Demo in Wiesbaden für mehr Gehalt

Kritik an Stundenkürzungen an Gymnasien: 250 Lehrer streiken

Demonstration: Gegen Kürzungen von Lehrerstunden im gymnasialen Oberstufenbereich protestierten gestern Schüler und Lehrer an der Jacob-Grimm-Schule. Fotos: Hein

Kassel. Dienstag wird in und um Kassel an Schulen so manche Unterrichtsstunde ausfallen: An die tausend nordhessische Mitarbeiter im öffentlichen Dienst – zum größten Teil beamtete Lehrer – sind in einen eintägigen Warnstreik getreten.

Der Protest zielt auf die Forderung, die vereinbarten Gehaltserhöhungen auf alle Beamten zu übertragen sowie die Arbeitszeit von 42 auf 40 Wochenstunden zu reduzieren, wie dies „bereits 2009 tarifvertraglich vereinbart worden ist“, sagte die Kasseler Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Birgit Koch.

Die streikenden Lehrer sind heute Morgen in Bussen nach Wiesbaden gefahren, um dort zu demonstrieren. Nach Auskunft der GEW hatten in Kassel 250 Lehrer angekündigt, ihre Arbeit niederzulegen.

Demonstration: Gegen Kürzungen von Lehrerstunden im gymnasialen Oberstufenbereich protestierten gestern Schüler und Lehrer an der Jacob-Grimm-Schule. Fotos: Hein

Die Schulleitungen waren von der GEW im Vorfeld darüber in Kenntnis gesetzt worden, welche Kollegen streiken. „Wir sind gut vorbereitet“, sagte Jörg Sperling, Direktor der Heinrich-Schütz-Schule, an der sich heute 23 Kollegen im Ausstand befinden. „Wir haben die Eltern informiert, dass es zu Unterrichtsausfällen kommt.“ Es sei nicht möglich, alle Stunden über das Programm „Verlässliche Schule“ abzufedern, sagte Sperling. Trotz dieser Begleiterscheinungen halte er die Forderungen der streikenden Kollegen „für berechtigt“.

Die Stimmung ist aufgeheizt. Einen Vorgeschmack gab es bereits gestern. In der ersten großen Pause hatten sich Schüler der Jacob-Grimm-Schule (JGS) gemeinsam mit geschätzt 40 ihrer Lehrer vor dem Schulgebäude an der Wilhelmshöher Allee zu einer Demonstration versammelt. „Kreative Buchführung ist noch keine Bildungspolitik – Chancengleichheit auch für Abiturienten“ stand auf einem der Plakate. Der Protest der JGS richtete sich gegen die geplante Kürzung der Stundenzuweisung im gymnasialen Oberstufenbereich. Für die JGS würde dies in drei Jahren 2,5 Lehrerstellen weniger bedeuten. „Das ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“, sagte Lehrer Simon Aulepp.

Auch heute gibt es an Schulen Aktionen von Lehrern, die nicht in Wiesbaden demonstrieren. Unter dem Motto „Billige Bildung ist für die Tonne“ verteilen etwa an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule Lehrer vor Unterrichtsbeginn Infomaterial. Dabei wollen sie Müllsäcken tragen und den Sparmaßnahmen „die rote Karte zeigen“.

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