trickdiebstähle Informationen zusammengestellt, die auch die Raffinesse und den Erfindungsreichtum der Ganoven verdeutlichen sollen. Demnach gehen Taschendiebe in Teams von mehreren Tätern arbeitsteilig vor. Dabei nutzen sie Tricks oder schlagen nach einem selbst verursachten Gedränge zu. Opfer von Taschendiebstahl werden vor allem Frauen. Das Repertoire der Taschendiebe ist äußerst umfangreich, fast täglich werden neue Finessen bekannt.

Einige Beispiele für die Masche der Täter:

Der Rempel-Trick: Das Opfer wird im Gedränge angerempelt oder „in die Zange“ genommen; beim Einsteigen in die Bahn stolpert der Vordermann, er bückt sich oder bleibt plötzlich stehen. Während das Opfer aufläuft und abgelenkt ist, greift ein Komplize in die Tasche.

Der Drängel-Trick: In vollen Bussen oder Bahnen rückt ein Dieb unangenehm dicht an das Opfer heran, das ihm den Rücken zuwendet und so die Tasche „griffbereit“ anbietet.

Der Stadtplan-Trick: Fremde fragen das Opfer nach dem Weg und halten ihm einen Stadtplan vor oder bitten es - etwa auf Bahnhöfen - an einen ausgehängten Plan. Während sich das Opfer orientiert und abgelenkt ist, plündern andere Täter die Hand- oder Umhängetasche.

Der Geldwechsel-Trick: Fremde bitten das Opfer, eine Münze zu wechseln. Wenn das Opfer die Geldbörse zieht und das Münzfach öffnet, wird es vom Täter abgelenkt. Während dieser beispielsweise seine Münze in die Börse wirft, nimmt er Banknoten heraus.

Der Beschmutzer-Trick: Insbesondere nach einem Bankbesuch wird das Opfer „versehentlich“ mit Ketchup, Eis oder einer Flüssigkeit bekleckert. Beim wortreichen Reinigungsversuch verschwindet das gerade abgehobene Geld aus der Tasche.

Der Supermarkt-Trick: Im Supermarkt fragen Fremde das Opfer nach einer bestimmten Ware. Während es danach sucht, wird die Tasche am Einkaufswagen ausgeräumt.

Der Hochhebe-Trick: In einer Gaststätte behauptet jemand, das Gewicht des Opfers schätzen zu können. Beim Hochheben „zieht“ er oder ein Komplize die Geldbörse.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf: www.polizei-beratung.de

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