Diese Kasseler Unternehmerin ist der leuchtende Star der Start-up-Szene

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Bringt Licht ins Dunkel: Die Kasseler Unternehmerin Lena Schaumann hat den Lampen-Onlineshop Lumizil gegründet.

Lena Schaumann hätte das Kasseler Möbelimperium ihrer Familie übernehmen können. Stattdessen hat sie in Berlin den Online-Lampenshop Lumizil gegründet, der die verstaubte Branche aufmischt.

Anfang vorigen Jahres ließ Lena Schaumann eine Familie zehn Tage lang ohne Lampenlicht im Dunkeln leben. Das interessante Experiment der Kasseler Unternehmerin war keine Strafaktion, sondern sollte zeigen, wie wichtig Licht für uns ist. Jeden Tag durfte die vierköpfige Familie Boguslawski im trüben Berliner Winter nur eine Kerze verwenden. Am ersten Sonntag wurden die Fenster gar komplett abgedunkelt.

Ohne Licht fiel die Stimmung der Teilnehmer in den Keller. Morgens kamen Mama, Papa und die Kinder nicht aus dem Bett, abends wollten sie viel früher wieder schlafen als sonst. Familie Boguslawski hielt durch und bekam als Belohnung eine komplette Lampenausstattung von Schaumanns Firma Lumizil

Mit solchen Werbe-Aktionen für ihr junges Online-Lampen-Unternehmen hat es die 28-Jährige ins Scheinwerferlicht der Start-up-Szene in der Hauptstadt geschafft. Die Tochter aus dem Kasseler Möbelimperium Schaumann hätte auch in die Firma ihres Vaters einsteigen können. Stattdessen versucht sie nun, Online- und Offline-Welt zusammenzubringen.

Angeblich kauft ihre Generation nur noch im Netz ein. Schaumann sagt indes von sich, dass sie "gern online und trotzdem auch ein Offline-Shopper ist". Lumizil bietet darum fast 20.000 Lampen von mehr als einem Dutzend Herstellern an. Die werden auf der Lumizil-Seite emotional präsentiert - unter anderem mit Blog-Beiträgen über Lichtdesigner und "Ladenbeleuchtung als Psychotrick". Zugleich hat Schaumann im September im Kasseler Möbelhaus ihres Vaters "den ersten begehbaren Onlineshop für Lampen" eröffnet, wie das Unternehmen sagt. Auch in den Filialen in Homberg und Korbach werden die Lampen demnächst auf großen Bildschirmen so präsentiert, wie sie später in der Wohnung aussehen. "Wir verbinden beide Welten", sagt Schaumann.

Lumizil produziert keine Lampen und lagert auch keine, sondern stellt nur den Kontakt zwischen Kunden und Händlern her. "Warum soll ich mir erst die Ware vom Händler schicken lassen und dann wieder versenden, wenn es so doch viel schneller geht?", fragt Schaumann. In der angestaubten Möbelbranche ist so etwas eine kleine Revolution.

Auf die Idee zu ihrer Firma kam die gelernte Bankkaufrau, die nach dem Abitur am Friedrichsgymnasium ihre Ausbildung bei der Kasseler Bank absolvierte, als sie eine Lampe für ihre Berliner Wohnung suchte: "Die waren alle total lieblos präsentiert. Dabei ist Wohnen etwas sehr Emotionales. Und eine Lampe muss auch dann gut aussehen, wenn sie nicht an ist."

Wie der elektronische Handel funktioniert, hat die BWL-Absolventin der Otto Beisheim School of Management in Vallendar bei Koblenz unter anderem während eines Praktikums bei Freedom, dem größten Möbelhändler Australiens und Neuseelands, gelernt.

Einmal im Monat ist Lena Schaumann noch in Kassel.

Zurück in Deutschland gründete sie mit zwei Freundinnen im September 2014 Lumizil. Der Firmenname setzt sich aus Lumen, dem lateinischen Begriff für Licht, und Domizil zusammen. Schaumann hätte das Unternehmen auch in ihrer Heimat Kassel gründen können, aber sie sagt: "Ich wollte gern in eine Großstadt." Ihre zwölf Mitarbeiter residieren mittlerweile in der Brunnenstraße in Mitte, wo auch andere Start-ups wie der Streamingdienst Soundcloud ihre Büros haben. Meetings, Workshops und Abendessen mit anderen Unternehmern sind für Schaumann "sehr wichtig". Und netzwerken kann man nun mal nirgends so gut wie in Berlin.

2016 machte Lumizil zwei Millionen Euro Umsatz, dieses Jahr sollen es vier Millionen werden. Dann könnte das Start-up erstmals Gewinn machen, was sich auch für Lena Schaumanns Vater Hermann auszahlen könnte, der einer von zwei Hauptinvestoren ist. Vielleicht hofft auch er auf schlechtes Wetter. Denn bei Sonnenschein werden weniger Leuchten verkauft. Je dunkler es ist, desto heller strahlt Lumizil.

Lampentrend Hygge: Wir sollen uns wohl fühlen wie in Skandinavien.

Die Trends

Im Vorjahr hieß es nach der Frankfurter Fachmesse Light + Building, der Mensch suche nach dem Ländlichen und hole sich mit entsprechenden Lampen die Natur in die Stadt zurück. Dieser Trend hält auch diese Saison mit Holzlampen und anderen Leuchten aus Naturmaterialien an, sagt Lena Schaumann.

Kombiniert wird das mit dem skandinavischen Stil. Im Lumizil-Blog heißt es: "Du willst weniger Aufregung und mehr Freude in deinem Leben? Dann mach dich mal locker und sei etwas mehr Hygge!" Im Dänischen bedeutet Hygge Gemütlichkeit. Und so stehen die aktuellen Lampentrends für Vertrautheit, Behaglichkeit, Sicherheit und Wärme. Man liegt wahrscheinlich nicht falsch, wenn man prophezeit: In heimischen Wohnzimmern wird es bald noch mehr wie in einem Ikea-Katalog aussehen. Auch die Schweden sind von Natur aus ziemlich Hygge.

ZUR PERSON: LENA SCHAUMANN

Alter:

28

Ausbildung:

Abitur am Kasseler Friedrichsgymnasium, Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Kasseler Bank, BWL-Studium an der Otto Beisheim School of Management in Vallendar bei Koblenz, Mitarbeit bei Möbel-Schaumann, Praktikum beim Möbelhändler Freedom in Australien

Beruf:

Unternehmerin, Gründerin des Start-ups Lumizil 

Privates:

Single, lebt in Berlin-Mitte unweit ihrer Firma

Hobbys:

Joggen, Tanzen, Freunde

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